Gefräßiger Mitbewohner
München, den Datum: 20.08.2026Wie die Quagga-Muschel Oberbayerns Seen aus dem Gleichgewicht bringt
Sie ist wie ein Mitbewohner, der den Kühlschrank leerräumt, nie einkaufen geht – und vor allem nie wieder auszieht. Nur sind die Folgen deutlich dramatischer. Die Quagga-Muschel breitet sich seit einiger Zeit rasant in oberbayerischen Seen aus. Dabei entzieht sie vielen heimischen Fischarten ihre Nahrungsgrundlage. Sie bringt ganze Ökosysteme aus dem Gleichgewicht, verursacht hohe Kosten und verstopft sogar die Wasserrohre. Was die Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberbayern dagegen unternimmt – und wie jede und jeder helfen kann, die Ausbreitung einzudämmen.
Ursprünglich stammt sie aus dem Schwarzmeerraum. Wie genau die Quagga-Muschel zu uns kam, lässt sich nur vermuten: über Boote, Tauchausrüstung oder Wasservögel. In Deutschland entdeckte man sie erstmals 2005. Inzwischen hat sich die etwa vier Zentimeter kleine Muschel rasant ausgebreitet. Im Bodensee, Chiemsee aber auch Ammersee und Starnberger See wurde sie bereits nachgewiesen.
Ein Teppich aus Muscheln
Was die Quagga-Muschel zur Herausforderung macht, ist ihre enorme Vermehrungsrate. Bereits ab einer Wassertemperatur von etwa vier bis fünf Grad pflanzt sie sich fort. Bis zu eine Million Eier kann ein einziges Weibchen innerhalb eines Jahres abgeben. Die Larven treiben zunächst frei im Wasser und setzen sich später an Steinen, Booten oder anderen festen Oberflächen fest. So entstehen in kurzer Zeit dichte Muschelteppiche – sogar in großen Tiefen.
Klares Wasser, leerer Magen
Die Muschel filtert große Mengen Plankton aus dem Wasser. Dadurch wird das Wasser zwar klarer, vielen heimischen Arten fehlt jedoch die Nahrungsgrundlage. Vor allem Jungfische leiden darunter. Davon betroffen ist auch die Renke, bei der Plankton ganz oben auf dem Speiseplan steht. Gleichzeitig verdrängt die Quagga-Muschel andere Arten und besiedelt nahezu jede freie Fläche unter Wasser. Hinzu kommt ein ganz praktisches Problem: In großen Mengen verstopft sie Wasserleitungen, beschädigt Bootsrümpfe oder auch Fischernetze – mit zum Teil erheblichen Kosten.
Den Veränderungen auf der Spur
Wie verändert die Quagga-Muschel unsere Seen? Genau das untersucht die Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberbayern. Gemeinsam mit der LMU München und der Fischereigenossenschaft Chiemsee baut sie ein wissenschaftliches Monitoring auf, das die Entwicklung langfristig begleitet. Dabei werden unter anderem Muscheldichte, Wassertemperatur, Sauerstoffgehalt, Plankton und Fischbestände untersucht. Ziel ist es, die Veränderungen möglichst früh zu dokumentieren und daraus Erkenntnisse für die heimischen Seen zu gewinnen.
„See-Hopping“ stoppen
Die Quagga-Muschel betreibt „See-Hopping“ – und das ganz unbemerkt. Winzige Larven oder kleine Muscheln haften an Booten, Stand-up-Paddling-Boards (SUPs), Ankern oder Tauchausrüstungen. Auch Badehose und Bikini können zum Transportmittel werden.
Nach jedem Seebesuch gilt deshalb:
- Badekleidung sorgfältig waschen und trocknen lassen
- Boote, SUPs, Luftmatratzen sowie Taucheranzüge und -zubehör kontrollieren, reinigen – möglichst mit Wasser über 45 Grad – und trocknen lassen
- Wasser aus Booten vollständig ablassen
- Angelzubehör reinigen und trocknen lassen