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Die Bräurosl vom Bezirk

München, den Datum: 30.07.2025
Bezirk Oberbayern

Von der Servicestelle auf die Wiesn-Bühne: Mitarbeiterin gewinnt Wahl zur Oktoberfest-Repräsentantin

Bairisch-firm, offen, selbstbewusst, Liebhaberin des Oktoberfests und der bayerischen Traditionen, Reiterfahrung, Pluspunkte für Singen, Jodeln oder das Spielen eines Instruments. So lautete die Ausschreibung für die Rolle der Bräurosl. Das passt, dachte Bezirksmitarbeiterin Ingrid Böhm und bewarb sich – mit Erfolg. Eine aufregende, einmalige Zeit steht der 45-Jährigen bevor. Support erhält sie von ihrem Team und ihrer Familie.

Blitzlichtgewitter, aufbrandender Applaus und ein fassungsloser Jubelschrei, als sie bei der Wahl im Donisl – eine der ältesten Gaststätten Münchens – zur Gewinnerin auserkoren wird. Ingrid Böhm hüpft auf der Bühne auf und ab und reißt die Arme in die Luft. Sie kann es kaum glauben: „Man hofft natürlich. Als ich dann wirklich meinen Namen gehört habe, habe ich mich wahnsinnig gefreut: Ich bin die neue Bräurosl.“

Das entschied im Juli eine prominent besetzte Jury um Schauspielerin Corinna Binzer, Designer Johnny Talbot, Belladonna-Gründerin Michaela Aschberger, Schauspielerin und Fernsehmoderatorin Susanne Wiesner sowie Münchner Wirtschaftsreferent und Oktoberfest-Chef Christian Scharpf. Böhm setzte sich im Finale gegen acht weitere Bewerberinnen durch. Sie ist nun ein Jahr lang das Gesicht des Bräurosl-Festzelts und verkörpert die Rolle der Rosi Pschorr – Tochter des einstigen Brauereibesitzers und Namensgeberin – mit allen Aufgaben, die mit dem Ehrenamt einhergehen.

Hoch zu Ross führt sie den Wiesneinzug und den Trachten- und Schützenumzug an. Das bedeutet langes Sitzen im Damensattel, Gleichgewicht halten, winken, lächeln, ohne angestrengt zu wirken. Dafür nimmt sie Reitstunden, denn die stattlichen Kaltblüter sind bis zu 1,80 Meter groß. Schon das Auf- und Absteigen wird zur Herausforderung. Im Festzelt soll sie präsent sein und die Gäste umsorgen: sie willkommen heißen, für ihr Wohlbefinden sorgen und gute Laune verbreiten. „Das ist der Spirit der Bräurosl“, sagt Böhm.

Die Rolle ist ihr auf den Leib geschneidert. Das findet auch ihr Team: „Wir haben sehr mitgefiebert und freuen uns von ganzem Herzen für sie! Die bayerische Tradition verkörpert unsere Ingrid wie keine andere. Dazu die geballte Frauenpower, immer gute Laune und mit Herzblut dabei. Genauso nehmen sie auch die Bürgerinnen und Bürger in der Servicestelle wahr – immer sozial, hilfsbereit und mit dem Herzen am richtigen Fleck“, sagt Vorgesetzte Thea Kaiser. In der Servicestelle berät Böhm unter anderem zu Frühförderung, Eingliederungshilfe, Werk- und Förderstätten, Grundsicherung sowie ambulanter und stationärer Hilfe zur Pflege. Der Kontakt zu Menschen ist ihr ein Herzensanliegen. Sie schlägt die Brücke zwischen Bezirk und Bräurosl: „Der Bezirk steht für Brauchtum und Inklusion und ein gesellschaftliches Miteinander – genau das verkörpert auch die Bräurosl.“

Als Passauerin, die seit knapp 20 Jahren in München wohnt, liegt bairisch in ihrer DNA – genauso wie das Brauchtum. Sie wächst in einer musikalischen Familie auf, die angesichts der Neuigkeiten aus dem Häuschen ist: „Mein Vater ist natürlich stolz wie Bolle“, erzählt Ingrid Böhm. Der Vater selbst ist ehemaliger Kulturamtsleiter der Stadt Passau und Musiker. Er spielt Akkordeon und Keyboard, die Mutter begleitet mit ihrem Gesang. Gemeinsam waren sie einst als Duo unterwegs und spielten volkstümliche Schlagermusik – die sie zuvor im Keller geprobt hatten. In- und auswendig kennt Böhm alle Schlager und Wiesnhits. Vom Vater schaut sie sich das Akkordeonspielen ab und greift in jungen Jahren selbst zu Diskant- und Bassteil. „Ich liebe und lebe die Schlagermusik“, sagt die 45-Jährige. Auch deshalb ist die Wiesnzeit für sie wie ein Urlaub im Zweitheim. Dem Bräurosl-Festzelt ist sie seit vielen Jahren verbunden, dort fühlt sie sich am wohlsten: „Es ist eine runde Sache. Es ist wie nach Hause kommen.“


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