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Auf dem Pfad der weißen Herzen

München, den Datum: 03.07.2026
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Communities-Fotoprojekt eröffnet Ausstellung bei ZAMMA

Wer den weißen Herzen am Boden folgt, läuft eine Fotoausstellung der besonderen Art ab: Zehn unterschiedliche Gruppen Unterschleißheims haben sich gegenseitig fotografiert. Das brachte Menschen zusammen, die sich sonst wohl nie begegnet wären. Das Projekt „Viele Augen – ein Ort“ baut Brücken, zeigt die Vielfalt Unterschleißheims – und zwischen all den Unterschieden auch Gemeinsamkeiten. Nun wurde die Ausstellung rund um das Bürgerhaus am zweiten ZAMMA-Tag mit der Vernissage eröffnet.

Eine ältere Person mit grauen Haaren betrachtet eine Fotoausstellung und zeigt auf eines der ausgestellten Bilder hinter einer Glasfront. In der Hand hält die Person ein Sektglas. Mehrere Fotografien sind an der Fensterscheibe präsentiert.
Alfons Neubauer zeigt stolz auf die Fotos, die er beim Projekt »Viele Augen - ein Ort« geknipst hat. (Foto: Jennifer Sandmeyer © Bezirk Oberbayern)

„Für mich ist es schwer, gerade hier zu sein“, sagt eine Teilnehmerin und drückt fest den Stressball in ihrer Faust. Sie hatte in der Vergangenheit Zeiten, in denen sie das Haus nicht verlassen konnte. Nun steht sie mittendrin. Auf einer Vernissage, an der sie maßgeblich mitgewirkt hat. Nicht nur das: Auch Fotos von ihr hängen da, in den Fenstern rund um das Bürgerhaus in Unterschleißheim. Mindestens bis Oktober bleibt die Ausstellung und soll noch erweitert werden. Auch sie hat im Rahmen des Projekts fotografiert und sich fotografieren lassen: „Anfangs war es schwer, mich einzulassen, aber dann war es ganz cool. Es war für mich eine Selbstbestätigung: dass ich mich zeigen kann und darf, und dass ich das schaffe“, sagt sie und kämpft mit den Tränen. „Das ist so mutig von dir“, sagt eine Besucherin. „Die Angst ist der Weg. Ich stelle mich ihr“, antwortet die Teilnehmerin. Geholfen haben dabei sicher auch die Workshops mit Profifotografen, bei denen alle sensibilisiert wurden: Wie kann anonymisiert fotografiert werden, wie können Grenzen kommuniziert werden? Wichtig war, dass immer ein Konsens bestand zwischen den Menschen. Und wichtig war auch Vertrauen.

Neue Freundschaften

Das konnte die Teilnehmerin offenbar zu Alfons Neubauer aufbauen. Der 70-Jährige ist mit Leib und Seele Tischtennisspieler und pariert seine Bälle bei der AWO in Unterschleißheim. Er und seine Gruppe fotografierten Menschen mit psychischen Erkrankungen der Caritas Wohngruppe. Eine unverhoffte Begegnung: „Ich wäre sonst nie da hingegangen“, sagt Neubauer und fügt hinzu: „Das ist das Spannende an dem Projekt“. Denn die Teilnehmenden besuchten sich gegenseitig an ihren Wirkungsorten. Neue Menschen kennenlernen, mit denen es kaum oder gar keine Berührungspunkte gibt. Dabei entstehen durchaus gute, langfristige Kontakte. Teilnehmerin Natalie Janni von Regenbogen Wohnen jedenfalls weiß nun, mit wem sie Kaffee trinken oder mal ein Eis essen gehen kann: mit den Mitgliedern der Maibaumgruppe Lohhof. Mit einigen von ihnen sind Freundschaften entstanden: „Das wunderbare Projekt und das ZAMMA-Festival haben uns verbunden“, sagt sie.

Auch Julia Schubert hebt den verbindenden Charakter bei der Vernissage von „Viele Augen – ein Ort“ hervor. Sie ist seit Oktober 2025 Leiterin des Stadtmuseums Unterschleißheim und koordiniert das gemeinsame Projekt von Regenbogen Wohnen, Pfennigparade Perspektiven gGmbH, dem Zuverdienst-Projekt der Caritas und dem Stadtmuseum: „Es gibt das 'Wir' der Gruppe und ein 'Wir' über Gruppengrenzen hinaus.“ Manchmal muss man die eigene Komfortzone verlassen, um zu erkennen: Es verbindet uns mehr, als wir denken.


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