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Mit Neurostimulation gegen Depressionen

München, den Datum: 27.06.2024

Fachleute aus aller Welt zu Gast im kbo-Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg

Depressive Erkrankungen gehören zu den häufigsten seelischen Störungen. Obwohl sie gut behandelbar sind, sprechen einige Betroffene nicht ausreichend auf Psychotherapien und medikamentöse Behandlung an. Sie können von Neurostimulationsverfahren profi­tieren. Die Elektrokonvulsionstherapie (EKT) gilt dabei als die Methode der Wahl. Um die neuesten Erkenntnisse und Entwicklungen auf diesem Gebiet der Psychiatrie ging es kürzlich beim 33. EKT-Workshop, zu dem mehr als 60 Fachleute nach Wasserburg am Inn gekommen sind.

Zu den renommiertesten Referentinnen und Referenten der Fachtagung im kbo-Inn-Salzach-Klinikum gehörte Prof. Charles Kellner aus New York. Er berichtete, dass viele Betroffene, die zuvor nicht auf eine Therapie angesprochen hatten, unter EKT bereits innerhalb weniger Wochen eine Verbesserung zeigten. Der Referent ist sich sicher: „Es handelt sich um das effektivste antidepressiv wirksame Verfahren, das aktuell in der Medizin zur Verfügung steht. Selbst bei therapieresistenten Depressionen liegt die Ansprechrate unter EKT bei 60 bis 80 Prozent.“ Die Wirkung wird durch einen unter ärztlicher Aufsicht ausgelösten generalisierten Krampfanfall in Vollnarkose und Muskel­relaxation erreicht, der durch einen kurzen Stromimpuls ausgelöst wird.

Trotz ihrer überzeugenden Wirkung ist die EKT in Deutschland immer noch mit einem gewissen Stigma behaftet. Die Vorurteile stammen aus einer Zeit, in der weder die Möglichkeiten der Technik noch die der modernen Anästhesie und Intensivmedizin auf dem heutigen Stand waren. Angesichts des großen Leids und der hohen Belastung, die therapieresistente Verläufe für die Betroffenen und ihre Familien bedeuten, bietet die Anwendung der EKT eine bedeutende Chance bei vergleichsweise guter Verträglichkeit.

Vor diesem Hintergrund bietet der EKT-Workshop eine regelmäßige Plattform für den Austausch von Wissen und Erfahrungen. Der Workshop findet zweimal jährlich an unterschiedlichen medizinischen Einrichtungen und Universitäten statt.

Der 33. EKT-Workshop fand am kbo-Inn-Salzach-Klinikum statt. Gastgeber war Prof. Dr. Peter Zwanzger, Ärztlicher Direktor des Klinikums. Die Leitung des Workshops hatte Prof. Dr. Michael Grötzinger, der maßgeblich zur Weiterentwicklung und Verbreitung dieser Therapiemethode beigetragen hat.

Prof. Dr. Peter Zwanzger beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit Behandlungsmöglichkeiten für Patientinnen und Patienten, bei denen herkömmliche Therapieverfahren nicht ansprechen. Im Zentrum für Neurostimulation am kbo-Inn-­Salzach-Klinikum wurde das EKT-Verfahren bereits vor neun Jahren als wichtiger Bestandteil des Behandlungsangebots etabliert. (MW)