Waldtracht-Beobachtung
Bedeutung des Waldhonigs in Oberbayern
Waldhonig hat in Oberbayern eine lange Tradition – auch heute noch spielt er eine bedeutende Rolle. Denn die großen Nadelholzbestände im Alpenvorland und in den Voralpen bieten regelmäßig ergiebige Waldtrachten. Seit Jahrhunderten können Imkerinnen und Imker hier große Mengen an Waldhonig ernten. Diese Tradition prägt die Region bis heute und hat ihr weit über Oberbayern hinaus Bedeutung verschafft.
Was ist Waldtracht?
Als Waldtracht bezeichnet man das Angebot aus Honigtau und Nektar von Bäumen in Wäldern und Parks. Honigtau ist eine zuckerhaltige Ausscheidung von Insekten wie Blattläusen, die an Bäumen leben. Diese süßen Tropfen (siehe Bild) sammeln die Bienen vor allem von Fichte, Tanne, Eiche und Ahorn. Daraus entsteht der kräftige Waldhonig.
Merkmale von Waldhonig
Waldhonig ist bernsteinfarben bis dunkelbraun und kristallisiert meist langsamer als Blütenhonig. Sein Aroma ist kräftig, würzig und oft von malzig-harzigen Noten geprägt. Ein besonderes Kennzeichen ist seine erhöhte elektrische Leitfähigkeit, die durch viele Mineralstoffe im Honigtau entsteht. Dadurch gilt Waldhonig als besonders charaktervoll und wird wegen seines intensiven Geschmacks geschätzt.
Zeidlerei – Historische „Waldbienenzucht“ in Bayern
Die Zeidlerei war eine frühmittelalterliche Form der Imkerei: Honig wurde dabei von wilden Bienenvölkern in Baumhöhlen gewonnen. Auch in Bayern gibt es historische Belege – etwa im Chiemgau. In der Gegend um Grabenstätt (Landkreis Traunstein) ist Waldbienenzucht bereits um das Jahr 959 dokumentiert.
Besonderheiten der Waldtracht
Die Waldtracht kommt vor allem in den Sommermonaten von Juni bis August vor. Ihr Auftreten hängt stark vom Wetter ab und schwankt von Jahr zu Jahr.
- Förderlich: warme, trockene Phasen → begünstigen Lauspopulationen und Honigtauproduktion
- Ungünstig: Hitze, Trockenheit, Wind, Kälte oder starke Niederschläg
Auch andere Faktoren spielen eine Rolle:
- Baumgesundheit und Standort: gute Wasserversorgung und nährstoffreiche Böden fördern den Saftfluss
- Baumarten: Fichte und Tanne zeigen unterschiedliche Trachtverläufe
- Lausarten: Ihre Zahl schwankt stark und entscheidet über das Zustandekommen von Massentrachten
Monitoring
Um die Entwicklung der Waldtracht besser einschätzen zu können, betreibt die Fachberatung für Imkerei ein umfassendes Monitoring. Stockwaagen liefern kontinuierlich Daten über das Nahrungsangebot der Bienen. An den Gewichtsveränderungen der Völker lassen sich Beginn, Stärke und Ende der Waldtrachten zuverlässig erkennen. Ergänzend erstellt die Fachberatung Schätzungen zur Entwicklung der Lauspopulationen und bietet den Kurs Honigtauerzeuger und Waldtracht an.
Diese Informationen helfen Imkerinnen und Imkern, ihre Standorte gezielt zu wählen und Erträge wie auch das Wohl der Bienen bestmöglich in Einklang zu bringen.