Dichtes Netz geknüpft
Seit 40 Jahren bietet ANAD Hilfe für Menschen mit Essstörungen
40 Jahre ANAD: Den runden Geburtstag feierte das „Versorgungszentrum Essstörung München“ mit einer Podiumsdiskussion im Literaturhaus München unter dem Motto „Essstörungen im Wandel der Zeit“. Gleichzeitig wurde eine neue Ära eingeläutet, denn seit 2024 ist das „ANAD Versorgungszentrum Essstörungen“ in den AWO Bezirksverband Oberbayern e. V. eingebunden – was neue und bessere Möglichkeiten bietet, um Menschen mit Essstörungen zu behandeln.
Die stellvertretende Bezirkstagspräsidentin Friederike Steinberger nutzte ihr Grußwort, um für 40 Jahre Arbeit von ANAD Dank zu sagen: „Ungezählt sind die Menschen, denen in dieser Zeit geholfen werden konnte, unschätzbar ist, wie viel Lebensqualität geschenkt werden konnte und ungezählt auch die Leben, die gerettet werden konnten.“
Mehr als 20 Prozent aller Jugendlichen in Deutschland zeigen Anzeichen einer Essstörung – zu diesem Ergebnis kommt die Studie des Robert-Koch-Instituts zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Dabei geht es oft um ernste psychische Erkrankungen, bei denen Betroffene ein gestörtes Verhältnis zum Essen und zu ihrem eigenen Körper entwickeln. Das Wissen über Krankheiten wie Magersucht und Bulimie ist inzwischen weit verbreitet. Daneben gibt es aber noch weitere Krankheitsbilder, die in der Öffentlichkeit seltener auftauchen, und zahlreiche Mischformen. Oft sind junge Frauen betroffen, es gibt aber auch viele Männer mit einem solchen Krankheitsbild.
Umfangreiches digitales Angebot
Ihnen hilft ANAD seit nunmehr 40 Jahren. Der gemeinnützige Verein gründete in München damals eine Beratungsstelle für Betroffene und deren Angehörige. 1994 kamen intensivtherapeutische Wohngruppen für junge Menschen mit Essstörungen und psychisch bedingtem Übergewicht hinzu. Beratung können Angehörige und Betroffene heute sowohl digital über ein umfangreiches Internetangebot als auch im Versorgungszentrum in der Münchner Poccistraße erhalten. ANAD bietet verschiedene intensivtherapeutische Wohngruppen für 12- bis 50-jährige Betroffene an.
Steinberger lobte die Vorreiterrolle, die ANAD eingenommen hat: „Der Verein hatte mit der ersten Online-Beratung und der ersten Homepage für Essstörungen bundesweit sowie dem neuen Projekt 'Digital Streetwork' neue Wege eingeschlagen.“ Aus dem Nichts schuf der Verein ein dicht geknüpftes Netz an Beratungs-, Präventions- und Therapieangeboten. Gleichzeitig gelang es, für Erkrankungen rund um Essstörungen zu sensibilisieren und zu entstigmatisieren: eine echte Erfolgsgeschichte. (we)
Die Anfänge von ANAD
Die Münchner Psychologin Barbara Schindler hat ANAD (Anorexia Nervosa and Associated Disorders) 1984 als Selbsthilfeorganisation ins Leben gerufen. Als ihr Sohn an Bulimie erkrankt war, konnte ihr in Deutschland nicht geholfen werden. Sie suchte Hilfe in Amerika, wo Essstörungen schon länger Gegenstand klinischer Untersuchungen waren und es bereits entsprechende Selbsthilfegruppen gab. Ausgehend von ihren guten Erfahrungen etablierte Schindler nach ihrer Rückkehr aus den USA gemeinsam mit dem Diplom-Psychologen Andreas Schnebel in Deutschland ähnliche Angebote und entwickelte diese weiter.