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Kategorie: Gesundheit
19.11.2018

„Reden hilft und zuhören auch“

Bezirk Oberbayern zeichnet BASTA – das Bündnis für psychisch erkrankte Menschen mit Inklusionspreis 2018 aus

Begegnung und Austausch von Psychiatrie-Erfahrenen mit jungen Menschen sind das Herzstück der Antistigma-Arbeit von BASTA – dem Bündnis für psychisch erkrankte Menschen. BASTA engagiert sich damit gegen Ausgrenzung und Vorurteile. Für diesen Beitrag zur Bewusstseinsbildung zeichnete der Bezirk Oberbayern das Bündnis jetzt mit dem 1. Platz des Inklusionspreises 2018 aus.

Borderline, Depressionen und Sucht: Im Alter von 15 Jahren bemerkt Dominique de Marné erste Symptome ihrer psychischen Erkrankungen, kämpft mit Alkohol und Rasierklinge gegen den inneren Druck. „Meine Borderline-Störung fühlte sich an wie eine Achterbahnfahrt bei Nacht“, erzählt de Marné. „Ich musste einfach Luft aus dem Kessel lassen, deshalb habe ich mich geritzt und getrunken.“ Gleichzeitig habe sich die Depression „als eine Kraft geäußert, die hinter mir steht und mich runter ins Loch, ins Dunkle ziehen will“.

Dominique de Marné ist Gast an der Berufsschule Rosenheim, Klasse für medizinische Fachberufe, gut 20 Schülerinnen und Schüler an der Schwelle zum Erwachsensein. Die Begegnungsstunde mit der Psychiatrie-Erfahrenen ist der Abschluss des Antistigma-Projekts, auf das sich die Schüler gemeinsam mit ihren Lehrerinnen über mehrere Schulstunden und Wochen vorbereitet haben. Initiator des Projekts ist BASTA – das Bündnis für psychisch erkrankte Menschen. Hintergrund ist, dass Menschen meist Ablehnung und Ausgrenzung erfahren, wenn sie über eine seelische Notlage sprechen. Alleine die Worte Depression oder Schizophrenie lassen viele auf Distanz gehen, so als hätten die Betroffenen eine ansteckende Krankheit.

Genau hier setzt BASTA an. Das Bündnis informiert, klärt auf und holt so das Thema Psychiatrie aus der Tabuzone. Im Zentrum steht die Begegnung mit einem Menschen, der – wie Dominique de Marné – offen über seine Erkrankung, seine Erfahrungen und sein Leben berichtet. Elfriede Scheuring, die seit 2004 für BASTA tätig ist, sagt: „Die Begegnungen verschaffen den Betroffenen Gehör und helfen den Schülern, ein Bewusstsein für psychische Erkrankungen zu entwickeln, ihre eigenen Vorurteile zu hinterfragen und abzubauen.“

Bei den Begegnungen werden die Referenten durch einen Psychiatrie-Profi unterstützt. Im Falle der Berufsschule Rosenheim übernimmt diese Rolle Kathinka Hauerwaas vom Sozialpsychiatrischen Dienst (SpDi) der Stadt. Sie klärt über mögliche Hilfen auf und ermuntert die Schülerinnen und Schüler aufmerksam und mit gespitzten Ohren durchs Leben zu gehen: Was ist mit deinen Freunden? Hast du Veränderungen bemerkt? Braucht eine Person aus deinem Umfeld Hilfe? Oder du selbst? „Die Dringlichkeit dieser Fragen spüre ich jeden Tag“, erzählt Hauerwaas. Für viele Schüler sei das BASTA-Projekt der Auslöser, „sich wegen einer eigenen oder familiären Betroffenheit bei uns im Dienst Rat zu holen“.

Das zeigt, BASTA wirkt. Allein in München und Rosenheim veranstaltet das bundesweit aktive Bündnis rund 100 Schul-Kurse pro Jahr; los ging es vor 15 Jahren mit elf. Seither hat BASTA rund 30.000 Schüler erreicht. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Antistigma-Arbeit bei der Polizei. Hier nimmt neben der Aufklärung über Krankheitsbilder der Umgang mit seelisch belasteten Menschen großen Raum ein.

Dieser Ansatz überzeugte auch die Jury des Inklusionspreises 2018. Das Projekt erreiche mehr als Wissensvermittlung. „Die Schüler und Schülerinnen können durch Empathie und Sympathie für die Betroffenen ihre Vorurteile hinterfragen. Sie erleben, dass niemand das Recht hat, Menschen aus der Mitte der Gemeinschaft auszugrenzen“, heißt es in der Begründung. „BASTA leistet damit Bewusstseinsbildung im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention, baut Berührungsängste und Vorurteile ab, ist nachhaltig und übertragbar.“

Besonders beeindruckte die Jury, „dass viele Menschen mit einer seelischen Erkrankung BASTA unterstützen und von sich so viel Privates preisgeben“. Eben wie Dominique de Marné, die sagt: „Reden hilft und zuhören auch.“


Weitere Informationen:

  • zu Basta unter www.bastagegenstigma.de
  • Dominique de Marné hat Kommunikationswissenschaft und Psychologie studiert. Seit rund zwei Jahren unterstützt sie BASTA bei den Begegnungen mit Psychiatrie-Erfahrenen. Aktuell ist die 32-jährige Münchnerin als Autorin und Bloggerin tätig. Ihr Spezialgebiet sind Themen rund um seelische Gesundheit. Unter www.travelingtheborderline.com berichtet sie über ihr Leben mit Borderline.
Weitere Informationen für die Medien bei Constanze Mauermayer
Telefon: 089 2198 90011
E-Mail: Constanze.Mauermayer@bezirk-oberbayern.de
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Ansprechpartner/in

Constanze Mauermayer
Pressestelle: Stellvertretende Leitung, Soziales
Telefon: 089 2198-90011
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