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Erinnerung mit der Spraydose

München, den Datum: 04.07.2026
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Graffiti-Workshop führt Jugendliche in NS-Vergangenheit

„Ich glaube, ich nehme Familie.“ Ella denkt kurz nach. „Oder vielleicht Hoffnung.“ Große Wörter mit einem besonderen Zweck: Ella wird eines davon anschließend als Graffiti auf eine große Leinwand sprühen, die im Garten des JugendKulturHauses Gleis 1 in Unterschleißheim steht. Die Aktion bei ZAMMA – Das Festival in Oberbayern ist Teil eines Workshops namens „Street Art trifft Erinnerung“, bei dem sich junge Leute mithilfe von Graffiti-Kunst mit der NS-Zwangsarbeit in Unterschleißheim auseinandersetzen.

Zusammen mit Ella nimmt auch ihre Freundin Jessica an dem Workshop teil. Beide sind 18 Jahre alt und im Gestaltungszweig der FOS Unterschleißheim. Warum sie sich angemeldet haben? „Ich habe einfach Lust gehabt, das Sprayen zu lernen“, sagt Jessica. „Das ist sonst kaum möglich.“ Ella nickt zustimmend. Für sie war aber auch die Erinnerungsarbeit ein wichtiger Aspekt – um über die Zwangsarbeit in der Flachsröste Lohhof in der NS-Zeit aufzuklären. „Mir war lange nicht bewusst, dass es das auch in Unterschleißheim gab“, erklärt sie.

Zwei junge und eine etwas ältere Frau stzen an einem Tisch und arbeiten. Die beidne jungen Fraue  schauen in einen Katalog. Die ältere Frau schreibt etwas auf eien grünen Zettel.
Wie Erinnerungsarbeit mit der Sprühdose funktioniert, zeigt Franziska Walter vom Stadtmuseum Unterschleißheim (links) Ella und Jessica beim Workshop "Street Art trifft Erinnerung" (Foto: Ulrike Graßl © Bezirk Oberbayern)

Geleitet wird der Workshop von Franziska Walter vom Stadtmuseum Unterschleißheim, die dort für den Erinnerungsort Flachsröste Lohhof zuständig ist. Sie sieht das Projekt als einmalige Möglichkeit, um junge Menschen an das Thema Erinnerungkultur heranzuführen. „Dadurch können sie sich intensiv mit der Geschichte ihres Ortes auseinandersetzen.“ Sie und ihr Kollege Fabian Eder vom Stadtmuseum übernehmen den geschichtlichen Teil, unter anderem mit einem Erinnerungs-Rundgang auf den Spuren der früheren Flachsröste.

Vernunft und Hoffnung

Drei junge Frauen an eienm Tisch ud scauen in ein Buch mit Abbildungen. Eine Frau hat einen Stift in der Hand und zeichnet auf Skizzenblätter.
Graffiti-Artistin Marian El Mohasseb erklärt, worauf es beim Sprayen ankommt. (Foto: Ulrike Graßl © Bezirk Oberbayern)

All das fließt ein in die kreative Aufarbeitung mithilfe der Spraydose, die am nächsten Tag startet. Als Unterstützung hierfür sind Marian El Mohasseb und Justus Koertgen gekommen: beide Studierende an der Münchner Kunstakademie, Graffiti-affin und erfahren mit Jugend-Workshops. Marian El Mohasseb hat als Teenager angefangen, in ihrem Heimatdorf Graffiti zu sprayen. „Meine Eltern waren allerdings nicht begeistert, also habe ich das erst einmal gelassen“, lacht sie. Erst später kam sie wieder damit in Berührung, und heute bringt sie ihre Erfahrung in Workshops mit Jugendlichen ein. Eine Aufgabe, die sie als sehr spannend beschreibt: „Die Jugendlichen sind oft erst desinteressiert und schwierig im Umgang. Aber mit Graffiti holt man sie ab.“

Eine junge Frau sprüht mit einer Spraydose einen Halbkreis auf eine weiße Plane.
Annäherung an Graffiti: Jessica sprüht die ersten Buchstaben. (Foto: Carola Plötz © Bezirk Oberbayern)

Um den Aufwand möglichst gering zu halten, sollen bei „Street Art trifft Erinnerung“ ausschließlich Wörter gesprayt werden. Die Profis machen klar, wie man Buchstaben graffitimäßig gestaltet und worauf es beim Sprayen ankommt. Dann geht es los. Stück für Stück entstehen auf der zehn Meter langen Leinwand die Erinnerungs-Graffiti. „Vernunft“ steht auf der Fläche, die Jessica gestaltet hat. „Als Appell an die Menschen“, erklärt sie. Und Ella hat sich am Ende für „Hoffnung“ entschieden. „Weil auch in dieser Zeit die Menschen immer Hoffnung hatten und weil es wichtig ist, die Hoffnung nicht zu verlieren.“

Franziska Walter ist auf jeden Fall begeistert von dem ZAMMA-Projekt: „Ich könnte mir gut vorstellen, das fortzuführen, vielleicht zusammen mit Schulklassen. Darüber werde ich auf jeden Fall nachdenken.“


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