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Die Kostenlawine rollt

München, den Datum: 28.10.2025

Sozialausgaben wachsen dramatisch – Bezirksumlage steigt wohlerneut

Der Bezirkstagspräsident hatte beim Bezirksausschuss im Oktober keine guten Neuigkeiten im Gepäck. Denn der Bezirk Oberbayern steht vor massiven finanziellen Herausforderungen. Der Grund für diese Entwicklung liegt vor allem in den rasant wachsenden Sozialausgaben. In den vergangenen zwei Jahren ist dieser Posten insgesamt um rund 400 Millionen Euro gestiegen – und ein Ende ist aktuell nicht in Sicht. Um das alles aufzufangen, müsste der Umlagesatz im nächsten Jahr von derzeit 23,55 auf 26,35 Prozent steigen.

In einem Spaltendiagramm sind die Ausgaben der stationären Hilfe zur Pflege angegeben: Das Rechnungsergenis 2022 weist 136,3 Millionen Euro aus, das von 2023 164,8 Mio. Euro, das von 2024 197,0 Mio. Euro, das erwartete Ergebnis beträgt 227,4 Mio Euro und der Ansatz für 2026 sieht 249,2 Mio. Euro vor.
Stationäre Hilfe zur Pflege - Entwicklung der Ausgaben (RE bedeutet Rechnungsergebnis)

Thomas Schwarzenberger sprach von einer „strukturellen Kostenlawine“, die den Bezirk und seine Landkreise überrolle. Zwar konnte der Umlagesatz für 2025 dank Rücklagen und zusätzlicher Mittel aus dem kommunalen Finanzausgleich noch moderat um 1,55 Punkte angehoben werden. Doch für 2026 gibt es diesen Spielraum nicht mehr.

Besonders deutlich zeigt sich die Kostenlawine im Pflegebereich. So ist die ambulante Pflege in nur drei Jahren um fast 60 Prozent teurer geworden. In der stationären Pflege sind die Kosten sogar um zwei Drittel gestiegen. Und auch die Hilfen für Menschen mit Behinderungen wachsen stetig – bis 2026 voraussichtlich um fast 200 Millionen auf 1,8 Milliarden Euro. Gleichzeitig steigen die Kosten in besonderen Wohnformen, obwohl die Zahl der Bewohnenden stabil bleibt.

Das bedeutet: Der Umlagesatz müsste deutlich steigen, um die Aufgaben weiterhin finanzieren zu können. Um gegenzusteuern, hat der Bezirk schon Anfang 2025 gemeinsam mit Wohlfahrtsverbänden, privaten Trägern und kleineren Einrichtungen nach Möglichkeiten für Einsparungen gesucht. Das Ergebnis: rund 15 Millionen Euro – bei einem Sozialetat in ­Milli­ar­­den­­höhe ein Tropfen auf den heißen Stein.

Strukturelle Veränderungen

Schwarzenberger machte deutlich, dass es strukturelle Veränderungen brauche, um die Dynamik der Kosten einzudämmen. Doch die wirklichen Hebel lägen nicht bei den Bezirken oder Landkreisen, sondern auf Landes- und Bundes­ebene: „Wir brauchen eine dauerhafte und verlässliche Finanzierung der Sozialleistungen. Und wir brauchen einen Finanzausgleich, der die realen Lasten abbildet“, sagte der Bezirkstagspräsident. Nur auf diese Weise könne man das System so weiterentwickeln, dass es langfristig tragfähig bleibe.