Erste Schritte zum festen Angebot
München, den Datum: 26.05.2025Genesungsbegleitung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie
Tanja Sabrowsky ist eine der ersten EX-IN-Genesungsbegleiterinnen, die ihr Pflichtpraktikum in der Kinder- und Jugendpsychiatrie am kbo-Heckscher-Klinikum in München absolviert hat. „Unbedingt“ wollte die 46-Jährige dorthin und hat in ihren 80 Praktikumsstunden viel erlebt und bewegt.
Tanja Sabrowsky hatte bereits in der Kindheit belastende und herausfordernde Erfahrungen. Viele Klinikaufenthalte als Erwachsene folgten. Sie lebt in einer therapeutischen Wohngruppe, will jedoch in eine eigene Wohnung ziehen und in naher Zukunft als EX-IN Begleiterin arbeiten. Denn sie ist auch stark – stark in dem Willen, andere zu unterstützen, ihnen beizustehen. Und sei es auch nur, indem sie sagt: „Ich kann das so gut verstehen, dass du frustriert bist, denn ich kenne das Gefühl nur allzu gut.“
Auf der Website des Vereins EX-IN Bayern heißt es: „Krisen- und Bewältigungserfahrung ist bei EX-IN kein Makel, sondern qualifizierende Voraussetzung.“ Genesungsbegleiterinnen und -begleiter können Brücke sein zwischen Patientinnen, Patienten und Mitarbeitenden der unterschiedlichsten Professionen. „Die Begleitenden sind Vermittelnde zwischen Profis und Betroffenen, weil beide Seiten manchmal nicht so gut nachvollziehen können, warum wie gehandelt wird. Und den Jugendlichen Zuversicht und Hoffnung zu geben – das ist möglich“, sagt Tanja Sabrowsky, die selbst ausgebildete Erzieherin ist. Sie war bei Paul Ventzlaff eingesetzt, dem Leiter des Pflege- und Erziehungsdienstes auf der Station 2. Er ergänzt, dass es manchmal eine große Distanz zwischen den Jugendlichen und den Mitarbeitenden auf Station gebe, weil diese ja nicht die gleichen Probleme hätten. Aber wenn jemand als Bindeglied wirke, sei das sehr positiv. Die Jugendlichen hätten Tanja Sabrowsky sofort akzeptiert und seien an ihrer Geschichte interessiert gewesen. „Es ist eine sehr wertvolle Ergänzung für uns, wenn sich Patientinnen und Patienten beispielsweise verschließen und man nicht weiterkommt“, sagt Psychotherapeutin Sabrina Kroll.
„Was hat Ihnen geholfen?“
Das Praktikum hat Tanja Sabrowsky sehr gut gefallen. Sie sei von Anfang an als gleichwertiges Team-Mitglied integriert worden und die Fragen nach ihrer Sichtweise habe sie als sehr wertschätzend empfunden. Gegenüber den Jugendlichen habe sie sich offen gezeigt, denn das sei ja ihr Job. Und die Nachfragen der jungen Leute ließen nicht lange auf sich warten: „Wie war das denn bei Ihnen?“, „Was hat Ihnen da geholfen?“
Stationsleiter Paul Ventzlaff erklärt: „Tanja hatte feste Ansprechpersonen bei uns auf Station, ihre ersten Einsatztage wurden gemeinsam strukturiert. Später war von uns das Vertrauen da, und sie ging auch mal allein in die Gruppe. Die Abstimmung und der Austausch mit ihr haben gut geklappt, und das fände ich auch für künftige Einsätze sehr wichtig.“ Ihre Rückmeldung über die Arbeit des Pflege- und Erziehungsdienstes fand er sehr wertvoll. Für das Team sei es anfangs etwas ungewohnt gewesen, weil die Aufgabenstellung noch nicht genau definiert war. Die Integration in das Team habe aber auf Anhieb gut funktioniert.
Psychotherapeutin Sabrina Kroll berichtet von der Skills-Gruppe . Hier habe Tanja Sabrowsky ihre eigene Skill-Box mitgebracht. Die Patientinnen und Patienten waren darauf sehr gespannt. „Und es gab auch Dinge, die für mich neu waren. Zum Beispiel, dass sich manche Skills abnutzen. Das fand ich ganz wichtig – für uns, aber vor allem für die Jugendlichen“, so Sabrina Kroll. Und das haben diese Tanja Sabrowsky auch gesagt. Zwei von ihnen haben sogar ein paar Zeilen geschrieben: „Sie sind eine echt beeindruckende Frau. Ich hoffe, auch irgendwann so von mir selbst reden zu können, mich wertzuschätzen, mich selbst zu lieben. In dieser Hinsicht sind Sie eines meiner Vorbilder. Danke, dass Sie hier waren und so motiviert durch den Alltag in der Heckscher-Klinik gegangen sind“, schrieb ihr eine Patientin.
Was sind „Skills“?
Skills sind Fähigkeiten, die dabei helfen, mit der eigenen Erkrankung besser zurechtzukommen. Sie sind kurzfristig im Umgang mit starken Anspannungszuständen und Krisensituationen hilfreich. Das Ziel einer Skill-Gruppe besteht darin, in einer beschützten Atmosphäre Strategien und Techniken im Umgang mit Emotionen und Hochstressphasen zu erlernen.Eine Skill-Box ist ein Notfallkoffer für die Seele, in der Skills zusammengetragen sind, die vertraut und für die Betroffenen bewährt sind und diesen helfen, belastende Situationen zu meistern.