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Vielfalt und Witz dominieren den Wettbewerb der jungen oberbayerischen Kreativen

1. Oberbayerischer Förderpreis für Angewandte Kunst im Schafhof vergeben


Bezirkstagspräsident Josef Mederer hat am 9. September fünf herausragende Arbeiten mit dem neu geschaffenen Förderpreis ausgezeichnet. Die gebürtige Rosenheimerin Stephanie Müller erhielt den ersten Preis für ihre textile Mischarbeit »AvataRobota« aus. Vier weitere Preise gingen an Künstlerinnen aus Ruhpolding, Traunstein und München.



„Der Wettbewerb beweist: Die Übergänge zwischen Kunst und Handwerk sind fließend. Entscheidend ist die Qualität und Originalität“. Mit diesen Worten begrüßte der Bezirkstagspräsident das gespannte Publikum, das zahlreich in den Schafhof, das europäische Künstlerhaus Oberbayern in Freising, gekommen war. Noch war nicht bekannt, wer die ersten Preisträger des neugeschaffenen Oberbayerischen Fördepreises für Angewandte Kunst sein werden. Ein Blick in die Ausstellung ausgewählter Wettbewerbsbeiträge zeigte die enorme Vielfalt, die durch die weitgefassten Grenzen der Ausschreibung zugelassen wurde: Von figürlichen Arbeiten aus Holz, über Schmuckstücke aus Metall und Papier bis zu Möbeln aus Kunststoff und Arbeiten aus Glas und Keramik reichte das Spektrum.

Der Münchner Fachbuchautor und Journalist Dr. Oliver Herrwig, der als Jurymitglied die Arbeiten vorstellte, wies darauf hin, dass die große Vielfalt der Werke, Materialien und Techniken eine Herausforderung bei der Preisfindung waren. Die Jury war jedoch hocherfreut über die Qualität und Originalität der Wettbewerbsbeiträge.

Die Gewinnerin des mit 4.000 Euro dotierten ersten Preises, Stephanie Müller (31), ist gebürtige Rosenheimerin, hat einen Magister in Kommunikationswissenschaften und studiert momentan an der Akademie der bildenden Künste in München im Aufbaustudium "Bildnerisches Gestalten und Therapie“. Die Künstlerin hat an mehreren Ausstellungen teilgenommen, gründete 2004 das Textilkunstprojekt "rag*treasure" und erhielt 2005 den Baltic Fashion Award. In ihrer pämierten Arbeit „AvataRobota“ versucht sie, die „Schnelllebigkeit vernetzter Kulturen durch traditionelle Handwerkstechniken zu entschleunigen“. Sie kombiniert ein von ihr besticktes und bemalten Basiskleid durch Klettverschlüsse mit Schürzen und Kapuzen, die für verschiedene Webangebote stehen und präsentiert sie als Wandinstallation.

Im Gegensatz zu dieser komplexen Collage-Arbeit steht die klassische Einfachheit und Schönheit des lebensgroßen Holz-Schaukelpferdes von Carolin Hinterseer (19) aus Ruhpolding. sie erhielt dafür den mit 3.000 Euro dotierten 2. Preis. Die in Traunstein gebürtige Holzbildhauer-Gesellin hat das Objekt während ihrer Ausbildung an der Berufsfachschule für Holzschnitzerei und Schreinerei des Landkreises Berchtesgadener Land als Modell entworfen und groß aus der Holzart Thuje gefertigt.

Den mit 2.000 Euro dotierten dritten Preis erhält die Münchnerin Daria Wendland (25) für drei Flaschen aus Keramik. Bei den „Mehrwegflaschen“ der Studentin der Münchner Kunstakademie handelt es sich um einen Kommentar zu den üblichen industriellen Mehrwegflaschen. Hohe Keramikgefäße sind von kreisrunden Öffnungen durchbrochen, die von bunten Plastikkappen verschlossen werden. So sind mehrere Wege für die Flüssigkeit geöffnet. Auf einer dritten etwas kleineren Flasche hat die Künstlerin Gedichte von Mascha Kaléko aufgetragen. Die Bücher der Schriftstellerin wurden im dritten Reich ein Raub der Flammen. Die Flammen beim Brennen der Keramik, machen die Glasurschrift im Gegensatz dazu erst sichtbar.

Neben den drei Hauptpreisen gehen zwei je mit 500 Euro dotierte Anerkennungen an die in München lebende Traunsteinerin Barbara Schrobenhauser und an Alexander Emil Deubl aus München. Auch diese beiden Preisträger studieren an der Akademie der bildenden Künste.
 
Alexander Emil Deubl (27) wuchs in Lenggries auf und ließ sich an der österreichischen Glasfachschule Kramsach zum Glasfachmann ausbilden. Zwei seiner drei eingereichten Glasarbeiten bestehen aus beleuchteten Kuben, die einmal als geschlossener Würfel, einmal als nach allen Seiten vom Leuchtkörper durchbrochenes Gebilde wirken. Sein Werk "In Findung" stellt eine fragile Komposition aus verklebten Glasstäben dar, mit der der Künstler ein Bild für "den stetigen Wandel und die Zerbrechlichkeit des Lebens“ findet.

Die in Traunstein geborene Barbara Schrobenhauser (31), die vor ihrem Studium die Berufsfachschule für Schmuck und Glas in Neugablonz absolvierte, reichte drei Broschen aus Papier, Holzkohle und Leim ein, die sie mit einer selbst entwickelten Formtechnik in federleichte Kieselsteine verwandelte. 

Bis zum 10. Oktober sind die prämierten Werke und weiteren ausgewählten Arbeiten in der Ausstellung im Schafhof zu sehen. Geöffnet ist von Dienstag bis Freitag von 14 bis 19 Uhr  und Samstag und Sonntag von 11 bis 19 Uhr.