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Zwei Welten, zwei Wege – eine verbindende Kraft

Bezirk Oberbayern vergibt Auszeichnung an Erico Nagai und Werner Schmidbauer


Die Schmuckkünstlerin Erico Nagai und der Musiker und Moderator Werner Schmidbauer haben den Oberbayerischen Kulturpreis erhalten. Bezirkstagspräsident Thomas Schwarzenberger verlieh die Auszeichnung am 19. Juli in Kloster Seeon. Der Bezirk Oberbayern vergibt den mit jeweils 5.000 Euro dotierten Preis seit 1980 jährlich an zwei Persönlichkeiten, die sich um die Kultur in Oberbayern verdient gemacht haben.



In seiner Laudatio würdigte Thomas Schwarzenberger die beiden Ausgezeichneten:
„Erico Nagai und Werner Schmidbauer stehen für zwei unterschiedliche künstlerische Wege. Erico Nagai verbindet mit ihrer Kunst kulturelle Welten, Werner Schmidbauer schafft mit Musik und Gesprächen Begegnungen auf Augenhöhe. Beide zeigen, wie Kultur Menschen berührt, Verbindungen schafft und unsere Gesellschaft menschlicher macht.“

Erico Nagai – Brückenbauerin zwischen Japan und Europa

Erico Nagai, 1947 in Tokio geboren, studierte ab 1970 an der Akademie der Bildenden Künste München bei Franz Rickert und Hermann Jünger. Ein längerer Aufenthalt in Japan vertiefte ihr Wissen über traditionelle Techniken wie Urushi-Lack und feinste Goldeinlagen in Metall, die sie seit 1975 innovativ in zeitgenössischen Schmuck überträgt. Ihr Werk wird international ausgestellt und ist heute in bedeutenden Sammlungen vertreten, darunter die Neue Sammlung in der Pinakothek der Moderne, das Schmuckmuseum Pforzheim und das Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig.

Neben ihrem künstlerischen Schaffen engagiert sich Nagai seit vielen Jahren für den kulturellen Austausch zwischen Japan und Deutschland und hat als Lehrende an Hochschulen in Deutschland und Österreich Generationen von Schmuckgestaltenden geprägt.

Ihre Arbeiten zeichnen sich durch handwerkliche Präzision und eine klare Formensprache aus. Mit eigens entwickelten Goldlegierungen und einer fein abgestuften Farbpalette entwickelte sie ihre charakteristische künstlerische Handschrift. Bereits 1976 wurde sie mit dem Bayerischen Staatspreis für Gestaltung ausgezeichnet. Als Brückenbauerin zwischen japanischer und europäischer Schmuckkunst hat Erico Nagai die zeitgenössische Schmuckgestaltung nachhaltig geprägt.

Barbara Schmid, Kulturleiterin bei der Handwerkskammer für München und Oberbayern sagte in ihrer Laudatio: „Erico Nagai zeigt uns, dass Gestaltung keine nationalen Grenzen kennt. Dass Schönheit aus Begegnung und Austausch entsteht. Dass kulturelle Identität nichts Starres ist, sondern etwas Lebendiges.“

In ihrer Dankesrede erinnerte Erico Nagai an ihre „Kulturgroßväter“ – frühe Brückenbauer zwischen Japan und Europa. Zu ihnen zählte sie Mancio Itō, der Ende des 16. Jahrhunderts als Mitglied der ersten japanischen Gesandtschaft nach Europa reiste.

Werner Schmidbauer – Musiker, Moderator und Geschichtenerzähler

Werner Schmidbauer zählt seit Jahrzehnten zu den prägenden Persönlichkeiten der bayerischen Musik- und Medienlandschaft. Der 1961 in München geborene Musiker und Songwriter brachte als BR-Moderator Menschen und ihre Geschichten einem breiten Publikum näher. Seine authentische Art wurde zu seinem Markenzeichen.

Einem breiten Publikum wurde Schmidbauer durch seine Fernseharbeit für den Bayerischen Rundfunk bekannt. Mit Formaten wie Live aus dem Alabama, Schmidbauers, der Musik- und Talksendung Aufgspuit! und vor allem der erfolgreichen Gesprächsreihe Gipfeltreffen prägte er über Jahrzehnte das bayerische Fernsehen und machte zahlreiche Künstlerinnen, Künstler und Persönlichkeiten einem großen Publikum zugänglich.

Für sein vielseitiges Schaffen wurde Werner Schmidbauer unter anderem mit dem Adolf-Grimme-Preis, dem Bayerischen Verdienstorden, der Auszeichnung Bairische Sprachwurzel und dem Bayerischen Poetentaler geehrt. Mit seiner Musik und seinem öffentlichen Wirken setzt er sich seit vielen Jahren für Zusammenhalt, Respekt und gegen Rassismus ein. Als Musiker, Moderator und Geschichtenerzähler prägt er die bayerische Kultur weit über Oberbayern hinaus.

Hannes Ringlstetter sagte in seiner Laudatio über Schmidbauer: „Er will immer, dass aus dem Durcheinander der Welt ein Miteinander der Menschen wird. Ein Beieinander. Und er lässt seinem Gegenüber oder seinen Partnern Platz und Raum, sich zu zeigen.“

Werner Schmidbauer erinnerte in seiner Dankesrede an seine erste BR-Sendung Live aus dem Alabama: „Diese Streitkultur war unheimlich wichtig. Das brauchen wir jetzt wieder: dass die Jugendlichen im Land miteinander diskutieren.“ Zudem betonte er die große Bedeutung von Kultur und Demokratie für unsere Gesellschaft.

Informationen zum Werk der beiden Ausgezeichneten sowie eine Übersicht früherer Preisträgerinnen und Preisträger gibt es in der Broschüre zum Oberbayerischen Kulturpreis 2026. Die Publikation kann per E-Mail an kommunikation@bezirk-oberbayern.de kostenfrei bestellt werden und auf dieser Seite unten auch zum Herunterladen zur Verfügung.

19.07.2026