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Im Einsatz für unsere Gewässer

München, den Datum: 19.08.2026
Umwelt

Wie die Fachberatung für Fischerei Klimaschutz vorantreibt

Steigende Wassertemperaturen, trockene Bäche und bedrohte Fischarten: Der Klimawandel ist in Oberbayerns Gewässern längst spürbar. Dr. Bernhard Gum, Leiter der Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberbayern, erklärt, wie sein Team Fische, Muscheln und Krebse schützt – und warum nachhaltige Fischerei und ein bewusster Umgang mit Wasser immer wichtiger werden.

Porträtfoto: Ein mittelalter Mann in einem blauen Polo-Shirt vor einer Holzhütte.
Dr. Bernhard Gum arbeitet seit 2012 beim Bezirk und ist seit 2019 Leiter der Fachberatung für Fischerei. Der Biologe hat sich auf Fischbiologie und Fischgenetik spezialisiert und zuvor unter anderem in der Fischereiforschung am Bodensee und im Muschelschutz gearbeitet. (Foto: Wolfgang Englmaier © Bezirk Oberbayern)

Herr Dr. Gum, woher kommt Ihr Interesse an der Fischerei?
Bernhard Gum Eigentlich hat das schon in meiner Kindheit angefangen. Mein Vater hat mich oft zum Angeln mitgenommen und das hat mir unglaublich viel Spaß gemacht. Mich haben aber auch die Gewässer selbst fasziniert. Ich war als Kind ständig draußen, habe an Bächen und Seen alles Mögliche entdeckt, untersucht und – wie das als Kind eben so ist – auch mit nach Hause genommen. Diese Begeisterung hat mich nie losgelassen. Im Studium habe ich mich zunächst eher mit Genetik beschäftigt. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass mich die praktischen, ökologischen und fischereibiologischen Themen mindestens genauso interessieren. Ich freue mich heute, dass ich das, was mich schon als Kind begeistert hat, zu meinem Beruf machen konnte.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit besonders?
Die Vielfalt. Kein Tag ist wie der andere. Heute ruft vielleicht ein Bürgermeister an und möchte sich zu einem Thema informieren. Morgen bin ich bei einem Berufsfischer an einem oberbayerischen See und am nächsten Tag stehe ich mit meinem Team im Wasser und wir untersuchen Fischbestände. Genau diese Mischung macht den Beruf für mich aus. Ich arbeite mit unterschiedlichen Menschen zusammen und bin gleichzeitig viel draußen an den Gewässern unterwegs. Diese Abwechslung schätze ich sehr.

Was trägt die Fachberatung zum Klimaschutz bei?
In fast jeder unserer Beratungsaufgaben und Stellungnahmen arbeiten wir darauf hin, dass den Belangen des Gewässer- und Fischartenschutzes Rechnung getragen wird – etwa bei Bauvorhaben, beim Hochwasserschutz, bei Renaturierungen oder Wasserentnahmen. Gleichzeitig sind wir viel praktisch draußen unterwegs. Wir führen Fischbestandsuntersuchungen durch und betreiben die Nachzucht gefährdeter Fischarten, zum Beispiel der Seeforelle im Fischbruthaus des Bezirks am Tegernsee. Wir setzen uns aber auch für Arten wie Huchen, Äsche, Perlfisch oder Mairenke sowie für Bachmuscheln und Krebse ein. Und wenn ein Bach auszutrocknen droht und Tiere in Gefahr sind, müssen wir manchmal sehr kurzfristig raus, weil einfach die Zeit drängt. Gerade mit Blick auf den Klimawandel nimmt die Beratung rund um unsere Gewässer immer mehr Raum ein.

Wie macht sich der Klimawandel in unseren Gewässern bemerkbar?
Die Oberflächengewässer sind heute im Durchschnitt deutlich wärmer als noch vor 20 Jahren. Das ist nichts Gefühltes, sondern das zeigen die Messwerte. Für Fische hat das große Auswirkungen. Sie sind wechselwarme Tiere, ihr Stoffwechsel hängt von der Wassertemperatur ab. Manche Arten profitieren von den höheren Temperaturen, andere geraten zunehmend unter Druck. Auch die Seen selbst verändern sich. Die oberen Wasserschichten bleiben länger warm und durchmischen sich schlechter. Dadurch gelangt weniger Sauerstoff in tiefere Bereiche. Neu ist vor allem die Geschwindigkeit, mit der diese Veränderungen stattfinden. Wir erleben längere Hitzeperioden, und kleinere Gewässer trocknen häufiger aus.

Klimaschutz beginnt auch vor der eigenen Haustür: Was tun Sie in der Fachberatung selbst?
Wir haben bereits ein E-Akku-Rückentragegerät zum Elektrofischen und wollen weitere benzinbetriebene Geräte nach und nach ersetzen. Mit unserer neuen Ladesäule in Haar wollen wir außerdem erste Dienstfahrzeuge auf E-Mobilität umstellen. Auch unser Gebäude trägt dazu bei: Durch die Dämmung kommen wir bislang selbst in Hitzeperioden ohne zusätzliche Klimaanlagentechnik aus und senken gleichzeitig den Energieverbrauch. Wir sprechen viel über die Klimakrise im Team. Drei unserer Mitarbeitenden, die in und um München wohnen, kommen mit dem Rad oder E-Bike nach Haar – zum Teil sind das Strecken bis zu 20 Kilometer einfach!

Apropos Strecke: Welche Bedeutung haben Regionalität und nachhaltige Fischerei für Sie?
Eine sehr große. Ich denke, wir sollten die natürlichen Ressourcen, die wir in unserer Region haben, vernünftig nutzen, bevor Lebensmittel über weite Strecken importiert werden.
Gerade die Seenfischerei zeigt seit Jahrhunderten, dass nachhaltiges Wirtschaften möglich ist. Es wird nur so viel Fisch entnommen, wie innerhalb eines Jahres wieder nachwächst. Das ist ein einfaches Prinzip, das bis heute funktioniert. Auch unsere Teichwirtschaften sind dafür ein gutes Beispiel. Regionalität, Nachhaltigkeit und eine umweltverträgliche Lebensmittelproduktion gehören dort ganz selbstverständlich zusammen.

Was können wir alle für den Umwelt- und Klimaschutz tun?

Bernhard Gum: Unterstützen Sie die regionalen Fischer und Teichwirte. Sie wirtschaften nachhaltig und nutzen unsere natürlichen Ressourcen verantwortungsvoll. Entscheidend ist aber unser Umgang mit Wasser. Auch bei uns in Südbayern erleben wir inzwischen Zeiten mit Wassermangel. Deshalb müssen wir künftig besser darin werden, Wasser zu speichern. Beim Hochwasserschutz sind wir schon ein gutes Stück vorangekommen. Beim Wasserrückhalt haben wir dagegen noch einiges zu tun. Das ist eine Aufgabe für uns alle und wird mit Blick auf den Klimawandel immer wichtiger.



Sechs Männer und eine Frau in einem Boot mit Außenborder auf einem Gewässer. Im Hintergrundsieht man ein grünes Ufer mitSchilf und Gebüschen.
Sitzen im selben Boot für den Klimaschutz: das Team der Fachberatung für Fischerei Tobias Fink, Andreas Haas, Friedrich Göbl, Gabriele Förg, Moritz Knoop, Dr. Bernhard Gum und Tobias Ruff (von links) auf dem Seeoner See. (Foto: Wolfgang Englmaier © Bezirk Oberbayern)
Starkes Team für Oberbayerns Gewässer
Hinter der Fachberatung für Fischerei stecken vielseitige Menschen: Moritz Knoop kümmert sich um Teichwirtschaft, Aquakultur sowie die Berufs- und Seenfischerei und unterstützt die Nachzucht gefährdeter Fischarten. Tobias Fink ist als Fischwirtschaftsmeister der Praktiker im Team und untersucht mit Netz, Reuse und Elektrofischereigerät die Fischbestände. Tobias Ruff bringt seine Expertise als Gewässerökologe ein, Andreas Haas die des Umweltingenieurs. Friedrich Göbl widmet sich besonders dem Schutz gefährdeter Fisch-, Krebs- und Muschelarten. Gabriele Förg hält als Teamassistenz organisatorisch die Fäden zusammen. Geleitet wird das Team von Dr. Bernhard Gum, der die Fachberatung koordiniert und mit Behörden, Wissenschaft, Naturschutz und Fischerei vernetzt.