Wenn ein Anruf alles verändert
München, den Datum: 31.03.2026Betroffenen-Kampagne „Mut in der Krise“ zum Jubiläum der Krisendienste Bayern
„Mir wurde ein Weg gezeigt, den ich vorher nicht gesehen habe.“ Ein zunächst harmlos anmutender Satz. Und doch erzählt er von einem Moment, in dem alles auf dem Spiel stand. Für Björn war dieser neue Weg plötzlich Wirklichkeit – nach einem Anruf bei den Krisendiensten Bayern. In einer Situation, in der Gedanken kreisten, die Nacht kein Ende nahm und die Hoffnung kaum noch greifbar war. Demnächst steht dieser Satz (und weitere) auf Plakaten, die im Rahmen der Betroffenenkampagne „Mut in der Krise“ entstehen. Stellvertretend für viele Geschichten in Bayern. Und für das, was die Krisendienste Bayern anlässlich des Jubiläums seit nunmehr fünf Jahren ausmacht: da zu sein, wenn Menschen nicht mehr weiterwissen.
Seit fünf Jahren gibt es die Krisendienste Bayern flächendeckend in allen sieben bayerischen Bezirken als Teil der Regelversorgung. Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: Menschen in psychischen Ausnahmesituationen sollen nicht alleine bleiben. Das Hilfsangebot hat sich zunächst über Mittelfranken, München und schließlich Oberbayern auf ganz Bayern ausgedehnt. Endgültig beschlossen wurde die Ausweitung durch das Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz, das zum 1. August 2018 in Kraft getreten ist. Was heute selbstverständlich wirkt – ein kostenfreies, rund um die Uhr erreichbares Hilfssystem für Menschen in seelischen Krisen – war lange Zeit alles andere als das. Mit der Einführung der bayernweiten Struktur wurde erstmals ein verlässliches Netz geschaffen, das niedrigschwellig, professionell und wohnortnah Hilfe ermöglicht.
Aufbauarbeit und klare Botschaften
Heute beraten die Krisendienste Bayern rund um die Uhr, in über 120 Sprachen sowie in Deutscher Gebärdensprache. Sie sind Anlaufstelle für Betroffene, Angehörige und Fachkräfte. Die Nutzung der Krisendienste ist in den vergangenen fünf Jahren deutlich gestiegen. Die Zahl der Telefonkontakte hat sich innerhalb weniger Jahre nahezu verdoppelt, auch die Einsätze der Kriseninterventionsteams nehmen zu. Diese Zahlen stehen für Menschen, die angerufen haben. Für Nächte, die überstanden wurden. Für Situationen, in denen sich etwas positiv verändert hat – manchmal entscheidend.
Wie bei Bärbel. „Ich habe mein Leben wieder leben können. Unbedingt anrufen!“, sagt sie heute. Ihre Geschichte erzählt von Überforderung, Schuldgefühlen und der Erleichterung, endlich jemanden zu erreichen, der die Situation versteht. Der ihr nicht sagt, was sie tun muss, sondern ihr hilft, wieder handlungsfähig zu werden.
Zum fünfjährigen Jubiläum gehen die Krisendienste Bayern bewusst einen Schritt weiter nach außen. Mit der Kampagne „Mut in der Krise“, die in Zusammenarbeit mit Mutmachleute e.V. entsteht (Verein für Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen), erstmals Betroffene im Mittelpunkt, die bereit sind, ihre Geschichte zu teilen. In Videos, Interviews, auf Plakaten und in den sozialen Medien erzählen sie davon, wie es sich anfühlt, in einer Krise zu stecken. Und davon, was es für sie verändert hat, Hilfe anzunehmen.
Die Botschaften sind klar: „Es ist stark, sich Hilfe zu suchen.“ „Der Anruf hat mir geholfen, die Nacht zu überstehen.“ Betroffene als „Mutmacherinnen und Mutmacher“ anzusprechen, macht sichtbar, wie viel persönliche Stärke hinter jedem Anruf bei den Krisendiensten Bayern steht. Begleitet wird der Kampagnenstart Mitte März durch eine Pres-sekonferenz beim Bayerischen Bezirketag. Fünf Jahre Krisendienste Bayern sind das Ergebnis der Zusammenarbeit vieler Akteurinnen und Akteure in ganz Bayern. Im Übrigen mit tatkräftiger Unterstützung des oberbayerischen Alt-Bezirkstagspräsidenten Josef Mederer, der das Projekt entschieden vorangebracht hat.