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Hostessen im Dirndl

München, den Datum: 27.02.2026

Projekt der Sammlung Tracht – Gwand – Mode:

Beim Stichwort „Olympiadirndl“ von 1972 haben die meisten vermutlich die kurzen hellblauen Dirndl mit langen weißen Kniestrümpfen der rund 1500 Olympia-Hostessen im Kopf. Neben diesen Minikleidern gab es jedoch noch eine zweite „Dirndl-Linie“: die der sogenannten Siegerehrungshostessen, die die Medaillen überreichten. Ihnen widmet sich ein Forschungsprojekt der Textilhistorikerin Lea Sophie Rodenberg, Leiterin der Sammlung „Tracht – Gwand – Mode“ im Kloster Benediktbeuern, einer Außenstelle des Freilichtmuseums Glentleiten.

Sechs junge Frauen stehen draußen auf einem gepflasterten Platz und tragen traditionelle Trachten mit Mieder, Schürze und knielangem Rock.
Ein Schnappschuss in Rosenheim, kurz vor Beginn der Spiele: Im Ausschnitt zu sehen sind ein Tegernseer Dirndl (links und rechts) und die bislang »verschollenen« Werdenfelser Dirndl (in der Mitte). (Foto: Werner Krämer © Arno Krämer)

Entworfen und gefertigt hat diese Gewänder die Trachtenschneiderin Brigitte Bogenhauser-Thoma aus Riedering. Bereits seit 2003 – ihrem Todesjahr – befindet sich ein Teil des Nachlasses in der Benediktbeurer Sammlung. Im vergangenen Jahr kamen weitere Objekte und Dokumente hinzu, sodass der Nachlass des Heimat- und Trachtenwerks Bogenhauser-Thoma nun nahezu vollständig in Benediktbeuern lagert.

Insgesamt entwarf die Riederinger Trachtenschneiderin 14 Dirndl – elf für die Siegerehrungen in München und drei für die Segelwettbewerbe, die in Kiel ausgetragen wurden. Sie repräsentierten die bayerischen Regionen von Berchtesgaden bis Unterfranken sowie in Schleswig-Holstein die drei Regionen Probstei, Vierlande und die Insel Föhr. München wollte sich weltoffen präsentieren, modern und liberal. In dieser Aufbruchstimmung war angezeigt, keine althergebrachten Dirndl zu schneidern.

Illustration von zwei Trachtenkleidern: Links ein grünes Mieder mit roter Schnürung über einer weißen Bluse und ein kurzer, weit ausgestellter Rock in Gelb- und Grüntönen. Rechts die Rückansicht mit grünem Oberteil und langem, dunklem Rock.
Vom unterfränkischen Modell gibt es nur noch diese Zeichnung von Gertraud Thoma. (© Archiv FLM Glentleiten)

In der Sammlung „Tracht – Gwand – Mode“ haben sich elf Siegerehrungshostessen-Dirndl erhalten. Leider fehlt jeweils ein Exemplar des Werdenfelser, Unterfränkischen und Effeltricher Dirndls, einer Gemeinde in Oberfranken. Daher hat sich Lea Sophie Rodenberg bei ihrem Forschungsprojekt zum Ziel gesetzt, die Kleider-Geschichte nicht nur historisch einzuordnen, sondern auch die fehlenden Dirndl zu finden. Immerhin sind noch die Namen der einstigen Trägerinnen der Werdenfelser und Würzburger Dirndl bekannt - auch wenn es sich in einigen Fällen wohl um die Mädchennamen handelt: Das Werdenfelser Dirndl trugen Margit Buchler, Ch. Schäller, Eva Afhus und Hanka Erler. Von den Frauen, die im Würzburger Kleid die Medaillen überreichten, sind nur noch die Nachnamen bekannt: Trautmannsdorf, Treppe, Elegeti und Frick.

Lea Sophie Rodenberg hofft, dass sich vielleicht der ein oder die andere beim Lesen dieser Namen an die Frauen erinnert und gegebenenfalls einen Kontakt herstellen könnte. Sie ist erreichbar unter lea.rodenberg@glentleiten.de.