„Politik passiert vor der Haustür“
München, den Datum: 27.08.2026Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Demokratiestärkung in der Kulturarbeit
Sie ist so selbstverständlich wie der Sonnenaufgang – zumindest scheint es so. Doch ohne Men-schen, die sie schützen und gestalten, geht sie unter: die Demokratie. Daran erinnert jedes Jahr der Internationale Tag der Demokratie am 15. September. Auch der Bezirk Oberbayern setzt sich aktiv für eine lebendige Demokratie ein – unter anderem mit der Projektgruppe Demokratiestärkung in der Kulturarbeit. Projektleiterin Ines Bernauer erklärt, warum Kultur dabei eine wichtige Rolle spielt und welche Ziele die Projektgruppe verfolgt.
Viele verbinden Politik mit Wahlen und Parlamenten. Tatsächlich prägt sie unseren Alltag viel unmittelbarer: „Politik passiert vor der Haustür“, sagt Ines Bernauer aus dem Referat Kultur, die das Projekt leitet. „Wie wir unseren Alltag wahrnehmen, beeinflusst auch, wie wir unsere Demokratie bewerten.“ Gerade Kultur kann dabei Brücken bauen. Museen, Theater oder Bibliotheken schaffen Räume für Begegnung, Diskussion und Perspektivwechsel. Sie machen Geschichte verständlich, regen zum Nachdenken an und fördern den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Deshalb wurde Ende 2024 die Projektgruppe gegründet. Einen weiteren Anlass gab die Beobachtung, dass demokratische Systeme weltweit unter Druck geraten. Erstmals seit 2004 übersteigt die Zahl autokratischer Staaten die der demokratisch geführten Länder.
Das interdisziplinäre Team vereint Mitarbeitende der Abteilung III: der dortigen Koordinierungsstelle, dem Referat Kultur und Museen, dem Schafhof – Europäisches Kunstforum und dem Kleinen Theater Haar. Gemeinsam entwickeln Ines Bernauer, Stephan Holeczek, Armin Liebig, Isabel Oberländer und Matthias Riedel-Rüppel ein Konzept, das demokratische Werte künftig noch stärker in der Kulturarbeit des Bezirks Oberbayern verankern soll. „Die Abteilung III macht schon sehr viel. Es hat bisher nur noch nicht das Label Demokratiestärkung darauf“, erklärt Bernauer. Das Konzept soll deshalb keine völlig neue Aufgabe schaffen, sondern bestehende Aktivitäten bündeln und weiterentwickeln. Ziel ist, demokratiestärkendes Handeln fest in der Kulturarbeit zu verankern.
Aufbau einer digitalen Fachbibliothek
Erste Projekte sind bereits angelaufen. So beteiligte sich die Projektgruppe an den Internationalen Wochen gegen Rassismus und entwickelte einen Werte- und Kriterienkatalog, der den Mitarbeitenden des Bezirks Orientierung bietet. Im Mittelpunkt stehen dabei Menschenwürde, kulturelle Teilhabe, wissenschaftliches Arbeiten und ein respektvoller Umgang mit Vielfalt. Auch die praktische Unterstützung der Kultureinrichtungen nimmt Fahrt auf. In Workshops lernen Museumsverantwortliche etwa, extremistische Symbole zu erkennen oder Vermietungsanfragen demokratiefeindlicher Organisationen rechtssicher einzuordnen. So sollen sie ihren Handlungsspielraum besser nutzen und im Alltag sicherer agieren können. Darüber hinaus baut die Projektgruppe eine digitale Fachbibliothek zum Thema Demokratie auf.
Mitarbeitende können sich bei den Projektbeteiligten informieren und beraten lassen: „Wir wollen einen Beitrag leisten, eine lebendige und resiliente Demokratie zu fördern“, sagt Bernauer. Perspektivisch wünscht sie sich einen Fachbereich Demokratie. Noch befindet sich die Projektgruppe aber im Aufbau. Ideen und Rückmeldungen aus der Belegschaft sind deshalb ausdrücklich willkommen.