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Kategorie: Heimat
13.09.2019

Gut gewandet auf die Wiesn

Ein Gespräch mit Trachtenexperte Alexander Wandinger über Tracht und Mode

Zum Oktoberfest wird Tracht wieder großgeschrieben. Die Geschäfte sind voll davon, und so mancher fragt sich: Was ziehe ich an? Zeit für ein Gespräch mit dem Trachtenexperten Alexander Wandinger. Er leitet das Trachten-Informationszentrum in Benediktbeuern, eine Einrichtung des Bezirks Oberbayern.

Ist die Tracht auf der Wiesn Tracht oder reine Party-Kleidung?
Beides, denn Tracht kann vieles sein: modisch und individuell festgelegte Vereinskleidung, Erkennungsmerkmal von Gruppen oder Teil des munteren Geschlechterspiels auf der Wiesn. Über Qualität und Schönheitsempfinden kann man natürlich streiten, und von richtig fesch bis unglaublich albern reicht die Palette von Tracht beziehungsweise Partykleidung während des Oktoberfests allemal. Dabei gilt, dass eine sogenannte „echte Tracht“ manchmal auch sehr bieder daherkommen kann, während ein gut gemachter und schräger Mix durchaus Freude bereitet.

Tracht ist Mode, so lautet ihr Credo. Können Sie für die Wiesn 2019 einen modischen Trend erkennen?
Ganz allgemein sehen wir derzeit Rückgriffe auf die Mode der 50er Jahre. Neben den langsam verschwindenden schrillen Farben der letzten Jahre gibt es viele gedeckte und erdige Töne. Das passt übrigens zur großen Modewelt, denn da beginnt gerade die Ära „Braun“. Das Qualitätsbewusstsein bezüglich Verarbeitung, Schnitt und Stoff lässt allerdings nach wie vor oft zu wünschen übrig.

Was raten Sie jemandem, der sich erstmals eine Tracht zulegen möchte?
Sich zunächst klar zu werden: Zu welchen Anlässen und wie oft trage ich Tracht? Wie kann ich eventuell Teile günstig kombinieren? Möchte ich etwas ganz Traditionelles oder ist mir der modische Aspekt wichtig? Wieviel Geld bin ich bereit zu investieren?

Was antworten Sie, wenn jemand sagt: „Tracht steht mir nicht!“ oder „Ich habe leider keine Trachtenfigur.“
Ob einer Person Trachtenkleidung steht, hängt in erster Linie vom Schnitt, der Stoffauswahl und – ganz wichtig – von den Farben ab. Die alten Vorstellungen, wie eine Figur beschaffen sein sollte – gerade was das Dekolleté angeht – halte ich für extrem überholt und für völlig daneben. Auch hier wieder: Farbe und Form einer Tracht müssen individuell passen.

Wie kann ich denn herausfinden, welches Dirndl oder welche Lederhose mir steht? In Geschäften und Kaufhäusern wie auch im Internet gibt es ja ein gigantisches Angebot an Trachtenmode. 
Die erste Adresse für alle, die tiefer einsteigen wollen, ist hier das Trachten-Informationszentrum des Bezirks Oberbayern. Selbstverständlich gibt es im Fachhandel und besonders bei Schneiderinnen, Schneidern, Säcklerinnen und Säcklern eine fundierte Beratung. Wichtig ist, auf das eigene Bauchgefühl zu achten und lieber ein Geschäft mehr zu besuchen und zu vergleichen.

Säckler sind für Lederhosen zuständig?
Ganz genau …

Lohnt sich denn der Gang zur Trachtenschneiderin oder ist das viel zu teuer für ein paar Mal Wiesn pro Jahr?
Der Gang zum Profi lohnt sich immer, weil dann das gute Stück vielleicht öfter getragen wird. Das ist auch nachhaltiger.

Seit einigen Jahren gibt es Trachtenkleider aus afrikanischen und indischen Stoffen. Was halten Sie von diesem kulturellen Mix?
Grundsätzlich sind Stoffe aus anderen Kulturen immer eine Bereicherung. Bei Ethnostoffen muss man aber schauen, ob sie funktionieren. Afrikanische Stoffe mit großen Mustern eignen sich zum Beispiel für großflächige Schnitte besser als für eng anliegende Oberteile mit kleinen Stoffflächen, wie es beim Dirndloberteil der Fall ist.

Wie bewahrt man die Trachtenteile am besten auf, wenn man sie nicht oft anzieht?
Wie jede andere Kleidung auch: Trocken, gereinigt und jederzeit greifbar. Lederhosen, die aus sämisch [Anmerkung: mit Fischöl] gegerbtem Leder gefertigt sind, können übrigens gewaschen werden.

Letzte Frage: Kann man den Leiter des Trachten-Informationszentrums auf dem Oktoberfest antreffen?
Ja, aus beruflichem Interesse bin ich natürlich ein bis zwei Mal da. Privat gehe ich lieber nur auf die Oide Wiesn.

Weitere Informationen für die Medien bei Kerstin Schwabe
Telefon: 089 2198 90013
E-Mail: Kerstin.Schwabe@bezirk-oberbayern.de

Bildmaterial zum Download

Tracht kann richtig lässig sein

Foto: Daniel Breidt

Copyright: Trachten-Informationszentrum des Bezirks Oberbayern

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Ein Anzug in Brauntönen mit einem federkielbesticktem Gürtel

Foto: Daniel Breidt

Copyright: Trachten-Informationszentrum des Bezirks Oberbayern

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Ein Miedergewand, eine Blumenkrone und ein Lächeln

Foto: Mathias Leidgschwendner

Copyright: Trachten-Informationszentrum des Bezirks Oberbayern

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Dirndlgewand und rote Faltenstiefel- der Mix macht's

Foto: Daniel Breidt

Copyright: Trachten-Informationszentrum des Bezirks Oberbayern

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Ansprechpartner/in

Kerstin Schwabe
Pressestelle: Kultur, Umwelt, Heimatpflege
Telefon: 089 2198-90013
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