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Oberbayerischer Förderpreis für Angewandte Kunst 2025

Ausstellung 12. – 16. November 2025 auf der Messe Heim+Handwerk

Der Oberbayerische Förderpreis für Angewandte Kunst wurde in diesem Jahr zum 16. Mal ausgeschrieben und ist heuer mit insgesamt 12.000 Euro dotiert. Schülerinnen und Schüler, Studierende und Absolvierende der Fachrichtungen Design, Gerät, Glas, Holz, Keramik, Metall, Papier, Schmuck, Stein und Textil an Fachschulen, Hochschulen, Akademien und Universitäten, die nicht älter als 35 Jahre sind und ihren Wohn- bzw. Werkstattsitz in Oberbayern haben, konnten sich an dem Wettbewerb beteiligen.

116 – teils mehrteilige – Wettbewerbsbeiträge bei 53 Bewerbungen wurden von der Jury nach den Kriterien Innovation, Funktion, Ästhetik, Ausführung und handwerkliche Qualität begutachtet. 26 Künstlerinnen und Künstler konnten sich für diese Ausstellung – in Kooperation mit der Messe Heim+Handwerk – qualifizieren. Darunter befinden sich auch die vier diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger.

Lesen Sie auch die Pressemeldung zur Preisverleihung:

Die Jury

  • Dieter Dohr, Geschäftsführung GHM
  • Andreas Kuhnlein, Holzbildhauer
  • Wolfgang Lösche, ehemalige Leitung Galerie Handwerk
  • Gabriele Off-Nesselhauf, Bezirksrätin
  • Martina Neubauer, Bezirksrätin
  • Cornelius Réer, Glaskünstler
  • Johanna Schachtl, Bezirksrätin
  • Barbara Schmidt, Leitung Galerie Handwerk
  • Juliane Schölß, Silberschmiedin und Schmuckkünstlerin
  • Barbara Schrobenhauser, Schmuckkünstlerin
  • Konrad Specker, Bezirksrat
  • Friederike Steinberger, weitere stellv. Bezirkstagspräsidentin
  • Nico Walter, Schreinermeister

Die Ausstellung

Janick Entrop – Objekte der Erinnerung
Ausgezeichnet mit dem Oberbayerischen Förderpreis für Angewandte Kunst 2025

  • geboren 1996 in Gräfelfing
  • 2016–2019 Innenausbau Martin Kohstall GmbH in München, Ausbildung zum Schreiner
  • 2021–2022 Handwerkskammer München, Akademie für Gestaltung und Design, Weiterbildung zum Gestalter im Handwerk
  • seit 2023 Hochschule München, Studium Industriedesign
Kunstwerk: fünf quadratische Holzkästchen in denen jeweils ein anderes Relief in Schwarz liegt; vor jedem Kästchen ebenfalls ein schwarzes quadratisches Relief
Janick Entrop: Objekte der Erinnerung; Eiche, Polylactid (PLA); 3D-Druck; 10 x 10 x 4 cm (Foto: Tianxiong Zhong )

Gedanken zu meiner Arbeit

„Objekte der Erinnerung“ ist ein Projekt zur Auseinandersetzung mit dem nationalsozialistischen Erbe in München. Mittels 3D-Scan und 3D-Druck wurden bauliche Spuren an fünf historischen Orten sichtbar gemacht und als physische Objekte rekonstruiert.
Die entstandenen Artefakte verstehen sich als Mahnung gegen das Vergessen – und als gestalterischer Beitrag zur Erinnerungskultur in Zeiten erstarkender rechter Tendenzen. (von links: Ludwig-Maximilians Universität, Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke, Haus der Kunst, Alte Pinakothek, Hochschule für Musik und Theater)

Janick Entrop

Tzu-Yun Hung – Exercises in Disappearance 01, 02, 03
Ausgezeichnet mit dem Oberbayerischen Förderpreis für Angewandte Kunst 2025

  • geboren 1989 in Taipeh/Republik China (Taiwan)
  • 2007–2012 Fu Jen Catholic University Taipeh (B. F. A.)
  • 2013–2016 Goldschmiedeschule mit Uhrmacherschule in Pforzheim
  • 2016–2020 Hochschule Pforzheim, Fakultät für Gestaltung (B. A.)
  • seit 2021 Akademie der Bildenden Künste München, Schmuck und Gerät, Klasse Prof. Karen Pontoppidan

Wanying Xie: Exercises in Disappearance 01, 02 und 03
Radiergummi, Heftklammer, Silikon; 14 x 11 x 3,7 cm

Gedanken zu meiner Arbeit

Exercises in Disappearance ist eine Serie tragbarer Objekte, gefertigt aus Radiergummis, Heftklammern und Fragmenten meiner Erinnerungen an Schreibübungen. Die Materialien stehen für Korrektur und Kontrolle – aber auch für das Unsichtbarmachen.

Die drei Schmuckstücke – Brosche, Armband und Kette – tragen Spuren von Auslöschung und Erinnerung. Sie stellen die Frage, wer entscheiden darf, was gelöscht wird, und welche Identitäten unter alltäglichen Symbolen verborgen bleiben. Durch die subtile Verbindung von Handarbeit und Alltagsmaterialien verhandelt die Serie Themen wie Zugehörigkeit, Sprachverlust und das paradoxe Gefühl, zwischen zwei Kulturen zu stehen.

Das Armband nimmt die Form eines sich wiederholenden Kreises an, aufgebaut aus Schichten von Radiergummiresten und verbunden durch Büroklammern. Die sich wiederholenden Gesten des Tackergebrauchs – der Versuch, etwas gewaltsam zusammenzufügen – erzeugen einen stillen Rhythmus.

Die Brosche besteht aus fragmentierten Radiergummis, die mit Garn auf ein Kupfergeflecht genäht sind und als stumme Zeugen von Korrekturen stehen. Die nähende Geste wiederholt sich immer wieder in meinen Händen, als wollte ich einen geschlossenen Kreis flicken – doch ein einziger Nagel durchstößt das Ergebnis abrupt. Die klare Struktur wird immer wieder von Spuren des Löschens unterbrochen und spiegelt die Zerbrechlichkeit von Identität wider, die zwischen Sichtbarkeit und Auslöschung oszilliert.

Die Kette zieht sich in einer feinen Linie aus Radierresten und Garn über den Körper. Die fragile Verbindung erinnert an eine Spur verlorener Schrift, die sich durch Raum und Erinnerung zieht. In ihrer Zartheit stellt die Kette Fragen nach Zugehörigkeit, Sprachverlust und den unsichtbaren Grenzen kultureller Identität.

Tzu-Yun Hung

Tobias Möndel – Schwebender Schrank aus Weißtanne
Ausgezeichnet mit dem Oberbayerischen Förderpreis für Angewandte Kunst 2025

  • geboren 1999 in Prien a. Chiemsee
  • 2019–2021 Firma Petz Holzhandwerk in Altmannstein, Ausbildung zum Schreiner
  • 2022–2024 Städtische Meisterschule für das Schreinerhandwerk München
  • seit 2024 Hochschule München, Architektur (B. A.)

Vorderseite eines Schranks aus hellem Holz unterteilt in gerahmte Kästchen; eine Tür offen (man sieht im Inneren die Zwischenböden und Schubkästen)
Tobias Möndel: Schwebender Schrank aus Weißtanne; Weißtanne, Linoleum; diverse handwerkliche Verbindungen; 185 x 90 x 45 cm (Foto: Wolfgang Pulver )

Gedanken zu meiner Arbeit

Schwebender Schrank aus Weißtanne – Architektur übersetzt in den Möbelbau

Mein Meisterstück versteht sich nicht als klassisch entworfenes Möbel, sondern als architektonisches Objekt im Maßstab des Handwerks. Die Gestaltung folgt nicht der Logik eines Produkts, sondern der räumlichen Idee. Architektur wird hier in den Möbelbau überführt – konstruktiv, formal und gestalterisch. Die Front erinnert an eine Fassade: rhythmisiert, gegliedert, tiefenwirksam. Vor- und zurückspringende Kassetten schaffen ein spannungsvolles Spiel aus Fläche und Tiefe. Die Felder vergrößern sich rhythmisch nach oben, wodurch sich ein hierarchischer Aufbau ergibt, der dem Möbel Leichtigkeit und Präsenz verleiht.

Die innere Ordnung dieses Möbels spiegelt sich klar in der äußeren Struktur der Front wider – vergleichbar mit architektonischen Fassaden, in denen sich das Raumprogramm ablesen lässt. Jeder Abschnitt folgt einem präzisen System, das im geöffneten Zustand seine logische Fortsetzung findet. Der Innenraum wird nicht durch einzelne Elemente wie Böden oder Schubkästen beschrieben, sondern als zusammenhängender Raum gedacht. In der handwerklichen Ausführung zeigt sich höchste Präzision: Von den gezinkten, auf Holzleisten geführten Schubkästen bis zu den im Brettbau gefertigten Seitenwangen wurden traditionelle Massivholzverbindungen eingesetzt. Dabei wurden alle Verbindungen so zurückhaltend integriert, dass sie die klare Formensprache nicht stören. Das Handwerk tritt nicht in den Vordergrund, sondern trägt die Gestalt – leise, aber bestimmend.

(Tobias Möndel)

Laurenz Werb – Leuchtenobjekt „Spool“
Ausgezeichnet mit dem Oberbayerischen Förderpreis für Angewandte Kunst 2025

  • geboren 1995 in Haßfurt
  • 2016–2019 Schulen für Holz und Gestaltung des Bezirks Oberbayern in Garmisch-Partenkirchen, Ausbildung zum Schreiner
  • 2019–2023 Bauhaus Universität Weimar und Freie Universität Bozen, Produktdesign
  • 2023–2025 Schulen für Holz und Gestaltung des Bezirks Oberbayern in Garmisch-Partenkirchen, Fachakademie für Raum- und Objektdesign
Kunstwerk: Eine Holzspule liegt auf einer weißen Unterlage. Auf die Spule ist ein rotes Kabel aufgewickelt, dessen Ende nach oben aus dem Bild verschwindet.
Laurenz Werb: Leuchtenobjekt »Spool« ; Linde, Textilkabel; gedrechselt; 20 x 20 x 15 cm (Foto: Laurenz Werb )

Gedanken zu meiner Arbeit

Spool ist inspiriert von einer traditionellen Holzgarnrolle und vereint die Funktionen einer vielseitig einsetzbaren Lampe mit der eines Verlängerungskabels. Das spielerische Design und die intuitive Handhabung machen Spool zu einem idealen Begleiter für Wohn-, Arbeits- oder Kinderzimmer. Spool kann als Schreibtischlampe genutzt werden – sowohl nach oben als auch nach unten leuchtend – oder als Deckenlampe aufgehängt werden, um direktes oder indirektes Licht zu erzeugen. Eine praktische Begleit-App ermöglicht es den Nutzerinnen und Nutzern, Lichtintensität und -farbe individuell anzupassen, wodurch sich Spool noch flexibler einsetzen lässt.

Projektarbeit an der Fachakademie für Raum- und Objektdesign, Garmisch- Partenkirchen

Laurenz Werb

Anna Avits – Achtung!

  • geboren 1994 in Donetsk/Ukraine
  • seit 2020 Akademie der Bildenden Künste München, Schmuck und Gerät, Bildhauerei und Grundlagen des dreidimensionalen Gestaltens, Klasse Prof. Olaf Nicolai
Eine Pfeifenstatue aus Bronze, die auf einem Stein liegt. Hinten an der Pfeife ist eine Kette befestigt.
Anna Avits: Achtung! Bronze, Asche; 8,5 x 2,2 x 2,2 cm (Foto: Anna Avits )

Gedanken zu meiner Arbeit

Bronze. Asche.
Eine militärische Pfeiffe.
Ein Signal. Ungehört, überhört, still akzeptiert.
Keine Erinnerung. Ein leiser Nachhall im Jetzt.
Nicht einmal Stille, sondern das,
was bleibt, wenn Klang nicht mehr möglich ist.
Es ist nicht nur Erinnerung.
Es klingt immer noch.


Anna Avits

Anna Avits – „I was loved before the war”

  • geboren 1994 in Donetsk/Ukraine
  • seit 2020 Akademie der Bildenden Künste München, Schmuck und Gerät, Bildhauerei und Grundlagen des dreidimensionalen Gestaltens, Klasse Prof. Olaf Nicolai
Ein kleiner Stiefel, der aus Metall geflochten wurde. Um den Stiefel wurde eine weiße Schleife mit einem Wollfaden gebunden. Zusätzlich hat der Stiefel einen weiße Wollschnur als Anhänger.
Anna Avits: I Was Loved before the War; geflochtener Stahl, Wolle; 4,5 x 3 x 5,5 cm (Foto: Xenia Fumbarev )


Gedanken zu meiner Arbeit

Es gibt Statistiken darüber, wie viele Kinder im Krieg in der Ukraine gestorben sind –
aber wie viele Leben hatten nicht einmal die Chance, zu beginnen?
(Zum Gedenken an eine Frau, die bei der russischen Bombardierung eines ukrainischen
Entbindungskrankenhauses in Mariupol verletzt wurde.
Sie verstarb zusammen mit ihrem ungeborenen Kind).

Anna Avits

Marcel Bader – Square 80

  • geboren 1999 in Windhoek/Namibia
  • 2018–2021: Ausbildung zum Schreiner in Sankt Michaelisdonn, Schleswig-Holstein
  • 2023–2024: Städtische Meisterschule für das Holzbildhauerhandwerk München
rechteckiges Objekt mit schwarzem Muster
Marcel Bader: Square 80; Esche, Nussbaum, Messing, Glas; 68 x 230 x 52 cm (Foto: Wolgfang Pulfer )

Gedanken zu meiner Arbeit

Die eigenen Grenzen im Gestalterischen, Handwerklichen und Menschlichen herauszufordern und neu zu definieren – das war die Leitlinie für dieses Projekt. Entstehen sollte ein echter Blickfang, ohne dabei an Eleganz einzubüßen.

Anders als sonst begann ich diesmal nicht bei der Funktion, sondern stellte die Gestaltung in den Mittelpunkt. Schon früh zeichnete sich ein prägendes Element ab: runde Formen aus massiver Esche, vollständig ohne CNC gefertigt und schwarz gebeizt, wodurch die natürliche Maserung besonders hervorsticht. Mit einem Durchmesser von 80 mm entsteht eine spannende Tiefenwirkung, die dem Stück Lebendigkeit verleiht.

Das unregelmäßige Muster wird von feinen Messingadern durchzogen, die das Möbel in klare, rechteckige Rahmen gliedern und zugleich seine Funktionen definieren. Dunkel brünierte Messingplatten ziehen sich bis auf den Boden und formen das selbstgebaute Gestell.

Die wahre Raffinesse liegt jedoch im Verborgenen: einer komplexen Unterkonstruktion, die das Werk in ein präzises Raster von 80 × 80 mm unterteilt – und damit auch seinen Namen inspiriert. Diese Struktur erlaubt eine freie Gestaltung des Musters, das hinter Glas liegt und so eine staubdichte Aufbewahrung ermöglicht.

Der Innenraum, mit Nussbaum gestaltet und reich an feinen Details, bildet einen markanten Kontrast zur äußeren Erscheinung.
Zwischen Möbel, Kunstwerk und einer Prise Wahnsinn hat mir dieses Stück gezeigt: Grenzen existieren nur dort, wo man sie sich selbst setzt.

Marcel Bader



Gemeinschaftsprojekt
Charlotte Beigel und Albert Gerstmair – Zinnpazifist

Charlotte Beigel

  • geboren 2000 in Starnberg
  • 2020–2025 Hochschule für Angewandte Wissenschaften München, Industriedesign (B. A.)

Albert Gerstmair

  • geboren 1999 in Rostock
  • 2020–2025 Hochschule für Angewandte Wissenschaften München, Industriedesign (B. A.)
  • seit 2025 Hochschule für bildende Künste Hamburg, Experimentelles Industriedesign (M. A.)
Packung mit eingeschweißter Zinn-Figur. Oben Steht "Zinnpazifist", Unterüberschrift: "Diese Figur steht für Freiheit, Demokratie und Frieden."
Die Figur stellt einen Mann mit Plakat dar.
Charlotte Beigel und Albert Gerstmair: Zinnpazifist; Zinn; gegossen; 7 x 3 x 0,8 cm (Foto: Anna Marie Levandowski )

Gedanken zu meiner Arbeit

Der „Zinnpazifist“ ist eine 50 mm große Figur, gegossen aus ausgedienten Zinnobjekten. Die Figur steht aufrecht, in beiden Händen ein Schild – nicht als Waffe, sondern als Zeichen. Gefertigt im Stil klassischer Zinnsoldaten erinnert sie an ein Spielzeug, das einst dazu diente, das Militär spielerisch als legitimes Mittel zu etablieren. Zinnsoldaten waren Teil einer Tradition, mit der Monarchen ihren Söhnen den Krieg spielerisch näherbrachten. Der Zinnpazifist bricht mit diesem Erbe und verkörpert die Werte einer modernen Generation. Der Zinnpazifist steht für eine Überzeugung: Aus Gewalt kann kein Frieden wachsen.

Charlotte Beigel und Albert Gerstmair


Janick Entrop – Aufgestrichen 

  • geboren 1996 in Gräfelfing
  • 2016–2019 Innenausbau Martin Kohstall GmbH in München, Ausbildung zum Schreiner
  • 2021–2022 Handwerkskammer München, Akademie für Gestaltung und Design, Weiterbildung zum Gestalter im Handwerk
  • seit 2023 Hochschule München, Studium Industriedesign
Blick von oben auf Tisch mit zwei Brotzeitbrettern mit einer halben Schiebe Brot beziehungsweise einem angebissenen Croissant und Schalen mit Butter und Marmelade. zudem noch zwei Tassen mit Cappuccino und schwarzem Kaffee.
Janick Entrop: Aufgestrichen; Eiche, Esche (Foto: Janick Entrop )

Gedanken zu meiner Arbeit

Das Projekt „Aufgestrichen“ entstand im Wintersemester 2024/25 in Kooperation mit dem Münchner Sterne-Restaurant Tantris. Es vereint hochwertige Materialien, handwerkliche Präzision und eine minimalistische, funktionale Gestaltung.

Das Frühstücksset umfasst ein Brett aus Eiche oder Esche, ein mit natürlicher Eisenacetat-Beize schwarz gefärbtes Buttermesser aus Eiche sowie eine Porzellantasse – wahlweise mit gefrästem Eichengriff oder ohne Henkel.

Janick Entrop

Julius Fest – flywheel

Zwei an einer Stelle offene Kreissegmente aus Metall, eingelassen in eine Metallschiene. Die Kreissegmente weisen eine grobe Schnittkante auf.
Julius Fest: flywheel; Titan; geschmiedet, gefeilt, geschliffen und gebogen; 4,5 x 5,5 x 0,2 cm (Foto: Julius Fest )

Gedanken zu meiner Arbeit

Die Arbeit spielt mit der Spannung zwischen Wahrnehmung und Realität. Die Ohrringe wirken schwer, sind jedoch extrem leicht. Sie wirken fragil, bestehen aber aus dem einem außergewöhnlich harten Material Titan. Diese Gegensätze sind dem Werkstoff Titan eigen. Titan wird im Schmuckbereich meist für industriell gefertigte Massenware verwendet, selten jedoch in handwerklicher Einzelanfertigung. Dem setze ich eine reduzierte, individuelle Gestaltung entgegen: geometrisch, tragbar und geschlechtsneutral. Inspiriert von maschinellen Bauteilen kombiniere ich rohe und bearbeitete Oberflächen, klare Kanten und eine technische Ästhetik. Die Gestaltung bewegt sich zwischen Brutalismus, Minimalismus und technoider Formensprache. Da Titan extrem schnell oxidiert, ist Schweißen nur mit Verlust an Materialeigenschaften möglich. Deshalb wird jeder Ohrring aus einem einzigen massiven Stück Titan subtraktiv gefertigt.

Julius Fest

Julius Fest – grasshopper

Eine abstrakte Form aus Metall mit rechteckig gebogenen Draht und in der Mitte einem zu einem dreieckigen Zylinder gebogenen Stück Metall
Julius Fest: grasshopper; Titan; geschmiedet, gefeilt, geschliffen und gebogen; 6 x 6 x 2,5 cm (Foto: Julius Fest )

Gedanken zu meiner Arbeit

Die Arbeit spielt mit der Spannung zwischen Wahrnehmung und Realität. Die Ohrringe wirken schwer, sind jedoch extrem leicht. Sie wirken fragil, bestehen aber aus dem einem außergewöhnlich harten Material Titan. Diese Gegensätze sind dem Werkstoff Titan eigen. Titan wird im Schmuckbereich meist für industriell gefertigte Massenware verwendet, selten jedoch in handwerklicher Einzelanfertigung. Dem setze ich eine reduzierte, individuelle Gestaltung entgegen: geometrisch, tragbar und geschlechtsneutral. Inspiriert von maschinellen Bauteilen kombiniere ich rohe und bearbeitete Oberflächen, klare Kanten und eine technische Ästhetik. Die Gestaltung bewegt sich zwischen Brutalismus, Minimalismus und technoider Formensprache. Da Titan extrem schnell oxidiert, ist Schweißen nur mit Verlust an Materialeigenschaften möglich. Deshalb wird jeder Ohrring aus einem einzigen massiven Stück Titan subtraktiv gefertigt.

Julius Fest

Julius Fest – ID

Julius Fest – ID

Breiter Ring aus Silber mit breiter rechteckiger Oberseite. Darin als Einsatz ein rötliches -goldenes Material.
Julius Fest: ID; Silber, Kupfer; gegossen, geschmiedet, gelötet; 2,5 x 2,5 x 1 cm (Foto: Julius Fest )

Gedanken zu meiner Arbeit

Der Ring entstand inspiriert von einer früheren Arbeit, in der Kupfer so bearbeitet wurde, dass es textil und körperlich erscheint. Auch hier steht das Spiel mit Wahrnehmung und Erwartung im Mittelpunkt. Der weiche, fast stofflich wirkende Charakter des Materials steht im Kontrast zu seiner tatsächlichen Schwere und metallischen Härte. Die Färbung des Kupfers verleiht der Oberfläche einen hautähnlichen, fleischartigen Ton. Sie erinnert an etwas Körperliches, beinahe Lebendiges und verstärkt die Irritation beim Betrachten. Die Gestalt des Rings greift das Motiv des klassischen Siegelrings auf. Das Relief entsteht durch organische Verformung des Materials und ist dadurch vollkommen einzigartig und nicht reproduzierbar. In einer Zeit des Individualismus verweist der Ring nicht auf Gruppenzugehörigkeit, sondern auf die Zugehörigkeit zur eigenen Identität und Individualität. Wie ein Fingerabdruck.

Julius Fest

Katharina Hansel – Ruß

  • geboren 1992 in Landsberg am Lech
  • 2009–2012 Staatliche Berufsfachschule für Glas und Schmuck Kaufbeuren-Neugablonz, Ausbildung zur Glas- und Porzellanmalerin
  • 2014–2015 Mayer‘sche Hofkunstanstalt München, Anstellung als Glasmalerin
  • 2016–2017 Handwerkskammer München, Akademie für Gestaltung und Design, Weiterbildung zur Gestalterin im Handwerk
  • 2017–2020 Bayerische Staatsoper München, Anstellung als Dekorateurin/Requisite
  • seit 2021 Akademie der Bildenden Künste München, Bild- und Raumpolitiken und Kunstpädagogik, Klasse Sandra Schäfer
Foto einer jungen Frau: Sie steht im ärmellosen Shirt vor einer Fliesenwand. Der Kopf ist auf Höhe des Mundes im Foto abgeschnitten. Sie trägt eine sehr lange Kette aus schwarzen halbdurchsichtigen Glas um den Hals. Ihre Arme und das Hemd weißen schwarze Spuren auf.
Ruß
Katharina Hansel: Borosilikatglas; Glasbearbeitung am Brenner; 174 x 26 x 2 cm (Foto: Katharina Hansel )

Gedanken zu meiner Arbeit

Ein flexibles Gewebe aus Borosilikatglas – einst aus dem Labor stammend – wird zum Medium für Mode. An der Gasflamme geformt entstehen organisch anmutende, filigrane Ringe, welche bei offener Flamme miteinander „verwebt“ werden. Sie sind alles andere als industriell – jeder einzelne Ring ist ein Unikat fernab von maschineller Perfektion. Der beim Abkühlen entstehende Ruß bleibt sichtbar und erzählt vom Entstehungsprozess. Chemische Spuren, oft unsichtbar in der Modeproduktion, werden hier offengelegt.

Katharina Hansel



Julie Janda – Gestaltung von Lederflächen
„Tätowierung, Intarsie und Brennen“

  • geboren 1999 in Freiburg im Breisgau
  • 2020–2023 Schuhmacherei Feri Braun Freiburg, Ausbildung zur Maßschuhmacherin
  • 2023–2024 Handwerkskammer München, Akademie für Gestaltung und Design, Weiterbildung zur Gestalterin im Handwerk

Gedanken zu meiner Arbeit

Im Rahmen meiner Abschlussarbeit an der Akademie für Gestaltung und Design der Handwerkskammer München habe ich mich über einen Zeitraum von drei Monaten intensiv mit der gestalterischen Weiterentwicklung von Lederflächen beschäftigt. Schon seit längerer Zeit trug ich die Idee in mir, Leder – also „tote Haut“ – zu tätowieren.

In zahlreichen Experimenten habe ich mich mit den gestalterischen Grundelementen Kreis, Linie und Fläche auseinandergesetzt. Auf einer 30 x 30 cm großen Lederfläche entstand schließlich eine finale Arbeit, in der ich die gewonnenen Erkenntnisse zusammenführte. Die Gestaltung erfolgte intuitiv, nur ein Kreis als Umrahmung der tätowierten Fläche wurde im Vorfeld auf das Leder gezeichnet.

Die Anwendungsmöglichkeiten für tätowiertes Leder sehe ich insbesondere im Innenbereich – beispielsweise als gestalterisches Element für Wandflächen.
Vor dem Tätowieren habe ich das Leder mit Vaseline behandelt. Mit einer Tätowiermaschine ließ ich intuitiv Formen, Linien, Flächen und Zwischenräume entstehen. Nach Abschluss des Tätowiervorgangs wurde die Oberfläche erneut mit Vaseline eingerieben, um überschüssige Farbe zu entfernen und die tätowierten Bereiche zu versiegeln.

Julie Janda



Charlotte Luise Kroschel – Tiergruppe „Hakuna Matata“

  • geboren 1999 in Berlin
  • seit 2023 Ausbildung zur Holzbildhauerin, Berufsfachschule für Holzschnitzerei und Schreinerei des Landkreises Berchtesgadener Land
Drei kleine geschnitzte Holzfigurengruppe in Löwenform, liegend auf einem Sockel
Hakuna Matata - Tiergruppe; Linde, handgeschnitzt; 20 x 45 x 35 cm (Foto: Charlotte Luise Kroschel )

Gedanken zu meiner Arbeit

Drei Löwen liegen ruhend auf einer schrägen Fläche.
Ohne zu interagieren genießen sie ihr Zusammensein und den Moment.
(Charlotte Luise Kroschel)

Antonia Lippert – hyle and morphe

  • geboren 1990 in München
  • 2011–2014 Berufsfachschule für Holzbildhauer München, Ausbildung zur Holzbildhauerin
  • 2015–2017 Hochschule München, Kommunikationsdesign
  • 2017–2024 Akademie der Bildenden Künste München, Bildhauerei/Intermedia und Kunstpädagogik, Klasse Sebastian Tröger
  • 2024 Examenspreis für herausragende künstlerische Leistung der Stiftung Kunstakademie München
Runde Bronzeschale mit Lederhandschuh darin. Deckel der Schale steht dahinter
Antonia Lippert: hyle and morphe
Handschuhobjekt in Bronzeschale;
Bronze, Stoff, Fundstück, Füllmaterial; gestopft; 13 x 25 x 21 cm (Foto: Tim Hufnagl )

Gedanken zu meiner Arbeit

Die Arbeit hyle and morphe reflektiert zum einen gegenderte Herstellungstechniken: das Nähen bzw. Arbeiten mit Textilien, als einen Bereich weiblich konnotierter Heim- und Handarbeit, historisch betrachtet aus der wertstiftenden Produktion ausgeschlossen, unsichtbar gemacht und häufig nicht bzw. gering entlohnt. Zum anderen berührt sie Diskurse der Bildhauerei, die sich um „das Material der Kunst“ drehen. Das „Kunstmaterial“ Bronze wird hier mit dem „niederen Materialismus“ eines aufgetragenen, in Maschinenöl getränkten Arbeitshandschuhs konfrontiert.

Gleichzeitig scheint hier das wertvolle Material lediglich der Verpackung des Abfallobjekts zu dienen. Auch das traditionsreiche Verfahren des Bronzegusses wird gewissermaßen gegen den Strich gelesen. Die Schalenhälften wurden so eingeformt, dass es zu kalkulierten Lufteinschlüssen kam, wodurch Blasenbildung und an Stellen besonders dünner Wandstärke ein Nicht-Ausfließen der Form, also Löcher im Positiv entstanden sind. Auf diese Weise verschränken sich Herstellungs- und Gestaltungsprozess zu einem untrennbaren Ganzen. Vor diesem Hintergrund wurde auch gezielt auf die Entfernung der schwarzen Gusshaut und der Rückstände der Formmasse verzichtet. Einzig die Ansatzpunkte der Gusskanäle glänzen golden und machen das Kunstmaterial Bronze sichtbar.

Antonia Lippert

Maria Mayer – Die Akelei

  • geboren 1991 in München
  • 2010–2013 Residenztheater München, Ausbildung zur Herrenmaßschneiderin
  • 2013–2019 Kunsthochschule Burg Giebichenstein, Textil und Glas, Klassen Prof. Bettina Göttke-Krogmann und Prof. Christine Triebsch
  • seit 2019 freischaffende Künstlerin
Wie zu einem Buch zusammengeknüpfte Seiten aus Stoff in weiß
Maria Mayer: Die Akelei; Satin, Baumwolle, Fujiseide, Akeleiblüten; Naturfärbeverfahren; 80 x 40 x 0,8 cm (Foto: Maria Mayer )

Gedanken zu meiner Arbeit

Ein textiles Objekt, das wie ein Softbook funktioniert. Auf jeder Stoffseite spiegeln sich die vielfältigen Farben der Akelei und werden dadurch lesbar und erfahrbar. Das Objekt kann an der Wand gehängt oder als Buch geöffnet und betrachtet werden, wodurch eine neue Form der Wahrnehmung entsteht.

Die Seiten sind mit Farbstoffen aus den Blüten der Akelei gefärbt, einer Pflanze, die in unserer unmittelbaren Umgebung wächst. Die verschiedenen Farbtöne der Blume sind in ihrem ganzen Spektrum ausgearbeitet und lassen die subtile Schönheit der natürlichen Farbpalette sichtbar werden.

Das Werk steht für einen unmittelbaren und stillen Dialog zwischen Mensch und Natur und nutzt das Jahrtausende alte Kulturgut des Naturfärbens als künstlerisches Mittel, um an das alte Kunsthandwerk zu erinnern und die Wertschätzung für natürliche Ressourcen zu stärken.

Maria Mayer

Maria Mayer – Von Tulpen und Narzissen

  • geboren 1991 in München
  • 2010–2013 Residenztheater München, Ausbildung zur Herrenmaßschneiderin
  • 2013–2019 Kunsthochschule Burg Giebichenstein, Textil und Glas, Klassen Prof. Bettina Göttke-Krogmann und Prof. Christine Triebsch
  • Seit 2019 freischaffende Künstlerin

Kranzförmiges Objekt aus gelblichen Pflanzenteilen mit kleinen Farbtupfern
Maria Mayer: Von Tulpen und Narzissen ; Wildseide, Tulpen- und Narzissenblüten; Naturfärbeverfahren; 21 x 4 cm (Foto: Maria Mayer )

Gedanken zu meiner Arbeit

Ein textiles Objekt, ausschließlich gefärbt mit den Blättern von Tulpen und Narzissen, Frühlingsblumen aus meiner unmittelbaren, alltäglichen Umgebung. Ihre vegetativen Spuren wie Blüten und Stempel hinterlassen feine Abdrucke in der Faser und werden im gefalteten Objekt erfahrbar.

Die Arbeit ist Teil einer fortlaufenden Auseinandersetzung mit Pflanzenfarbstoffen als lebendigem Material und dem jahrtausendealten Kulturgut des Naturfärbens, das durch industrielle Prozesse zunehmend verdrängt wurde.

Farbe erscheint hier als Ausdruck von Herkunft, Wandel und Vergänglichkeit und steht für einen direkten Austausch mit unserer nahen natürlichen Umgebung.

Mein Anliegen ist es, den Betrachtenden die Kraft der natürlichen Ressourcen zurückzubringen, den Blick für die verborgenen Potenziale urbaner Natur zu schärfen und den Dialog zwischen Mensch und Natur bewusst anzuregen und zu vertiefen.

Eine Ode an die Farbe.
Eine Ode an den Frühling.

Maria Mayer

Florian Clemens Meier – Undescribed Taxon V - VII

  • geboren 1991 in München
  • 2015–2017 International Yacht Restoration School, Boatbuilding & Restoration Program (USA)
  • 2018–2019 Wooden Boat Centre, Bootsbauer und Restaurator (Australien)
  • seit 2019 Akademie der Bildenden Künste München, Schmuck und Gerät, Klasse Prof. Karen Pontoppidan

von links:
Florian Clemens Meier: Undescribed Taxon V; Shibuichi (Legierung aus urban geschürftem Kupfer und recyceltem Silber); Vakuumguss; 3 x 8 x 12 cm
Undescribed Taxon VI; Shibuichi (Legierung aus urban geschürftem Kupfer und recyceltem Silber); Vakuumguss; 7 x 7 x 13 cm
Undescribed Taxon VII; Shibuichi (recyceltes Silber, urban geschürftes Kupfer); Vakuumguss; 3 x 8 x 13 cm

Gedanken zu meiner Arbeit

Geformt aus weichem Wachs transformiert in hartes Metall. Das Objekt besteht aus einer undefinierten Legierung aus urban geschürftem Kupfer (z. B. Stromkabel) und recyceltem Silber (z. B. alter Schmuck) vermengt und im Vakuumguss-Verfahren gegossen.

Der Begriff Undescribed Taxon stammt aus der Naturwissenschaft, genauer der Klassifizierungslehre, er wird angewendet für eine Spezies, die bisher noch nicht benannt wurde. Meist handelt es sich hierbei um ein neu entdecktes und noch nicht ausreichend studiertes Exemplar.

Ein potenzielles Tiefseebergbauprojekt könnte bisher unbekannte Lebewesen stören und deren Lebensraum unbewohnbar machen. Der ökologischen Wert dieser Mechanismen ist bisher nicht erforscht, die Auswirkungen für Leben im Meer und an Land sind nicht absehbar.

Die Arbeit Undescribed Taxon ist eine abstrakte Darstellung eines Tiefseelebewesens. Die Objekte sind nicht figurative Abbildungen eines tatsächlichen Wesens, sondern vielmehr ein hypothetisches archäologisches Fundstück der Zukunft. Ein Mysterium für zukünftige Zivilisationen.

Florian Clemens Meier

Johannes Müller – Couchtisch Familie, 69 Table

  • geboren 1996 in Altötting
  • 2013–2016 Schulen für Holz und Gestaltung des Bezirks Oberbayern in Garmisch-Partenkirchen, Ausbildung zum Schreiner
  • 2016–2018 Gesellentätigkeit im elterlichen Betrieb: Schreinerei und Einrichtungshaus Müller in Ampfing
  • 2018–2022 Schulen für Holz und Gestaltung des Bezirks Oberbayern in Garmisch-Partenkirchen, Fachakademie für Raum- und Objektdesign
  • seit 2023 Studio Johannes Müller in Ampfing
rechteckiger weißer Tisch, daneben ein runder schwarzer Tisch, der zum Teil unter dem weißen Tisch verschwindet.
Johannes Müller: Table - Couchtisch Familie; Recyclingstein, Stahl und Aluminium; werkzeuglose Schraub- und Steckverbindungen; verschiedene Maße (Foto: Johannes Müller )

Gedanken zu meiner Arbeit

Table 69 denkt Möbel als offene Systeme. Nichts ist fix, alles kann ersetzt, repariert, verändert werden. Aus Einzelteilen wird ein Ganzes, das Wandel nicht fürchtet, sondern vorwegnimmt.

Die Konstruktion ist radikal ehrlich: recycelter Stein, Stahl & Aluminium, werkzeuglos (de-)montierbar, präzise gefügt. Jedes Bauteil trägt dadurch neue Verantwortung – gestalterisch wie funktional. Die Materialien sprechen für sich: eine massive, nur 12mm starke Steinplatte ruht auf 15 mm dünnen Metallprofilen, leicht, tragend, klar.

Das Design ist zurückgenommen, aber nicht beliebig – es schafft Raum für den Ausdruck des Materials. 69 verweist auf das Maß des Ursprungs – den Kochfeldausschnitt industrieller Serienproduktion und transformiert Abfallmaterial in Bedeutung.

In einer Welt des Überflusses formuliert diese modulare Tischfamilie eine Haltung: Einfachheit, Verantwortung, Weiterdenken.

(Johannes Müller)

Johannes Müller – Raumtransformator ORA

  • geboren 1996 in Altötting
  • 2013–2016 Schulen für Holz und Gestaltung des Bezirks Oberbayern in Garmisch-Partenkirchen, Ausbildung zum Schreiner
  • 2016–2018 Gesellentätigkeit im elterlichen Betrieb: Schreinerei und Einrichtungshaus Müller in Ampfing
  • 2018–2022 Schulen für Holz und Gestaltung des Bezirks Oberbayern in Garmisch-Partenkirchen, Fachakademie für Raum- und Objektdesign
  • seit 2023 Studio Johannes Müller in Ampfing
Hoher Spiegel mit schwarzen Linien vor einer grauen Wand.
Johannes Müller: ORA - Raumtransformator; Listralglas und Esche massiv, schwarz geölt; Steckverbindungen, durchgestemmte Zapfen, Überplattungen; 200 x 100 x 45 cm (Foto: Johannes Müller )

Gedanken zu meiner Arbeit

Ordnung, ohne auszugrenzen. Teilung von Räumen, ohne sie zu trennen. Ein Fenster zwischen davor und dahinter, zwischen Mensch und Raum, zwischen Fantasie und Realität. Inspiriert von der japanischen Shoji-Gestaltung und europäischen Fensterteilungen entsteht ein neues System des Dazwischen. Aus transluzentem Listralglas gefertigt, bringt es Licht in seinen schönsten abstrakten Formen zum Ausdruck – in Reflexionen, Silhouetten, Bewegung. Der Rahmen aus schwarz gefärbter Esche ist nach innen versetzt und traditionell mit durchgestemmtem Doppelzapfen und Überplattungen verbunden. Glaselemente und Rahmen sind reversibel durch präzise gesetzte Metallstifte verbunden – langlebig, austauschbar, durchdacht. Die asymmetrische Front erlaubt vielfältige Reihungen und erzeugt neue Muster im Raum.

ORA heißt Licht. Für die Idee von Frieden – im Raum, im Blick, im Denken.

Johannes Müller

Elisabeth Ort – Natur, Farbe und Struktur –
individuelle Holzflächen mit natürlicher Farbgebung

  • geboren 1996 in Schongau
  • 2016–2019 Staatliche Berufsfachschule für Holzbildhauer und Schreiner Oberammergau, Ausbildung zur Holzbildhauerin,
  • 2019–2020 Handwerkskammer München, Akademie für Gestaltung und Design, Weiterbildung zur Gestalterin im Handwerk
  • 2022–2025 Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim,
  • Farbdesign (B. A.)
  • seit 2023 Staatstheater am Gärtnerplatz München, Requisiteurin

Rundes, scheibenförmiges Objekt aus Holz, in farbige Segmente unterteilt mit verschiedenen Mustern je Segment
Elisabteh Ort, Natur, Farbe und Struktur - individuelle Holzoberflächen mit natürlicher Farbgebung; Lindenholz, Naturfarbstoff-Lasuren; geschnitzt, gefräst, graviert ;90 x 90 x 3 cm (Foto: Elisabeth Ort )

Gedanken zu meiner Arbeit

Aufgrund der zunehmenden Fokussierung auf Nachhaltigkeit sehe ich großes Potenzial darin, das natürliche Material Holz mit organischen Farben zu kombinieren und so einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Gesellschaft leisten zu können. Ich entwickelte und fertigte mit verschiedenen klassischen und modernen Bearbeitungstechniken Strukturen in Holz. Anschließend färbte ich die Muster mit selbst hergestellten Lasuren aus Naturfarbstoffen wie Rote Bete, Paprika, Kurkuma und Blaukraut. Zur Präsentation der Resultate arrangierte ich die farbigen Einzelteile zu einem individuellen Farbkreis, einem Kunstwerk aus 36 Gestaltungselementen, das die Betrachtenden dazu einlädt, die Schönheit und Vielfalt natürlicher Ressourcen zu erleben. Die Elemente dienen als Prototypen für besondere Akzente und Highlights in Innenräumen oder auf Möbeloberflächen.

Die natürlichen Lasuren sind nicht fixiert und daher nicht lichtecht. Es ist sehr spannend zu beobachten, wie sich die Farben mit der Zeit verändern.

Elisabeth Ort

Rosanna Marie Pondorf – Wertschöpfungspapier

  • geboren 1993 in Eching
  • 2015–2024 Akademie der Bildenden Künste, Malerei und Grafik, Klasse Prof. Peter Kogler

von links:
Rosanna Marie Pondorf: Wertschöpfungspapier [coin]; handgeschöpftes Papier aus entwerteten Euronoten, BDSM-Objekte, Gips; 200 x 130 x 15 cm
Wertschöpfungspapier [broken chain]; handgeschöpftes Papier aus entwerteten Euronoten, BDSM-Objekte, Gips, 200 x 130 x 15 cm

Gedanken zu meiner Arbeit

Die fertigen Blätter werden an BDSM-Objekten wie Nippelklemmen und Spreizstangen befestigt – Apparate der Spannung, Disziplinierung und Kontrolle. Sie fungieren als physische Träger wie als semantische Rahmung: Der Körper als Speicher, als Währung, als Ort gesellschaftlicher Machtprojektion. In dieser Verbindung wird das Werk zum spekulativen Wertkörper, der Konstrukte wie Geld, Zeit und Information sichtbar macht – Systeme, die nur durch unsere körperliche Präsenz und unseren Glauben an sie existieren. Einzelne Arbeiten wie [coin] oder [broken chain] verlinken gezielt in digitale Ökonomien: [coin] zeigt den Apple-Coin-Emoji, ein Adler im Sturzflug mit dem Schriftzug "the crazy ones", zwischen Heroisierung und Kontrollverlust; [broken chain] verweist auf das Scheitern symbolischer Ordnung. Die Serie verhandelt den Körper als Interface, zwischen Affekt, Kontrolle und Aufmerksamkeit.

Rosanna Marie Pondorf

Angelika Dominique Rauchenberger - Faszinosum

  • geboren 1999 in Bad Tölz
  • 2019–2022 Staatliche Berufsfachschule für Holzbildhauer und Schreiner in Oberammergau, Ausbildung zur Holzbildhauerin,
  • seit 2023 Städtische Meisterschule für das Holzbildhauerhandwerk in München

Rahmen aus Holz auf einem Gestell aus Draht. In und auf den Rahmen stehen Raben aus Holz.
A. D. Rauchenberger: Faszinosum; Lindenholz, Birnenholz, Eichenholz, Pulverbeize, Acrylfarbe, Blattgold; geschnitzt; 184 x 76 x 73 cm (Foto: A. D. Rauchenberger )

Gedanken zu meiner Arbeit

In den vergangenen Jahren habe ich unzählige Fotografien angefertigt – Momentaufnahmen dessen, was mich berührt und fasziniert. Doch eine meiner größten Faszinationen fehlt darauf beinahe vollständig: der Kolkrabe.

Schon als Kind haben mich diese mystischen Vögel in ihren Bann gezogen. Und dennoch sind sie nur äußerst selten auf meinen Bildern zu sehen. Warum eigentlich?

Vielleicht, weil ich bei ihrem Anblick alles andere vergesse. Ihre Erscheinung ist beeindruckend – doch es ist vor allem ihr Wesen, das mich fesselt. Kolkraben spielen miteinander, sie kümmern sich umeinander, sie lernen von allem, was sie beobachten.

Um dieser Faszination Ausdruck zu verleihen, verlasse ich in der Arbeit Faszinosum die reine Fotografie und wende mich der Bildhauerei zu. Dabei dient mir die Fotografie weiterhin als gedanklicher Ausgangspunkt – doch ich transformiere präzise Bildausschnitte in dreidimensionale Objekte. Ich gebe den Raben Raum. Raum, den sie durchdringen und durchbrechen können.

Siehst du, wie sie einander begegnen? Wie sie beobachten?

Angelika Dominique Rauchenberger

Lorena Rode – Schmuckkollektion „Frühlingsgefühle“

  • geboren 1999 in Eutin
  • 2023 Hochschule Rotterdam, Willem de Koonig Academie, Freie Kunst (B. A.)
Eine Hand im Vordergrund. Die Finger sind umwickelt mit bunten Ketten. Die Fingernägel sind weiß. Die Hand ist in Richtung Himmel gestreckt
Lorena Rode: Frühlingsfülle - Schmuckkollektion ; Borosilikatglas
unterschiedliche Größen (maximal 4 x 4 cm) (Foto: Lorena Rode )

Gedanken zu meiner Arbeit

Die Kollektion Frühlingsfülle besteht aus acht handgefertigten Borosilikatglas Ringen, die von der üppigen Pracht des Frühlings inspiriert sind. Die gläsernen Strukturen erinnern an Blütenblätter, Knospen, Eierschalen und larvenähnliche Formen, die Sinnbilder eines zyklischen Entstehens sind und bilden Momente des Wachsens, Aufblühens und Schlüpfens.

Die Ringe entwickeln eine neue visuelle Sprache: opulent und verspielt, zart und kraftvoll zugleich. In Anlehnung an die reich verzierten Traditionen der venezianischen Glaskunst erforschen sie das fragile Material und skizzieren damit Versprechen von Fruchtbarkeit, Lebendigkeit sowie einer liebevollen und fürsorglichen Verbindung zur Welt.

Lorena Rode

Moritz Schult – „Fischmarkt“, Lampe / Wandgestaltung mit Licht

  • geboren 2001 in Herten
  • 2020–2023 Städtische Berufsfachschule für das Holzbildhauerhandwerk München, Ausbildung zum Holzbildhauer
  • seit 2023 Städtische Meisterschule für das Holzbildhauerhandwerk München


sechs Platten, auf denen Eiswürfel liegen. Auf den Eiswürfeln liegen verschiedene Fisch- und Meerestierarten.
Moritz Schult: Fischmarkt - Lampe, Wandgestaltung mit Licht; Linde, Esche, Glas, Aluminium, LED; geschnitzt, gefasst, geschreinert; je 44 x 60 x 20 cm (Foto: Moritz Schult )

Gedanken zu meiner Arbeit

Die Inspiration für diese Arbeit sind die mit Waren aus aller Welt gefüllten Styropor-Thermoboxen auf Fischmärkten.

Die Art und Weise, wie darin Meeresfrüchte und Fische auf gecrashtem Eis gebettet sind, hat eine besondere Wirkung. Die Ästhetik der Präsentation fasziniert mich.

Um diese Faszination in ein gleichermaßen ästhetisches wie funktionales Objekt zu übersetzen, habe ich mich für Wandlampen entschieden. Die „Thermoboxen“ habe ich aus gebürsteter und geschwärzter Esche gefertigt. Das Crasheis habe ich auf eine gesprungene Glasplatte reduziert, die von LEDs hinterleuchtet wird. Das Licht ist von grell und eiskalt bis atmosphärisch und warm anpassbar, sodass das Objekt den Raum angenehm ergänzt. Die Fische und Meerestiere sind aus Lindenholz geschnitzt und anschließend vergoldet und traditionell gefasst worden. Insgesamt gibt es neun dieser Lampen, in einer 3 × 3 Anordnung. Damit die Kabel den Betrachter nicht stören, sind die Kästen auf einer Rückwand aus Aluminium montiert, hinter der die Kabel verschwinden.

Moritz Schult

Anne Sindek – Leuchtenobjekt – Akkuleuchte LYS

  • geboren 1998 in Tübingen
  • 2019–2022 Ausbildung zur Schreinerin bei HOLZ + FORM in Tübingen
  • 2022–2024 Schulen für Holz und Gestaltung des Bezirks Oberbayern in Garmisch-Partenkirchen, Meisterschule für Schreiner
  • seit 2024 Schulen für Holz und Gestaltung des Bezirks Oberbayern in Garmisch-Partenkirchen, Fachakademie für Raum- und Objektdesign
Eine Lampe die in einem mittelwarmen weiß leuchtet. Umgeben ist sie von einem breiten Gestell aus Aluminium.
Anne Sindek: Akkuleuchte LYS ; Aluminium gebogen, Acrylglas;
45 x 19 x 19 cm (Foto: Anne Sindek )

Gedanken zu meiner Arbeit

Im Zuge meiner aktuellen Weiterbildung zur Raum- und Objektdesignerin an den Schulen für Holz und Gestaltung in Garmisch-Partenkirchen fertigte ich den Prototypen meiner Leuchte LYS.

Die Aufgabenstellung war sehr frei, und so stellte ich mir selbst die Herausforderung eine Akku-Leuchte zu entwickeln, die einen zeitgenössischen ansprechenden Charakter bekommen sollte.

LYS ist ein Formenspiel aus Dreiecken, die sich treffen und Ellipsen die sich je nach Drehung ergeben. Ein fast schon behütender Umriss aus gebogenem Aluminium umhüllt den leuchtenden Zylinder und bietet gleichzeitig Griffmöglichkeiten um die Leuchte überall mit hinzunehmen.

Anne Sindek

Maja Stojkovska – Ein Amulett zum Schutz vor digitalem Lärm

  • geboren 1990 in Skopje/Nordmazedonien
  • 2018–2021 Juwelier Vladimir Gavrilovski in Skopje, Ausbildung zur Goldschmiedin
  • seit 2023 Akademie der Bildenden Künste, Schmuck und Gerät, Klasse Prof. Karen Pontoppidan
Eine rote Kette mit einem fein gewebten rotem Amulett, das aussieht wie eine Glocke. Durch die Glocke geht ein Schlägel. Unten hängen viele einzelne Fäden, die mit Perlen versehen sind.
Maja Stojkovska: Ein Amulett zum Schutz vor digitalem Lärm
Draht von Deadstock-Kopfhörern, Transistoren, Stahl, Lötzinn, Nadelspitze; 57 x 12 x 0,5 cm (Foto: Maja Stojkovska )

Gedanken zu meiner Arbeit

In einer Zeit ständiger Benachrichtigungen und algorithmischer Reizüberflutung ist Stille zu einem wertvollen Gut geworden, das es zu schützen gilt. Dieses Stück ist ein Zeichen des Widerstands – es verwandelt die Ursache dieser sensorischen Überlastung in ein Symbol der Ruhe.

Seine Form erinnert an das Stumm-Modus-Symbol von Smartphones: ein durchgestrichenes Lautsprechersymbol, ein visuelles Innehalten. Gefertigt aus Deadstock-Kopfhörerkabeln und Transistoren – ungenutzten Restbeständen aus der Massenproduktion elektronischer Bauteile – spiegelt es die Folgen von Überproduktion und digitaler Reizflut wider.

Die Drähte ziehen sich wie verwobene Netzwerke digitaler Kommunikation und der damit verbundenen Erschöpfung durch das Stück. Die Transistoren, ursprünglich Signal-Schalter, sind hier neu gedacht als Wächter, die bewusste Pausen und Grenzen ermöglichen.

Dieses Amulett steht im starken Gegensatz zur Hektik und dem Druck der digitalen Welt. Es soll nicht Geräusche blockieren, sondern Raum schaffen – für Stille, Grenzen und das Recht, einfach abzuschalten.

Maja Stojkovska

Sonia Titel – Paarflöte

  • geboren 1994 in Ebersberg
  • seit 2018 Akademie der Bildenden Künste München, Bildhauerei, Klasse Gabriel Kuri
  • 2019–2021 Grimslövs Folkhögskola Schweden (Europäisches Förderprogramm Erasmus+), Kunst, Handwerk und Design
Zwei Frauen stehen sich gegenüber und spielen gemeinsam an einer gebogenen Flöten mit zwei Enden.
Sonia Titel: Paarflöte ;Kombination aus Aufbaukeramik und 3D-Druck; 37 x 55 x 3 cm (Foto: Sonia Titel )

Gedanken zu meiner Arbeit

Paarflöte ist ein keramisches Klangobjekt, das seine volle Wirkung erst im Duett entfaltet. Einzelne, zylindrische, 3D-gedruckte Tonabschnitte wurden dafür im lederharten Zustand zur finalen Form zusammengefügt. Ihre geschwungene, parabolische Form verkörpert räumlich, was sie im Spiel verlangt: eine gemeinsame Ausrichtung. In einer Gegenwart, die von zunehmender Abwendung geprägt zu sein scheint, fordert Paarflöte eine bewusste Zuwendung ein. Erst wenn sich die Spielenden physisch und rhythmisch aufeinander einlassen, entsteht eine Resonanz, die das Innere der Flöte überwindet und einen zwischenmenschlichen Klangraum eröffnet. Über Blicke, Atem und Intuition treten die Spielenden geleitet von der Form, die nicht nur visuell verbindet, sondern körperlich aufeinander hinführt, in Austausch miteinander. Dabei entsteht eine transmateriale Beziehung zwischen Mensch und Objekt: Die Keramik ist nicht bloß Klangträgerin; sie bindet den Menschen als soziales Wesen und klangbildenden Körper unweigerlich in das Werk ein. Durch das gemeinsame Spiel entwickelt sich eine vorübergehende, nonverbale Intimität, deren Nachklang auch nach dem Verstummen der Töne spürbar bleibt. „Paarflöte“ wird so zu einem kulturellen Körper, der das kurzweilige Zusammenspiel in einer zeitlosen, beinahe rituellen Präsenz verankert.

Sonja Titel

Jacqueline Weschle – Beistelltisch Stella

  • geboren 1997 in Lahr/Schwarzwald
  • 2020–2021 Firma Bürstner in Lahr, Gesellin
  • 2022–2023 Raumwerk in Berlin, Gesellin
  • 2023–2025 Schulen für Holz und Gestaltung des Bezirks Oberbayern in Garmisch-Partenkirchen, Fachakademie für Raum- und Objektdesign
Zwei Beistelltische aus hellem Holz mit je einer dunklen Platte. Am Rand ist ein Loch. Der rechte Tisch ist ein wenig kleiner, als der linke.
Jacqueline Weschle: Beistelltisch Stella; Esche, Edelstahl; 50,2 x 40 x 40 cm (Foto: Wolfgang Pulfer )

Gedanken zu meiner Arbeit

Der Beistelltisch besteht aus Eschenholz, das in verschiedenen gebeizten Ausführungen erhältlich sein soll. Die herausnehmbare Einlegeplatte verbirgt ein Fach darunter, in das man kleine Gegenstände legen kann. Die Einlegeplatte, sowie die eingenuteten T-Füße bestehen aus Edelstahl.

Jacqueline Weschle

Jacqueline Weschle – Hocker – Bankfamilie YLVA

  • geboren 1997 in Lahr/Schwarzwald
  • 2020–2021 Firma Bürstner in Lahr, Gesellin
  • 2022–2023 Raumwerk in Berlin, Gesellin
  • 2023–2025 Schulen für Holz und Gestaltung des Bezirks Oberbayern in Garmisch-Partenkirchen, Fachakademie für Raum- und Objektdesign

Drei Hocker aus hellem Holz stehen in einem kellerartigen Raum. Zwei Hocker stehen nebeneinander dem dritten gegenüber. Auf den Hockern liegt ein dickes Polster.
Jacqueline Weschle: Hocker – Bankfamilie YLVA
Hocker: Esche, Leder, Textil; 44 x 40 cm
Bank: Eiche, Leder, Textil; 65 x 34 cm (Foto: Jacqueline Weschle )

Gedanken zu meiner Arbeit

YLVA ist eine Hocker-Bank-Familie. Es ist ein multifunktionales Möbel und kann als Hocker, Beistelltisch oder Regal verwendet werden. Die Serie besteht aus zwei Varianten. Beide Modelle verfügen über eine gepolsterte Sitzeinlage, die in einen drehbaren Deckel integriert ist. Durch einfaches Wenden um 180 Grad verschwindet die Polsterung hinter der umlaufenden Zarge, wodurch eine glatte Oberfläche entsteht. Jetzt kann man YLVA als Beistelltisch oder Nachtisch verwenden. Für die Nutzung als Regal lassen sich die Hocker und Bänke einfach übereinanderstapeln. Eine Nut in den Füßen greift in die vorstehenden Kanten an der Oberseite, was ein sicheres Stapeln ermöglicht. Auch eine horizontale Erweiterung ist vorgesehen: Mehrere nebeneinanderstehende Module können mithilfe einer Lederschlaufe verbunden werden, die durch einen Schlitz in der Zarge geführt und an einem Knopf fixiert wird. In den Füßen befindet sich eine Lochreihe mit drei Positionen, die eine flexible Höhenverstellung der Böden erlaubt.

Jacqueline Weschle

Josephine Zacher – Die Suche nach der Vollkommenheit

  • geboren 2002 in Gräfelfing
  • 2020–2021 Ludwig Maximilians Universität München, Japanologie, Nebenfächer Kunst, Musik, Theater
  • seit 2021 Hochschule für Angewandte Wissenschaften München, Design

Eine Kartoffel wurde horizontal zerschnitten. Das deutlich größere Stück liegt auf der Schnittfläche und das kleinere auf der anderen Seite. In beiden Stücken steckt jeweils ein silbernes Teil. Diese Teile haben eine großes Loch in der Mitte.
Josephine Zacher: Die Suche nach der Vollkommenheit; Silber; Goldschmiedetechniken; 2,5 x 2,5 x 0,5 cm (Foto: Josephine Zacher )

Gedanken zu meiner Arbeit

Für das Sternerestaurant Tantris in München habe ich ein Ringpaar entworfen. Tantris bedeutet im Buddhismus „die Suche nach der Vollkommenheit“. Dieses Motto spiegelt sich in der Einrichtung, dem Service und der Speisekarte des Tantris wider, daher habe ich dieses Thema in meinen Ringen aufgenommen.

Das Ringpaar habe ich mit Hilfe eines 3D-Programms entworfen. Die beiden Ringe treten miteinander in Beziehung, ergänzen sich trotz ihrer Unterschiedlichkeit und führen doch ihr Eigenleben. Das ist die Vollkommenheit von Beziehung.

Josephine Zacher

Lilli Zentgraf – „Nach oben“

  • geboren 2000 in Hünfeld
  • 2020–2023 Schnitzschule Empfertshausen, Ausbildung zur Holzbildhauerin
  • 2023–2025 Städtische Meisterschule für das Holzbildhauerhandwerk München

Ein Turm aus verschiedenen afrikanischen Tiere, der Größe nach sortiert. Das oberste Tier hält einen blauen Luftballon.
Lilli Zentgraf: Nach oben; Lindenholz, Federstahl, Aquarellfarbe, Acrylfarbe; geschnitzt; 210 x 30 x 25 cm (Foto: Lilli Zentgraf )

Gedanken zu meiner Arbeit

"Fred wollte fliegen." Von Anfang an. Es war sein Plan.

Invasive Arten sollen verschwinden – also geht er. Wohin? Das wird sich zeigen. Er wird seinen Platz schon finden.

Der Elefant hat sogar extra die Leiter mitgebracht. Bevor das ganze Ökosystem kippt, zieht Fred lieber die Reißleine. Fred – nicht der Elefant. Der bleibt unten und kriegt am Ende alles ab.

Das vorliegende Werk ist meine Abschlussarbeit der Meisterschule.

Die illustrative Darstellung von Tieren und das Geschichtenerzählen durch Holz haben mich das ganze letzte Jahr begleitet. Neben der gestalterischen Idee stellte auch die handwerkliche Umsetzung eine große Herausforderung dar: Der Tierturm – bis hin zum Flamingo – wurde aus einem einzigen Stück Lindenholz gefertigt.

Durch viele Durchbrüche, feine Details und fragile Strukturen verlangte die Arbeit präzise Planung, strategisches Vorgehen und viel Feingefühl.

Das Ergebnis lädt zum Schmunzeln und Staunen ein. Der Blick wird nach oben gelenkt, Anfang und Ende bleiben offen.

Man fiebert mit. „Was machen die da eigentlich?“ „Und wer, verdammt, ist Fred?“

Lilli Zentgraf