Wie entsteht Bio-Honig?
München, den Datum: 25.03.2025Ungestutzte Flügel und ein Holzhaus
Woher weiß die Biene eigentlich, ob sie Bio-Honig produzieren soll? Diese Frage kann beim Betrachten eines Honigglases mit Bio-Siegel schon mal aufkommen. Die Antwort ist kurz: Sie weiß es nicht. Die Biene macht beim Sammeln von Pollen und Nektar keinen Unterschied, welche Pflanze sie ansteuert. Worauf kommt es also an beim Bio-Honig?
Was im Glas steckt, ist für die Zertifizierung nicht entscheidend, weiß Dr. Hannes Beims, Imkereifachberater des Bezirks Oberbayern. Denn der Inhalt des Honigs wird über die deutsche Honigverordnung geregelt. Im Fall von Bio-Honig geht es um die äußeren Rahmenbedingungen und die Arbeitsweise der Imkerinnen und Imker. Die Vorgaben können variieren, da sie von den zertifizierenden Verbänden und Stellen selbst festgelegt werden.
Hier sind einige der wesentlichen Kriterien:
Material
Das Zuhause der Bienen, der Bienenkasten, muss aus natürlichen Materialien bestehen. In den meisten Fällen bedeutet das Holz – statt Kunststoff. Die Holzkästen entsprechen dem natürlichen Zuhause der Bienen, die in Baumhöhlen leben. Auch die Farbe für den Holzanstrich muss entsprechend zertifiziert sein. Im Biobetrieb verwendetes Wachs darf zudem keine Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und Varroaziden – also Mitteln zur Bekämpfung der Varroamilbe – aufweisen.
Varroa-Behandlung
Bei der Behandlung gegen die Varroamilbe müssen alle Bio-Imkerinnen und -Imker auf organische Säuren zurückgreifen – beispielsweise Milchsäure oder Oxalsäure. Die Behandlung steht für gewöhnlich Ende des Jahres an, nachdem der Honig geerntet wurde.
Honigernte
Um den Honig ernten zu können, müssen Imkerinnen und Imker die Bienen zunächst vom Honig wegbekommen. Dabei dürfen sie keine chemischen Mittel verwenden. Eine schonende Methode ist der Einsatz einer Bienenflucht. Dabei handelt es sich um einen Plastikeinsatz, der wie eine Schleuse funktioniert und die Bienen vom Honig- in den Brutraum führt – von dort aber nicht mehr zurück.
Futter
Die Bienen müssen mit Bio-Futter – zum Beispiel aus Rüben – oder mit Eigenhonig gefüttert werden. Auch die Bienenvölker des Bezirks Oberbayern werden mit EU-zertifiziertem Bio-Zucker gefüttert.
Standort der Kästen
Bienen haben einen durchschnittlichen Flugradius von bis zu fünf Kilometern und fliegen für gewöhnlich dorthin, wo der Ertrag am größten und der Aufwand am geringsten ist. Den Weg der Biene kann freilich niemand beeinflussen. Bei vereinzelten Verbänden gilt dennoch die Regel, dass im Umkreis von drei Kilometern der Bienenbehausungen überwiegend ökologisch bewirtschaftete Kulturflächen und natürliche Flächen mit Wildpflanzen blühen müssen.
Bienenschwärme
Um einen Bienenschwarm zu verhindern, dürfen die Flügel der Königin nicht gestutzt werden – auch das schreiben nur einzelne Bio-Verbände vor.
Zur Erklärung: Imkerinnen und Imker beschneiden für gewöhnlich die Flügel der Bienenkönigin, damit diese nicht davonfliegen kann, um mit einem Teil der Bienen ein neues Volk zu gründen.
Dazu eine Anmerkung von Dr. Hannes Beims, dem Leiter der Fachberatung für Imkerei:
Die Flügel der Bienenkönigin haben keine funktionsfähigen Blutgefäße oder Nervenzellen. Beim Menschen wäre das Flügelstutzen vergleichbar mit dem Schneiden eines Fingernagels oder der Haare.