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Dialog 5/5 am 10. Oktober 2019: »Alpenflüsse brauchen Allianzen«

Fotografie der Ammer Die Ammer
Foto: Sigrun Lange / WWF

Erklärtes Ziel der Dialogreihe ist es, mehr Bewusstsein für den Wert und die Besonderheit der Alpenflüsse Ammer, Lech, Isar und Loisach und ihre speziell angepassten Tier- und Pflanzenarten zu schaffen und Interessensgruppen miteinander ins Gespräch zu bringen. So beinhaltete das Programm der fünf zwischen 2015 und 2019 jeweils im Oktober stattfindenden Dialogveranstaltungen nicht nur Expertenvorträge rund um das Thema Fluss, Flora und Fauna, sondern auch viel Raum für den persönlichen Austausch und Diskussionen. Die fünfte Veranstaltung mit dem Titel „Alpenflüsse brauchen Allianzen“ lockte wie die Jahre zuvor wieder rund 160 Personen nach Benediktbeuern. Die Organisatoren hatten zum zweiten Mal in Folge Dr. Georg Bayerle vom Bayerischen Rundfunk als Moderator gewinnen können, der mit großem umweltpolitischem Wissen durch den Nachmittag führte. Nach der Begrüßung durch den Hausherren Pater Karl Geißinger, Rektor des Zentrums für Umwelt und Kultur (ZUK), folgten zunächst die Beiträge über den Tiroler Lech und die Soča und damit über zwei Alpenflüsse außerhalb des Hotspot-Gebiets.

Helmut Friedle, ein erfahrener Naturschützer aus der Region Tiroler Lech, machte klar, wie lange es mitunter dauern kann, bis öffentliches Bewusstsein für den Schutz von Alpenflüssen entsteht. Das Gründungsmitglied des Arbeitskreises „Lebensraum Lech“ berichtete zunächst vom Beginn des Bürgerprotests in den 1980er-Jahren bis zum Jahr 2000, als das Lechtal schließlich als Natura 2000-Schutzgebiet ausgewiesen wurde.

Anschließend widmete sich Jernej Stritih in seinem Fachvortrag dem slowenischen Alpenfluss Soča. Der Experte für Umwelt- und Nachhaltigkeitspolitik erklärt sich die Tatsache, dass der Oberlauf der Soča und seine Nebenflüsse bereits im Jahr 1976 per Gesetz geschützt wurden und der 2012 gestartete Versuch dieses aufzuheben an Protesten aus der Bevölkerung gescheitert ist, mit der wechselvollen Geschichte der Region und ihrer damit zusammenhängenden Symbolkraft. Stritih verdeutlichte die wirtschaftliche Bedeutung der touristischen Nutzung des Flusses. Jedoch seien ein integriertes Flussmanagement wünschenswert – und „ein Forum wie dieses hier.“

In der Diskussions- und Fragerunde nach den Fachvorträgen und im Rahmen des Dialogforums nach der Pause konnten sich die Teilnehmenden aktiv einbringen. Wo sind Allianzen gelungen? Was sind die Schlüssel zum Erfolg? Was sollte in Zukunft noch besser gelingen? Mit diesen Fragestellungen im Fokus wurden exemplarische Bildungs- und Renaturierungsmaßnahmen des Hotspot-Projekts präsentiert. Als Erfolg habe sich, so berichteten die Projektverantwortlichen, unter anderem der gemeinsam vom Bund Naturschutz und dem Bayerischen Bauernverband veranstaltete „Landwirtschaftstag“ erwiesen. Dieser habe maßgeblich zum Dialog zwischen den verschiedenen Interessensgruppen beigetragen und geholfen einen gemeinsamen Nenner zu finden. Unter den Maßnahmen an der Isar wurden exemplarisch zum einen die erfolgreiche Beweidung der Auen durch Gebirgsziegen und zum anderen die Bootsverordnung vorgestellt, die jedoch nicht zur erwünschten Eindämmung privater Bootsfahrer beigetragen habe. Eine Allianz aus Naturschützern und Fischern sowie einem Stromversorgungsunternehmen und dem Wasserwirtschaftsamt Weilheim bewies bei der Vergrößerung und Erneuerung einer Kiesbank im Lech, dass verschiedene Interessensgruppen konstruktiv zusammenarbeiten können.

Abschließend zog der koordinierende Projektleiter Dr. Wolfgang Hug vom WWF eine positive Gesamtbilanz des Hotspot-Projekts und betonte: „Wir haben viele Ziele erreicht.“ Er gab Auskunft über die Vielfalt an Maßnahmen, Aktivitäten und Themenfeldern und berichtete, dass 38 Maßnahmen noch liefen, 25 bereits abgeschlossen seien. In seinem Schlusswort zeigte sich auch der stellvertretende Bezirkstagspräsident Michael Asam „hellauf begeistert“ und hob das große Interesse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und die hohe fachliche Kompetenz bei den Dialogveranstaltungen hervor. Abschließend bedankte er sich bei Dr. Wolfgang Hug und allen anderen Beteiligten und wünschte dem Projekt für die Abschlussphase und darüber hinaus viel Erfolg.


Texte: Ute Leitner
Fotos: Manfred Neubauer