Die Rückkehr des Moors
München, den Datum: 13.11.2025Klimaschutzprojekt des Bezirks Oberbayern und der Unteren Naturschutzbehörde Erding bei Taufkirchen (Vils)
Einst zur landwirtschaftlichen Nutzung trockengelegt, dann der Natur überlassen: Nun wird das „Hilgermoos“, ein ehemaliges Moor bei Taufkirchen (Vils), wiedervernässt und ökologisch aufgewertet. Die Fläche gehört dem Bezirk Oberbayern, der das Klimaschutzprojekt mit der Unteren Naturschutzbehörde Erding realisiert. Ein Drittel davon soll jetzt renaturiert werden. Denn Moore sind stille Klimaschützer – jedoch nur in ihrer ursprünglichen Form.
Beim „Hilgermoos“ handelt es sich um ein 2,3 Hektar großes Landstück im Norden Taufkirchens. Ein feuchtes Niemandsland, umgeben von Wald – allerdings mit großem Potenzial: Denn intakte Moore können Wasser sowie große Mengen an CO₂ speichern und damit Lebensraum für Pflanzen und Tiere bieten, die man sonst kaum noch findet. Doch dafür muss das Hilgermoos wieder das werden, was es einmal war: ein Moor.
„Renaturierung des Hilgermooses“ heißt die Mission des Bezirks Oberbayern und der Unteren Naturschutzbehörde Erding. Vereinfacht gesagt heißt das: Das Wasser soll zurück in den Moorboden, der vor vielen Jahrzehnten zur landwirtschaftlichen Nutzung trockengelegt wurde. Dafür hatte man am Rande der Fläche zwei Gräben gezogen, durch die das Wasser abfließen konnte. Doch der torfhaltige Boden blieb trotz dieser Maßnahmen feucht und ertragsschwach, erklärt Klaus Schwerdtner, Leiter der Bezirksgüterverwaltung.
Ausstoß von Kohlendioxid stark reduzieren
Schwerdtner kümmert sich um die Bezirksgüter, die insgesamt 600 Hektar umfassen und früher zur Selbstversorgung der bezirklichen Kliniken dienten. Das „Hilgermoos“ gehört zum Bezirksgut Taufkirchen (Vils) und wurde vor 15 Jahren im Rahmen einer EU-Verordnung stillgelegt. Dass die Fläche einst ein Moor war, bestätigte sich erst nach einer Anfrage bei der Unteren Naturschutzbehörde Erding. Angestoßen hatte den Prozess Lena Zoor-Füllgraff, die Klimaschutzmanagerin des Bezirks. Der Bezirk hat sich das ambitionierte Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu werden. Darüber hinaus setzt er auch Maßnahmen auf eigenen Flächen um, um Emissionen zu reduzieren und seiner ökologischen Verantwortung gerecht zu werden.
Speziell Moore eignen sich wunderbar dafür – denn sie speichern mehr CO2 als jedes andere Ökosystem. Werden sie jedoch entwässert, setzen sie das klimaschädliche Gas frei. Und zwar ganz schön viel: Bei stark entwässerten Böden seien das im Jahr 42 Tonnen pro Hektar, erklärt Maximilian Trautner von der Unteren Naturschutzbehörde Erding. Beim „Hilgermoos“ ist das Ziel, den Wasserspiegel auf etwa 10 bis 15 Zentimeter unter der Bodenoberfläche zu bringen. Das verringert den Kohlendioxid-Ausstoß auf jährlich circa 2,8 Tonnen pro Hektar. Um das zu erreichen, werden die Entwässerungsgräben verschlossen. Dafür werden Spundwände in kurzen Abständen in den Graben gesetzt. Dadurch bilden sich kleine Becken, aus denen das Wasser nicht weiter abfließt.
Um die Biodiversität im „Hilgermoos“ zu fördern, werden die vorhandenen kleinen Tümpel behutsam wiederhergestellt. Schlamm und überwuchernde Pflanzen kommen weg, so dass sie sich wieder mit Wasser füllen können. Auch die Ufer werden abgeflacht, damit sich dort wieder typische Moorpflanzen wie das Wollgras ansiedeln können. Das schafft auch ideale Lebensbedingungen für Tiere wie den Moorfrosch oder Libellen. „Wir geben der Natur ein Stück zurück – ein kleines Moor, das eine große Wirkung entfalten kann“, sagt der stellvertretende Bezirkstagspräsident Rainer Schneider zum Startschuss des Projekts.
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Startschuss für die Rückkehr des Moors: Mithilfe eines Baggers werden Spundwände in den Entwässerungsgraben am südlichen Ende des »Hilgermooses« gesetzt.
Foto: Jennifer Sandmeyer
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Voller Einsatz: Maximilian Trautner von der Unteren Naturschutzbehörde bohrt ein Loch in den Boden, in das er anschließend eine Latte zur Messung des Grundwasserpegels setzte.
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Maximilian Trautner untersucht den Torf, den er zuvor ausgehoben hat. Aufgrund der Trockenlegung des einstigen Moors weist dieser kaum noch Pflanzenfasern auf.
Foto: Jennifer Sandmeyer
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