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Herausragendes für die Allgemeinheit geleistet:

München, den Datum: 06.10.2015
Bezirksmedaille

Dr. Georg von Kaufmann aus Tutzing am Ammersee mit der Bezirksmedaille geehrt

Als Zeichen seiner Anerkennung verleiht der Bezirk Oberbayern an Menschen, die sich in besonderer Weise ehrenamtlich um das öffentliche Wohl in Oberbayern verdient gemacht haben, die Bezirksmedaille.„Wir als Bezirk Oberbayern wollen ein Zeichen in der Gesellschaft dafür setzen, wie wichtig das ehrenamtliche Engagement jedes Einzelnen ist“, betonte Bezirkstagspräsident Josef Mederer bei der Verleihung der Bezirksmedaillen im Europäischen Künstlerhaus Oberbayern in Freising. Mederer bezeichnete ehrenamtlich Tätige als unverzichtbaren Teil der Gesellschaft: „Liebe Ehrenamtliche – wir brauchen Sie, egal in welchem Bereich Sie tätig sind! Wir brauchen Vorbilder, die uns die Werte vorleben, die das soziale Gefüge und die kulturellen Grundlage einer humanistisch geprägten, demokratischen und christlichen Gesellschaft ausmachen: Miteinander statt Gegeneinander. Inklusion statt Ausgrenzung. Sie zeigen uns, wie es geht. Sie helfen mit, unsere Gesellschaft an der Basis zusammenzuhalten – in der Nachbarschaft, im Ort, im Stadtteil oder in der Region. Dafür möchten wir Ihnen allen von ganzem Herzen danken!“

Vor diesem Hintergrund nannte es Mederer sehr erfreulich, dass es sehr viele Menschen gibt, die Dank ihrem Engagement für diese Auszeichnung geeignet erscheinen. „Stellvertretend für die vielen, die sich ehrenamtlich engagieren, hat der Bezirk Oberbayern Persönlichkeiten ausgewählt, die sich in unterschiedlichsten Gebieten ehrenamtlich engagieren und ehrt sie mit der Verleihung der Bezirksmedaille.“


Zu den Geehrten zählt Dr. Georg von Kaufmann aus Tutzing am Ammersee.

Hier die Laudatio durch Bezirkstagspräsident Josef Mederer:

Anrede

Nun, meine Damen und Herren, wenden wir uns einem ganz besonderen oberbayerischen Kulturerbe und seinem Erbverwalter zu. Es geht um Volksmusik und Volkstanz – beides Künste, die von Generation zu Generation weitergegeben werden und – solange sie aktiv ausgeübt werden – zu den gelebten Traditionen gehören. Es ist ein schmaler Grat, auf dem diese Traditionen stehen. Ständig laufen sie Gefahr in die Tiefen kommerzieller Folklore abzurutschen. Unserem nächsten Ehrengast ist es zu verdanken, dass Volksmusik und Volkstanz ein selbstverständlicher Teil des Lebensalltags bleiben können und dass das musikalische Erbe seiner Eltern nach wie vor ein lebendiger Teil der oberbayerischen Volkskultur ist. Herzlich willkommen Dr. Georg von Kaufmann!

Meine Damen und Herren, um die Bedeutung des angesprochenen Erbes zu erfassen, möchte ich zunächst einen Blick zurückwerfen: Der Vater unseres Ehrengastes war der „Kaufmann Schorsch“, neben Wastl Fanderl und dem Kiem Pauli eine der großen Volksmusik-Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts in Oberbayern. Der hauptberufliche Forstmeister war leidenschaftlicher Harmonikaspieler und Tanzmeister. Er schrieb die Schrittfolgen von alten Tänzen sowie überlieferte Volksmusik-Stücke auf. Seine Dokumentationen sind Standardwerke der Volksmusikpflege. Die Mutter von Dr. von Kaufmann, Marianne von Kaufmann, war ebenfalls eine begeisterte Musikfreundin und Urheberin eines besonders wertvollen Schatzes: eines für den privaten Gebrauch angelegten, handschriftlichen Liederbuchs mit bunt-aquarellierten Illustrationen.

Dass diese Quellen und Schriften inzwischen vom Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern neu herausgegeben werden können, ist maßgeblich Dr. Georg Kaufmann – dem Sohn – zu verdanken. Schon 2001 konnte mit seiner aktiven Mithilfe das Liederbuch seiner Mutter neu herausgegeben werden. Weitere Neuerscheinungen sind beim Volksmusikarchiv momentan in Arbeit. Alle Musikstücke und Lieder aus der Sammlung der von Kaufmanns können außerdem GEMA-frei, also ohne Zahlung von Tantiemen gespielt werden. Nur so bleibt eine echte, unverfälschte Volksmusikkultur am Leben! Gerade auch im Bereich des Volkstanzes kümmerte sich Georg von Kaufmann senior seit den 1950er-Jahren bis zu seinem Tod um die Sammlung, Bewahrung und Weitergabe von Schrittfolgen und der dazugehörigen Musik. Dieser Traditionspflege ist es zu verdanken, dass zum Beispiel die „Chiemgauer Tänze“ heute noch in den Dörfern bei Volkstanzabenden, aber auch bei großen Veranstaltungen wie dem „Kocherlball“ im Englischen Garten von tausenden Menschen immer noch getanzt werden.

Sehr geehrter Herr Dr. Kaufmann, Sie haben Ihren Vater von Jugend auf bei dieser regionalen und ehrenamtlichen Volkstanzpflege unterstützt. Bei Ihrem Bemühen rund um die Volkstanzpflege legen Sie großen Wert auf Einfachheit, Natürlichkeit und Volksnähe – ganz dem Wahlspruch Ihres Vaters verpflichtet „Tanz muss Freude machen.“ Wer Sie kennt, weiß, dass Sie großes Aufsehen um Ihre Person und Ihre Verdienste gerne vermeiden. Aber bei aller Bescheidenheit – lassen Sie mich eines festhalten: Hätten Sie die von Ihren Eltern und Ihnen gesammelten Volksmusik- und Volkstanz-Stücke nicht dokumentiert und durch Musizieren und Tanzen lebendig gehalten, wären diese für die Nachwelt verloren – und damit ein bedeutender Teil unseres immateriellen oberbayerischen Kulturerbes. Für Ihr jahrzehntelanges Bemühen um dieses Kulturerbe, für Ihre große Offenheit und Bereitschaft, diesen Schatz der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen, möchten wir uns heute bei Ihnen mit der Überreichung der Bezirksmedaille bei Ihnen bedanken.

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