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Eine Familie schreibt Geschichte

München, den Datum: 20.07.2021

Ausstellung in der Fachberatung Heimatpflege des Bezirks Oberbayern

Die Ausstellung „Über die Schwelle“ in der Fachberatung Heimatpflege in Bene-diktbeuern beschäftigt sich mit der Familie Haushofer. Deren Mitglieder prägten über fünf Generationen hinweg das gesellschaftliche Leben in Bayern auf ganz unterschiedlichen Gebieten. Das Spektrum reicht von Kunst und Wissenschaft über Politik bis hin zur Landwirtschaft.

Über einen Zeitraum von fast 200 Jahren hat die Familie Haushofer herausragende Persönlichkeiten hervorgebracht, deren Leben von heiter-erfolgreichen, aber auch tragischen Momenten bestimmt waren. Immer wieder galt es, innere und äußere Schwellen zu überschreiten. Der Titel „Über die Schwelle“, den Kurator Gerd Holzheimer der Ausstellung gegeben hat, spielt darauf an.

Die Ausstellung beginnt mit dem 1811 geborenen Landschaftsmaler Maximilian Haushofer, dem Begründer der Künstlerkolonie auf der Fraueninsel im Chiemsee. Von Generation zu Generation nimmt sie die Persönlichkeiten der Familie in ihrem jeweiligen Zeitkontext in den Blick, so auch die Söhne des Malers, Max und Karl. Beide sind Hochschullehrer – der eine für Mineralogie, der andere für Nationalökonomie – und daneben auch Schriftsteller und Künstler.

Auch die Frauen der Familie nehmen eine herausragende gesellschaftliche Stellung ein. Die bekannteste von ihnen ist Emma Haushofer-Merk, die sich neben ihrer schriftstellerischen Arbeit vor allem in der zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufkommenden Frauenbewegung engagiert – unter anderem in dem 1894 gegründeten „Verein für Fraueninteressen“.

Ein besonderes Augenmerk legt die Ausstellung auf das Schicksal Albrecht Haushofers, dessen Vater Karl als Begründer der sogenannten „Geopolitik“ die nationalsozialistischen Machthaber beriet. Albrecht versuchte zunächst, die Nähe seines Vaters zu den Nationalsozialisten zu nutzen, um aus seiner Sicht „noch Schlimmeres“ abzuwenden. Später knüpfte er gezielt Beziehungen zu Kreisen aus dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus und wurde nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 von den Nationalsozialisten verfolgt und schließlich inhaftiert. In dieser Zeit schrieb er seine berühmt gewordenen Moabiter Sonette. Eine Woche vor Kriegsende wurde er von der SS durch Genickschuss getötet.

Die Geschichte der Haushofers endete damit nicht: Albrechts Bruder Heinz, der ebenfalls in Berlin-Moabit inhaftiert war, überlebte die Haft. Er kehrte auf den elterlichen Hartschimmelhof bei Herrsching zurück und setzte dessen Bewirtschaftung fort. Er und sein Sohn Martin verfassten bemerkenswerte Bücher über die Landwirtschaft.

Für die Ausstellung öffnete die Familie Haushofer ihr Archiv auf dem Hartschimmelhof. „Ich freue mich, dass wir mit unserem Beitrag über‚ die Haushofers‘ ein weiteres Blatt im großen Buch der Geschichte Oberbayerns aufschlagen dürfen. Das wäre ohne die großzügige Unterstützung durch die Familie Haushofer nicht möglich gewesen“, sagte Bezirkstagspräsident Josef Mederer.

Die Ausstellung in der Fachberatung Heimatpflege des Bezirks Oberbayern (Michael-Ötschmann-Weg 4, 83671 Benediktbeuern) läuft bis zum 15. August 2021. Sie ist Samstag von 13 bis 17 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Die Räume sind barrierefrei zu erreichen.

Digitales Angebot: Die Ausstellung kann ab 30. Juli 2021 auch online besucht werden unter www.ausstellung-haushofer.de.