21.3.2010: Fachberatung Heimatpflege in Benediktbeuern zeigt Handdrucke von Egbert Greven
 

Ganz schlicht zum Wesentlichen

 
Der Grafiker Egbert Greven interpretiert mit seinem "Kreuzweg" die jahrhundertealte Kunstform neu. Auf 14 Handdrucken bildet er die traditionellen Kreuzweg-Stationen ab. Die Arbeiten sind vom 21. März bis zum 11. April 2010 in der Fachberatung Heimatpflege in Benediktbeuern zu sehen.
 
Als Illustrator und Zeichner, der mehr zur Karikatur und Satire neigt, habe ich den nicht leichten Versuch unternommen, meine Vorstellungen vom Kreuzweg zur Diskussion zu stellen , so Greven. Auf seinen 14 Linol- und Kartondrucken hat er das Geschehen stark reduziert, aber dennoch bildhaft dargestellt. Bei ihm gibt es keine Verklärung der Vorgänge, aber auch keinen grausamen Realismus. Es geht ihm vor allem um die in die Tiefe menschlicher Existenz reichende Dimension dessen, was hier geschildert wird , so der evangelische Theologe Ferdinand Hahn in seinem Vorwort zum Ausstellungskatalog. Das schwarze Kreuz, das Greven schrittweise in den Vordergrund stellt, ist immer nur in Ausschnitten sichtbar. In der letzten Station, der Grablegung, erscheint es weiß, fast leuchtend: Ostern steht bevor. Sparsam setzt Greven die Farben Rot, Blau und Gold in den schwarz-weiß gehaltenen Bildgrund und knüpft damit an die traditionelle Farbsymbolik an. Die Originaldrucke (DIN A3) hat der Künstler für die Ausstellung bewusst vergrößert. So kommt der ruhig-flächige Charakter der Drucke besonders gut zur Geltung.

Vielleicht lässt sich die Beliebtheit von Kreuzweg-Darstellungen dadurch erklären, dass sie unabhängig vom christlichen Kontext auch allgemein menschliche Bedeutung besitzen. Sie spiegeln Ohnmacht, Angst und Todesnot wider und sprechen die Menschen dadurch in ihrer jeweils eigenen Leidenssituation an. Kreuzwege haben einen festen Platz in der abendländischen Ikonografie. Im Lauf der Jahrhunderte wurden sie häufig gemalt oder figürlich gestaltet  immer waren die Künstler dabei auf der Suche nach einem jeweils zeitgemäßen Ausdruck für das Leiden Christi. Ihren Ursprung haben sie im Heiligen Land. Von dort zurückgekehrte Pilger importierten den Brauch in ihre Heimatländer. Sie übertrugen die Via Dolorosa in Jerusalem oft sogar in exakter Länge des Originals auf den heimischen Kreuzweg. So wurden ab dem 15. Jahrhundert in Europa viele Kreuzwege auf Kalvarienbergen angelegt. Ab dem späten 17. Jahrhundert zogen sie in die Kirchen ein und die bisher uneinheitliche Anzahl der Stationen wurde auf 14 festgelegt.

Egbert Greven (geboren 1941 in Schlesien) ist freiberuflicher Grafiker. Er studierte an der Werkkunstschule Dortmund Gebrauchsgrafik und erhielt für seine Zeichnungen und kritischen Illustrationen wiederholt Preise und Anerkennungen. Das Bundesverdienstkreuz ist darunter, vor zwei Jahren ehrte ihn der Bezirk Oberbayern mit der Bezirksmedaille. Bekannt ist Greven auch durch zwei Initiativen, mit denen er das oberbayerische Iffeldorf über seine Grenzen hinaus bekannt machte: Mit den Iffeldorfer Meisterkonzerten brachte er eine renommierte Konzertreihe und mit der Galerie schön und bissig regelmäßige Ausstellungen mit Karikaturen und satirischer Grafik in die Osterseegemeinde, in der Greven seit 1976 ansässig ist.

Vernissage: Sonntag, 21. März 2010, 11 Uhr
Ausstellung: bis 11. April 2010

Fachberatung Heimatpflege des Bezirks Oberbayern
Maierhof im Kloster Benediktbeuern (Osttrakt), Eingang Hofeinfahrt Nähe Bahnübergang, www.fachberatung-heimatpflege.de

Öffnungszeiten: Dienstag und Mittwoch jeweils 13-17 Uhr, Sonntag und an Feiertagen 11-16 Uhr. Der Eintritt ist frei. Zur Ausstellung ist ein Katalog erhältlich.
 
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Egbert Greven: Der Kreuzweg
Station IV - Jesus begegnet seiner Mutter
 
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Egbert Greven: Der Kreuzweg
Station V - Simon hilft Jesus das Kreuz tragen
 
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Egbert Greven: Der Kreuzweg
Station XI - Jesus wird ans Kreuz geschlagen
 
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Egbert Greven: Der Kreuzweg
Station XIV - Jesus wird ins Grab gelegt
   
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