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Starke Frauen und Männer für Wickie

Auszubildende der Schulen für Holz und Gestaltung renovieren „Flake“-Dorf am Walchensee

Dienstag, 27.10.2020

Wer am Ufer des Walchensees steht, könnte sich fast in Norwegen wähnen. Berge und Wasser geben die perfekte Kulisse ab für einen Wikinger-Film. So sah das 2008 auch Michael „Bully“ Herbig und drehte dort seinen Film „Wickie und die starken Männer“. Im Lauf der Zeit waren die Häuser des „Flake“-Dorfes allerdings morsch geworden. Eine Renovierung wurde nötig – und angehende Holzbildhauerinnen und -hauer von den Schulen für Holz und Gestaltung (SHG) des Bezirks Oberbayern bekamen hier die Gelegenheit, ihre Kunstfertigkeit unter Beweis zu stellen.

Seit den Dreharbeiten ist die Filmkulisse am Walchensee ein Publikumsmagnet. Das weiche Pappelholz, aus der sie besteht, konnte allerdings den extremen Wetterbedingungen rund um den See nicht standhalten und wurde morsch. Daniel Weickel vom örtlichen Tourismusbüro kam daher auf die Idee, bei den Schulen für Holz und Gestaltung anzuklopfen und um Unterstützung zu fragen. Seine Bitte wurde gerne erhört: Die Schulen des Bezirks beauftragten zehn Holzbildhauerinnen und Holzbildhauer aus dem zweiten und dritten Lehrjahr, das Wikingerdorf zu renovieren. 

Die Schülerinnen und Schüler nahmen die Aufgabe gerne an. Schließlich war das eine einmalige Gelegenheit, um an einem Praxisprojekt außerhalb des Lehrplans teilzunehmen und der Kreativität freien Lauf zu lassen. Um sich auf das Projekt einzustimmen, studierten die Auszubildenden den Sommer über die nordische Mythologie und schauten gemeinsam den Film an. Außerdem absolvierten sie einen Motorsägen-Kurs in den Schulen für Holz und Gestaltung. Mit Kettensäge, Flex, Meisel und Schnitzwerkzeug ausgerüstet konnte es dann losgehen. 

Die Herausforderung war groß: Schließlich hatte das Tourismusbüro für das Projekt extra acht massive Eichenstämme zur Verfügung gestellt. Eine Größenordnung, in der die Holzbildhauerinnen und -bauer an der Schule sonst eher nicht arbeiten – die sie aber von Anfang an begeisterte. Unter der Anleitung von Susanna Bentele und Anton Ostler, beide Lehrkräfte an den SHG, wuchsen aus den Baumstämmen Stück für Stück ungewöhnliche Holzarbeiten. Darunter eine vier Meter hohe Wikinger-Kriegerin, die im Dorfzentrum aufgestellt werden soll, kunstvoll verzierte Stelen, ein Einbaum und eine Sitzbank in Drachenform. 

Zwei Wochen arbeiteten die angehenden Bildhauerinnen und Bildhauer an dem ungewöhnlichen Projekt und bekamen dabei einen Einblick in die Arbeitswelt, die sie später einmal erwartet: ob in der Holzbildhauerei oder beim Bühnenbild. Auszubildende wie Lehrkräfte zeigten sich am Ende sehr zufrieden über die entstandenen Werke. Über den Winter werden diese nun eingelagert, bis sie im Frühjahr aufgestellt werden können– und hoffentlich viele Jahrzehnte überdauern.