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Mit Schreinerwissen und Museumsideen

München, den Datum: 27.11.2024

„Goldener Gockel“ für Ferienhof von SHG-Fachlehrer Toni Unhoch

Ein „Goldener Gockel“ ziert seit Kurzem den Ferienhof „Beim Baur“ von Toni Unhoch, Fachlehrer für Schreinerei an den Schulen für Holz und Gestaltung Garmisch-Parten­kirchen (SHG): eine Auszeichnung des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums für besonders gastfreundliche Ferienhöfe. Den Hof in Bad Bayersoien führt er zusammen mit seiner Frau Elisabeth. Im Interview erzählen die beiden, wie es zu der Auszeichnung kam.

Eine Frau und ein Mann mit Hut lachen in die Kamera. Im Hintergrund ist ein Alpenpanorama zu sehen.
Elisabeth und Toni Unhoch (© Bezirk Oberbayern)

Waren Sie überrascht, als Sie die Nachricht bekommen haben?
Elisabeth Unhoch:
Ja! Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet. Das ist ja auch etwas, was praktisch im Hintergrund läuft, über die Internet-Bewertungen der Gäste.
Toni Unhoch: Wir bekommen die Bewertungen natürlich schon mit, aber dass wir einen Preis kriegen, das haben wir gar nicht erwartet. Erst einmal ist eine E-Mail gekommen, und ein paar Tage später dann mit der Post die Einladung zur Preisverleihung. Da haben wir uns sehr gefreut.

Was glauben Sie – womit haben Sie sich den Goldenen Gockel verdient?
Toni Unhoch: Ein Punkt ist mit Sicherheit unsere Lage auf einer Anhöhe vor dem Hörnle bei Bad Kohlgrub: fast 180 Grad freier Gebirgsblick ins Ammertal. Aber wir legen auch großen Wert darauf, dass alles gut passt für unsere Gäste, zum Beispiel von der Ausstattung und der Sauberkeit her. Für viele ist auch der persönliche Kontakt wichtig – dass sie uns zum Beispiel einfach nach einer Radltour für den nächsten Tag fragen können oder wir mit den Kindern Stockbrot am Lagerfeuer machen. Und natürlich haben wir die Wohnungen aus unserer Sicht mit Geschmack eingerichtet, mit viel Holz, was den Leuten sehr gut gefällt.

Da ist Ihnen Ihre Erfahrung als Schreiner­meister sicherlich zugutegekommen …
Toni Unhoch: Ganz klar, das war ein Riesenvorteil. Als wir das Haus 2008 gekauft haben, war das mehr oder weniger eine Ruine, die wir dann komplett hergerichtet haben. Es steckt also wahnsinnig viel Eigenleistung drin, schon in der Planung und auch in der Gestaltung.
Elisabeth Unhoch: Als Erstes ist dann im Rückgebäude des Hauses eine Schreinerei eingezogen.
Toni Unhoch: Ja, das war eigentlich auch logisch, weil wir alles, was in unserem Haus aus Holz ist, selber gemacht haben: von den Fensterrahmen bis zum Dachstuhl.

Das klingt nach einem langen Projekt.
Toni Unhoch: Stimmt. Wir haben an dem Gebäude mit Sicherheit 12 bis 14 Jahre gearbeitet, und es ist immer noch nicht alles bis zum letzten Detail fertig. Auf alle Fälle ein Lebensprojekt.

Woher haben Sie sich die Ideen für die Gestaltung geholt?
Elisabeth Unhoch: Dafür haben wir viele Freilichtmuseen abgegrast, vom Ballenbergmuseum in der Schweiz über das ­Tiroler Freilichtmuseum in Kramsach und das Salzburger Freilichtmuseum bis zum Fränkischen Freilichtmuseum. Und natürlich waren wir ganz oft hier im Freilichtmuseum Glentleiten.

Vor frisch renovierten Gebäuden steht ein alter Baum. Unter ihm befinden sich Liegen und ein Tisch mit Stühlen.
Der Ferienhof von Toni und Elisabeth Unhoch findet sich in Lettigenbichl, einem Ortsteil von Bad Bayersoien im Pfaffenwinkel. (Foto: Florian Werner )

Was haben Sie speziell von dort übernommen?
Toni Unhoch: Zum Beispiel die Gestaltung der Außenfassade mit Holz: Da haben wir die Bretter für die Verschalung am Rand nicht gerade geschnitten, sondern einfach so gelassen, wie der Baumstamm gewachsen war. Das sieht gleich viel harmonischer aus. Oder nehmen wir das Dach. Da haben wir einen ausreichend großen Dachüberstand gemacht, wie es auch der Formensprache der Gebäude hier in der Region entspricht. Dadurch kann man sich nämlich den Anstrich mit viel Chemie ­sparen.
Elisabeth Unhoch: Uns war wichtig, dass wir etwas Beständiges haben, das nicht nur zehn Jahre schön ist und das man dann nicht mehr sehen kann. Deswegen sind wir immer wieder zum Freilicht­museum Glentleiten gefahren. Sei es ­wegen spezieller Fensterbretter oder ­wegen einer Tür.

Und wo ist Ihr Goldener Gockel jetzt zu sehen?
Elisabeth Unhoch: Wir haben ein Schild mit dem Logo in Gold bekommen. Das hängt jetzt im Treppenhaus, wo es alle sehen können, die in der oberen oder unteren Wohnung zu Gast sind. Da darf er jetzt bleiben, im Trockenen! (lacht) ...