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200 Jahre Schafhof – 15 Jahre Europäisches Künstlerhaus

München, den Datum: 16.06.2020
Schafhof - Europäisches Künstlerhaus

Neue Ausstellung bietet eine Standortbestimmung

In diesem Jahr begeht der Schafhof ein Doppeljubiläum: Vor zwei Jahrhunderten wurde das Gebäude als landwirtschaftliches Musteranwesen errichtet und vor 15 Jahren hat der Bezirk Oberbayern dort das Europäische Künstlerhaus Oberbayern eingerichtet. Der geplante Festakt und die Veranstaltungen wurden wegen der Corona-Krise abgesagt. Aber es gibt Ausstellungen und Events im Internet.

„Neuaufbruch“: So heißt die Ausstellung, die in Kooperation des Künstlerhauses mit dem Stadtmuseum Freising entstanden ist. Letzteres ist derzeit geschlossen, weil das Asam-Gebäude, in dem das Museum untergebracht ist, grundlegend saniert wird.
Die Schau zeigt große Reproduktionen historischer Darstellungen des Schafhofs, kombiniert mit originalen Ansichten, die in Vitrinen ausgestellt sind. Wandhohe Grafiken, Bilder und Fotos erzeugen eine intensive Atmosphäre.

Das Künstlerhaus ergänzt die Ausstellung durch Interventionen zeitgenössischer Kunst. Im Gebäude und im Außenbereich treten Kunstschaffende in Dialog mit Geschichte und Funktion des Ortes. Die Kunstwerke stammen zum Teil aus der Sammlung des Künstlerhauses. Andere werden anlässlich des Jubiläums neu geschaffen. Sie stehen für die Funktion des Schafhofs als europäisches Künstlerhaus und Zentrum für zeitgenössische Kunst des Bezirks Oberbayern.

Zu den gezeigten Kunstwerken gehört beispielsweise SpaceSheep, eine 2013 entstandene silberne Schafskulptur des ungarischen Künstlers Csongor G. Szigeti. Sie wurde zum Jubiläum von Grund auf restauriert. Mit der futuristisch anmutenden Skulptur findet wieder ein Schaf seinen Weg in die Galerie und damit in das frühere Winterquartier der Merino-Herde.

Der Freisinger Künstler Gerhard Schebler hat zum 15-jährigen Bestehen des Künstlerhauses eine Kunstkomposition unter dem Titel Transversale entwickelt. Diese ist ein Zusammenspiel von Konzept, Internetseite und Installation vor Ort und geht von einem Bilderschnitt quer durch Oberbayern aus, der sich an einer Linie durch die Mitte des historischen Gebäudes scheidet. In einem Nebenraum werden nach und nach Objekte gesammelt und präsentiert, die der Künstler auf der gedachten Linie durch Oberbayern gefunden hat. Die Fundorte werden auf der Internetseite des Projekts hochgeladen und können mittels einer Wegbeschreibung mit dem Fahrrad besucht werden.

Kay Winkler verwendet in seiner Installation Kulturelles Gedächtnis im Außenbereich Artefakte der ursprünglichen Architektur und Nutzung des Schafhofs und fügt diese in den heutigen Kulturraum ein. Das Kunstwerk selbst ist in seiner Form als Fragment eines großen Regals wie aus einer archivarischen Sammlung angelegt.

Mit Schafhof-Flag, der „Schafhof-Fahne“, reflektiert die Künstlerin Albina ­Yaloza aus der Ukraine die historische Funktion des Schafhofs. Motive wie Scheren und Bürsten richten sich auf ein stilisiertes Schaf im Mittelpunkt. Die Gestaltung von Fahnen besitzt eine lange Tradition in der Kunst: Die Bedeutung von Flaggen als Weg zur Übertragung von Informationen und zur Markierung der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft wird hinterfragt, individualisiert und ad absurdum geführt.

Alexis Dworsky: 34 Meter: Am Schafhof gab es einst eine Skisprungschanze – eine wagemutige Konstruktion aus Holz, von der sich tollkühne Männer über 30 Meter weit in die Tiefe gestürzt haben. Der Künstler Alexis Dworsky recherchiert in Archiven und erforscht weithin unbekannte Phänomene der Populärkultur. So hat er im Archiv des Freisinger Alpenvereins eine alte Filmrolle entdeckt, die historische Aufnahmen vom Skispringen zeigt, sich mit Zeitzeugen getroffen und den genauen Ort der Sprungschanze recherchiert.

Die Künstlergruppe Glowing Bulbs ist bekannt für ihre überwältigenden Videomapping-Projekte, bei denen sie die Form von Architekturelementen und Fassaden digital simulieren und diese in Videoprojektionen mit Animationen und Bildern überlagern. In ihrer Ausstellung 2014 hatten sie mit Vault eine Arbeit für das Tonnengewölbe im Schafhof realisiert, das auf diese Weise zu einer Galaxis voller Überraschungen, Eindrücke und Ideen gestaltet wurde. Das Video wurde in die Sammlung des Schafhofs aufgenommen. (we)

Weitere Informationen: https://www.schafhof-kuenstlerhaus.de

Ausstellung: 27. Juni 2020 bis 30. August 2020
geöffnet: Dienstag bis Samstag: 14 bis 19 Uhr, Sonntag und Feiertage: 10 bis 19 Uhr und nach Vereinbarung
Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung ist barrierefrei erreichbar.

Rahmenprogramm:
[OUTPUT] Live-Streaming
Die Begleitveranstaltungen wie Künstlergespräche und Vorträge werden im Rahmen der Reihe [OUTPUT] im Internet angeboten.

> 2. Juli, Donnerstag 19 Uhr: [OUTPUT] 012
Künstlergespräch mit Kay Winkler | Der bekannte Münchner Künstler ist Schöpfer der Installation „Kulturelles Gedächtnis“ im Skulpturengarten des Schafhofs.

> 9. Juli, Donnerstag 19 Uhr: [OUTPUT] 013
Künstlergespräch mit Csongor G. Szigeti | Der ungarische Künstler hat 2013 die Skulpturengruppe „SpaceSheep“ kreiert, die im Jubiläumsjahr restauriert und neugeschaffen wurde.

> 14. Juli, Dienstag 17 Uhr: treffpunkt+kunst
Ausstellungsführung mit Alexandra M. Hoffmann | Die Freisinger Künstlerin, Kunsthistorikerin und Kunstkritikerin bietet regelmäßig Führungen zu den Ausstellungen im Schafhof an.

> 16. Juli, Donnerstag 19 Uhr: [OUTPUT] 014
Kuratorengespräch mit Dr. Ulrike Götz | Die Direktorin des Freisinger Stadtmuseums spricht über die Ausstellung und die Geschichte Freisings sowie über das geplante neue Stadtmuseum.

> 23. Juli, Donnerstag 19 Uhr: [OUTPUT] 015
Vortrag und Gespräch | Anton ­Spitlbauer, der ehemalige Kulturreferent des Bezirks schrieb während seines Studiums das erste umfassende Essay über die Geschichte des Schafhofs und dessen Rolle bei der Entwicklung der ­bayerischen Landwirtschaft.

> 30. Juli, Donnerstag 19 Uhr: [OUTPUT] 016
Künstlergespräch mit Gerhard Schebler | Der Künstler aus Freising hat die Arbeit „Transversale“ als konzeptionelles digitales Kunstwerk und als temporäre Installation im Schafhof für das Jubiläum geschaffen.


Bildmaterial zum Download

  • Der Schafhof umgeben von Bäumen; eine Allee führt die Anhöhe zu diesem Gebäude hinauf.

    Freising von Norden; Kreidelithographie, Verlag Anton Unthal Freising, um 1850

    Foto: Wolfgang Englmaier - Bezirk Oberbayern

    Copyright: Stadtmuseum Freising

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  • Die rötlich-beige Ansicht des Schafhofs wird von einem Prägerahmen aus Papier umgeben.

    Erinnerungsblatt mit Schafhof Max Schneider (I), 18. August 1861

    Aquarellierte Bleistiftzeichnung

    Foto: Wolfgang Englmaier - Bezirk Oberbayern

    Copyright: Stadtmuseum Freising

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  • Das Kunstwerk sieht aus als hätte jemand über ein Schaf einen silbrig glänzenden Umhang gelegt.

    SpaceSheep, eine silberne Schafskulptur des ungarischen Künstlers Csongor G. Szigeti

    Foto: #SZIGETICSONGOR

    Copyright: #szigeticsongor | Europäisches Künstlerhaus Oberbayern

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  • Viele Menschen und alte Autos im Vordergrund. Im Hintergrund ist das Gebäude des Schafhofs und eine Skisprungschanze zu sehen.

    Alexis Dworsky: 34 Meter | Standbild aus einem 8-mm-Film aus den 1950-er Jahren

    Foto: Wolfgang Englmaier

    Copyright: Europäisches Künstlerhaus Oberbayern

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  • Im Tonnengwölbe des Schafhofs ist eine Fahne befestigt. Auf weißem Grund sieht man mehrere mit schwarzer Farbe gemalte Werkzeuge.

    Schafhof-Flag der ukrainischen Künstlerin ­Albina Yaloza.

    Foto: Wolfgang Englmaier

    Copyright: Schafhof - Europäisches Künstlerhaus Oberbayern

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  • Die Blickrichtung folgt der Länge des Tonnengewölbes. Die linke Hälfte ist hell erleuchtet - zu sehen sind viele bunte Farbflächen. Auf der gegenüberliegenden Wandseite sieht man technische Gerätschaften und Menschen, die die bunten Lichteffekte steuern.

    Die Künstlergruppe Glowing Bulbs hatte 2014 das Tonnengewölbe des Schafhofs in eine leuchtende Bilderwelt verwandelt.

    Foto: Kiego Izzok

    Copyright: Kiego Izzok | Europäisches Künstlerhaus Oberbayern

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Foto: Wolfgang Englmaier