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Museum für alle

München, den Datum: 25.03.2021

Holzknechtmuseum Ruhpolding macht sich fit für die Zukunft

Im Holzknechtmuseum Ruhpolding brechen neue Zeiten an: Das Museum, an dem der Bezirk Oberbayern über einen Zweckverband beteiligt ist, erneuert seine Daueraustellung und passt das Konzept den heutigen Anforderungen an. Dr. Ingeborg Schmid, seit 2018 Leiterin der Einrichtung, erklärt die wichtigsten Veränderungen.

Bezirk Oberbayern: Das neue Holzknechtmuseum soll nach Ihrem Willen ein Museum sein, das „alle mitnimmt“. Was kann man sich darunter vorstellen?
Dr. Ingeborg Schmidt: Wir leisten unser Bestmögliches, um das Museum für ein heterogenes Publikum interessant zu gestalten. Deshalb werden die Innenräume des Holzknechtmuseums künftig alte Objekte, zeitlose Statements und modernen Medieneinsatz miteinander verknüpfen. Aufzug und Rampen erleichtern jetzt nicht nur den Museumsbesuch mit dem Rollstuhl, sondern beispielsweise auch mit dem Kinderwagen. Tastbare Objekte und zahlreiche Hörstationen dienen Sehbeeinträchtigten genauso wie Sehenden. Allerdings sind wir ein in einem Wandergebiet gelegenes Museum mit einem beträchtlichen Außengelände, und damit gibt es Grenzen im Zugang für alle. Diese wollen wir aber durch die persönliche Vermittlung abfedern.

Sie und Ihr Team haben in den vergangenen Monaten das Archiv gesichtet und teil-weise digitalisiert. Was haben Sie dort gefunden?

Wir nutzen die Gelegenheit, um vieles aus den eigenen Beständen, das bislang noch nie gezeigt wurde, in die Präsentation mit aufzunehmen. Einzelne Teile der Sammlung, etwa Aufnahmen auf veralteten Bild- und Tonträgern, konnten wird durch die Digitalisierung erst zugänglich machen. Dabei durften wir so manchen Schatz heben. Mehr möchte ich momentan nicht verraten, schließlich wollen wir auf einen Besuch vor Ort neugierig machen.

Was erleben Sie als die wichtigste Veränderung im Hinblick auf das Museum?
Die Nachfrage nach dem Rohstoff Holz wird auch zukünftig hoch bleiben. Aber die Fragen nach der Bedeutung von Naturschutz und Klimawandel für den Erhalt und die Nutzung des Waldes werden zunehmen. Das Museum ist ein Ort der Diskussion und des gesellschaftlichen Diskurses. Deshalb wird es sich diesen Fragen in der Ausstellung stellen und die Menschen aktiv mit einbeziehen.

Für die Dauerausstellung sind einige neue Bereiche geplant, darunter der Bereich „Frauen der Holzknechte“. Was möchten Sie hier zeigen?
Wir verfolgen mit der neuen Ausstellung einen kulturgeschichtlich breit angelegten Ansatz. Und da gab es eben über lange Zeit den schwer arbeitenden Holzknecht, der die Woche über mit seiner Partie im Wald verbracht hat. Aber es gab auch sein Zuhause, wo Familie, Vieh, Haus und Hof versorgt sein mussten. Ruhpoldinger Frauen haben mir Einblick in ihre Lebensgeschichte gewährt. Das war mir eine besondere Ehre, und wir werden ihre Stimmen in der einen oder anderen Station zum Klingen bringen.

(Interview: Ulrike Graßl)