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Begrüßung und Einführung

Grußwort des stellvertretenden Bezirkstagspräsidenten Michael Asam


Michael Asam, Stellvertretender Bezirkstagspräsident von Oberbayern, bei der Veranstaltung am 22.10.2015, Foto: Manfred Neubauer
Die Auftaktveranstaltung der Dialogreihe wurde eröffnet durch den stellvertretenden Bezirkstagspräsidenten Michael Asam, der sich über das große Interesse an der Veranstaltung freute und die Anwesenden im Namen des Bezirks Oberbayern begrüßte. „Naturschutz erfordert einen langen Atem“, sagte Asam einleitend und betonte: „Hier müssen wir dranbleiben.“ Wasser habe eine besondere Wirkung auf den Menschen, es tue ihm gut. Allerdings seien nur noch zehn Prozent der Flussläufe intakt. Der stellvertretende Bezirkstagspräsident sprach sich dafür aus, etwas zu tun, um die kostbaren Naturräume der Alpenflusslandschaften zu erhalten und stellte abschließend fest: „Brauchbare Lösungen finden wir nur durch den Dialog.“

Grußwort des Rektors vom Zentrum für Umwelt und Kultur Pater Karl Geißinger


Rektor des ZUK, Zentrum für Umwelt und Kultur, Pater Karl Geißinger, Hotspot-Projekt Alpenflusslandschaften, 22.10.2015, Foto: Manfred Neubauer
Die Bedeutung des Dialogs als „das Entscheidende im Leben“ betonte auch Pater Karl Geißinger, Rektor des Zentrums für Umwelt und Kultur, bei seiner anschließenden Begrüßung. Er zitierte aus der 2015 veröffentlichten Umwelt-Enzyklika „Laudato Si’“ von Papst Franziskus: „Ich lade dringlich zu einem neuen Dialog ein über die Art und Weise, wie wir die Zukunft unseres Planeten gestalten. Wir brauchen ein Gespräch, denn die Herausforderung der Umweltsituation und ihre menschlichen Wurzeln interessieren und betreffen uns alle.“ Die Enzyklika, so Geißinger, sei ein eindringlicher Appell an alle, sich um die Bewahrung der Schöpfung zu kümmern. Mit den Worten: „Wir brauchen intakte Flüsse, um zu erfahren, wo Leben herkommt und hinführt“ wünschte Pater Geißinger der Dialogreihe viel Erfolg.

Einführung von Moderatorin Angela Braun (Bayerischer Rundfunk)


Angela Braun - Moderatorin, Hotspot-Projekt Alpenflusslandschaften, 22.10.2015, Foto: Manfred Neubauer
Nach den Grußworten gab die Moderatorin Angela Braun, Journalistin beim Bayerischen Rundfunk, eine inhaltliche Einführung in die Thematik und erläuterte zunächst, was ein „Hotspot-Projekt“ ist: Es beschäftige sich mit – wörtlich übersetzt – Brennpunktregionen mit besonders vielen – überwiegend gefährdeten – Pflanzen- und Tierarten, die deutschlandweit elf Prozent der Gesamtfläche ausmachen. Das „Hotspot-Projekt Alpenflusslandschaften“ sei auf sechs Jahre angelegt und solle das Bewusstsein für bedrohte Flusslandschaften schärfen. Angela Braun stellte in diesem Zusammenhang die Projektleiterin Claire Tranter vom WWF Deutschland, dem federführenden Leadpartner, vor. Bei der heutigen Veranstaltung, kündigte Braun an, würden verschiedene Sichtweisen und Perspektiven beleuchtet. Mit einer Geschichte aus ihrem privaten Umfeld veranschaulichte sie die Bedeutung des Perspektivwechsels. Nach ein paar Hinweisen zum organisatorischen Ablauf leitete sie zum ersten Referenten der Veranstaltung Dr. Eberhard Pfeuffer über.


Einführungsvortrag

Dr. Eberhard Pfeuffer:  „Faszination Alpenflusslandschaften“

Forscher, Autor, Lechexperte Dr. Eberhard Pfeuffer, Hotspot-Projekt Alpenflusslandschaften, die Dialogreihe findet im Projektzeitraum 2015 bis 2019 jedes Jahr im Oktober statt. Sie wird vom Bezirk Oberbayern in Kooperation mit dem Zentrum fr Umwelt und Kultur Benediktbeuern e. V. (ZUK) und in Zusammenarbeit mit den Verbundpartnern des Hot- spot-Projekts durchgeführt, 22.10.2015, Foto: Manfred Neubauer
Mit viel Fachwissen, Engagement und aussagekräftigen Bildern vermittelte Dr. Eberhard Pfeuffer in seinem Einführungsvortrag die „Faszination Alpenflusslandschaften“. Die Grundlage zur Renaturierung von Wildflüssen sei die Wiederherstellung ihrer Dynamik. Denn nur durch die wechselnden Pegelstände mit periodisch einsetzenden reißenden Hochwassern könnten einzigartige Landschaftsbilder und Biodiversitäts-Hotspots sowie überregionale Verbundsysteme entstehen. „Diese einzigartigen Lebens- und Erlebnisräume sind bedroht, wenn nicht etwas Grundsätzliches geschieht“, betonte Dr. Pfeuffer und appellierte zusammenfassend: „Gebt unseren Flüssen wieder etwas von ihrer Wildheit zurück und lasst die Tiere und Pflanzen zurückkommen!“

Mehr zum Vortrag

Dr. Eberhard Pfeuffer (Jahrgang 1943) aus Augsburg ist Mediziner und war Vorsitzender des Naturwissenschaftlichen Vereins für Schwaben e. V. (1996 bis 2013). Als Autor zahlreicher Publikationen beschäftigt er sich seit Jahren mit der Ökologie von Wildflussauen, darunter vor allem mit dem Lech. Zu Beginn seines Vortrags „Faszination Alpenflusslandschaften“ verdeutlichte er anhand eindrucksvoller Bilder, den Charakter und die Bedeutung von Wildflüssen. Der ständige Wandel aus Niedrig- und Hochwassern sei verantwortlich für die Dynamik eines Flusses, so Dr. Pfeuffer. Er hob die Bedeutung der wechselnden Pegelstände, welche die Geröllmassen an- und abtransportieren und immer neue Flussläufe und Kiesbänke – sogenannte „Umlagerungsstrecken“ – entstehen lassen, heraus.

Einzigartigkeit durch Dynamik

Durch diese Dynamik entstünden einzigartige Landschaftsbilder wie etwa der Flusslauf des Tagliamento im Friaul, der – laut Dr. Pfeuffer – „der letzte vollständig erhaltene Wildfluss der Alpen“ sei. Auch einzigartige Biodiversitäts-Hotspots könnten sich ohne diese Dynamik nicht entwickeln. In „Rezenten Auen“ seien sogenannte Zeiger-Arten vorhanden, die nur hier leben können (z. B. Knorpelsalat, Deutsche Tamariske, Wechselkröte). In „Fossilen Auen“, die kaum mehr überflutet werden, kommen Arten vor, die bei der Renaturierung behilflich sein könnten. Dazu gehören etwa Pflanzen wie der Frauenschuh und die Schneeheide und Tiere wie der Idas-Bläuling. Die wechselnden Pegelstände von Flüssen seien zudem verantwortlich für das Entstehen überregionaler Verbundsysteme. Allein durch die periodisch einsetzenden Überschwemmungen könnten sich hochalpine Arten entlang der Flüsse verbreiten und somit eine sogenannte „Biotop-Brücke“ spannen.

Kostbare Reste schützen

Im zweiten Teil seines Vortrags wandte sich Dr. Pfeuffer dem Ist-Zustand der Alpenflüsse zu. Um ihre fortschreitende Zerstörung und Verbauung deutlich zu machen, zeigte er im Vergleich historische und aktuelle Fotografien von Flusslandschaften. Jedoch räumte er auch ein: „Es gibt sie noch, die alten Flüsse.“ Als Beispiel ökologisch intakter Abschnitte nannte unter anderem die Obere Isar, die Loisach Moore, die Litzauer Schleife am Lech und erwähnte in diesem Zusammenhang die teilweise noch vorhandene Artenvielfalt. „Den Huchen und andere seltenste Tierarten gibt es – trotz herber Verluste – weltweit nur noch in unseren Flüssen.“ Diese kostbaren Reste der alten Flusslandschaften zählten, so Dr. Pfeuffer, immer noch zu den europaweit bedeutendsten, wenn auch in ihrem Fortbestand gefährdeten Biodiversitäts-Hotspots. Sie seien einzigartigen Lebens- und Erlebnisräume, die geschützt werden müssten, betonte der Referent und zitierte aus dem Artikel 1 des Bayerischen Naturschutzgesetzes, der mit dem Wortlaut beginnt: „Naturschutz ist verpflichtende Aufgabe für Staat und Gesellschaft sowie für jeden einzelnen Bürger und für jede einzelne Bürgerin.“ Dies sei eine wichtige Referenz für die Renaturierung, meinte Dr. Pfeuffer und betonte: „Gesetze sind einzuhalten!“

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