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Psychiatrie neu denken

Modellvorhaben nach § 64b SGB V startet in Bayern

Gesundheit
Mittwoch, 04.02.2026

Mit dem Start eines Modellvorhabens nach § 64b SGB V schlagen das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention, das kbo-Isar-Amper-Klinikum (kbo-IAK) und die Kostenträger ein neues Kapitel in der psychiatrischen Versorgung auf. Ziel ist es, die Behandlung psychisch erkrankter Menschen konsequent am individuellen Bedarf auszurichten und starre Grenzen zwischen stationärer, teilstationärer und ambulanter Versorgung zu überwinden. Es ist das erste Modellvorhaben dieser Art in Bayern.

Bei der Vorstellung des Projekts betonte Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach die Bedeutung des Ansatzes: Menschen mit psychischen Erkrankungen benötigten eine qualitativ hochwertige und bedarfsgerechte Behandlung. Das Modellvorhaben des kbo-IAK könne aufgrund seiner Qualität und Größenordnung Maßstäbe setzen. Die Versorgung erfolge in enger Abstimmung mit dem Lebensumfeld der Betroffenen sowie in Zusammenarbeit mit niedergelassenen Behandlerinnen und Behandlern – eingebettet in das gemeindepsychiatrische Netzwerk der Metropolregion München. Rund 2,5 Millionen Menschen in München und Umgebung seien in das Modell eingeschlossen.

Eine Gruppe von Männern und Frauen steht in einem langgezogenen Gang. Sie halten ein Schild auf dem "Start des 1. Modellvorhabens, kbo" steht und lächeln in die Kamera.
Projektstart im kbo-IAK: Gesundheitsministerin Judith Gerlach (2. von links) mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Klinik und Kostenträgern bei der Vorstellung des neuen Modellvorhabens (© kbo-Isar-Amper-Klinikum)

Enge Zusammenarbeit für bessere Versorgung

Auch der Bezirk Oberbayern unterstrich die Bedeutung des Projekts. Der stellvertretende Bezirkstagspräsident, Rainer Schneider, hob die vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Beteiligten hervor: „Die enge Zusammenarbeit zwischen dem Ministerium, dem kbo-Isar-Amper-Klinikum und den Kostenträgern war von dem gemeinsamen Ziel geprägt, die Versorgung der Patientinnen und Patienten weiter zu verbessern und ihre Bedarfe und Wünsche noch stärker zu berücksichtigen. Wir sind stolz darauf, dass das erste Modellvorhaben nach § 64b in Bayern hier in Oberbayern umgesetzt wird.“

Zugleich bekräftigte er die Unterstützung des Bezirks für das Vorhaben:
„Der Bezirk Oberbayern wird das Modellvorhaben mit allen Kräften unterstützen. Ich bin überzeugt, dass die Umsetzung im kbo-Isar-Amper-Klinikum eine Erfolgsgeschichte wird – zum Wohl aller Menschen, die von psychischen Erkrankungen betroffen sind.“

Psychiatrische Behandlung – patientenzentriert und flexibel

Kern des Projekts ist eine sektorenübergreifende, patientenzentrierte Versorgung. An die Stelle eines überwiegend stationären Ansatzes treten flexible Behandlungsformen, die sich stärker am Alltag und sozialen Umfeld der Patientinnen und Patienten orientieren. Dazu zählt unter anderem die sogenannte Flexi-Behandlung, die je nach Bedarf in der Klinik, ambulant oder im häuslichen Umfeld stattfinden kann.

„Gute psychiatrische Versorgung folgt dem Menschen – nicht der Institution“ lautet das Leitmotiv des Modellvorhabens. Multiprofessionelle Teams, eine durchgängige Behandlungsplanung sowie die enge Einbindung von Angehörigen, niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten und dem gemeindepsychiatrischen Netzwerk sollen Qualität, Kontinuität und Teilhabe verbessern. Gleichzeitig sollen unnötige oder zu lange stationäre Aufenthalte vermieden werden.

„Es ist ein Schritt hin zu einer Psychiatrie, die sich konsequent an den Menschen orientiert – flexibel, verlässlich und zukunftsfähig. Wir freuen uns, mit diesem Modellvorhaben Pionierarbeit für Bayern leisten zu dürfen“, erklärt Prof. Dr. Peter Brieger, Ärztlicher Direktor des kbo-IAK, im Namen der Klinikleitung mit Geschäftsführer Nicolas von Oppen und Pflegedirektorin Brigitta Wermuth.

Gesamtbudget ermöglicht neue Spielräume

Grundlage des Modellvorhabens ist ein regionales Gesamtbudget, das erstmals ambulante, teilstationäre und stationäre Leistungen gemeinsam abbildet. Dieses Finanzierungsmodell schafft Planungssicherheit und eröffnet neue Spielräume für innovative Behandlungsformen. Auch aus Sicht der Kostenträger ist der Ansatz sinnvoll: Weniger unnötige Klinikaufenthalte, mehr ambulante und teilstationäre Angebote sowie eine kontinuierliche Begleitung können zu stabileren Krankheitsverläufen beitragen – zum Nutzen der Betroffenen, ihrer Angehörigen und des Versorgungssystems insgesamt.

Neues Modellvorhaben seit 1. Januar 2026

Der Vertrag zum Modellvorhaben ist zum 1. Januar 2026 in Kraft getreten und hat eine Laufzeit von acht Jahren. In die Umsetzung sind mehrere Kliniken und Bereiche des kbo-Isar-Amper-Klinikums eingebunden. Der Transformationsprozess wird unter anderem durch verbindliche Qualitätsindikatoren und eine externe Evaluation begleitet.

Mit dem Modellprojekt leistet das kbo-Isar-Amper-Klinikum einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der psychiatrischen Versorgung in der Region – mit dem Ziel, Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen besser, wirksamer und näher an ihrem Lebensumfeld zu behandeln.