Erste Schritte in die Arbeitswelt
München, den Datum: 25.03.2025Betriebsbesichtigungen eröffnen Jugendlichen am kbo-Heckscher-Klinikum Wasserburg neue Perspektiven
Wo will ich in meinem Leben hin? Wo ist mein Platz in der Gesellschaft? – Fragen wie diese gehören zum Erwachsenwerden dazu. Für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen am kbo-Heckscher-Klinikum gesellt sich dazu noch die Unsicherheit, wie es nach einer Therapie weitergeht. Die Frage nach der beruflichen Perspektive wird oft durch psychische Symptome der Patientinnen und Patienten erschwert. Eine Unterstützung sind die Betriebsbesichtigungen, die der Pflege- und Erziehungsdienst (PED) am Standort Wasserburg anbietet.
Das multiprofessionelle Team der Adoleszentenstation arbeitet dafür eng mit den Fachkräften der Agentur für Arbeit zusammen. Im vergangenen Jahr hat der Pflege- und Erziehungsdienst einmal monatlich eine Betriebsbesichtigung organisiert. Ziel war es, den Patientinnen und Patienten einen ersten Schritt in die Arbeitswelt zu ermöglichen und Hilfestellung zu leisten, wo es Schwellenängste gibt. Einige Jugendliche wissen grundsätzlich nicht, wohin ihr beruflicher Weg gehen könnte. Oft mangelt es an Vorbildern und Modellen im familiären Umfeld oder in der Peer-Group.
Dauerwelle am Übungskopf
Erzieherin Stefanie Pfeilstetter und Heilerziehungspfleger Daniel Preßler vom PED haben maßgeblich zum Erfolg des Angebotes beigetragen. Sie erklären das Ziel der Besuche: „Wir wollen Einblicke in die Berufswelt bieten und gleichzeitig das Empowerment der Jugendlichen fördern.“
Die Ausflüge im vergangenen Jahr führten in sehr unterschiedliche Betriebe: von der Filiale eines Lebensmitteldiscounters bis zu einer Zimmerei. Christian Wimmer, Stationsleiter der Adoleszentenstation Wasserburg, freut sich über die gute Zusammenarbeit: „Die Verantwortlichen dort waren sehr freundlich, sie nahmen sich Zeit, den Betrieb und die Arbeitsabläufe zu erklären. Die Jugendlichen konnten sich wertgeschätzt und ernstgenommen fühlen.“ Die Besuche gingen weit über eine einfache Besichtigung hinaus: Nicht selten durften die Jugendlichen kleinere Tätigkeiten ausprobieren. Bei einem Friseur versuchten sie sich beispielsweise an einem Übungskopf an einer Dauerwelle. Wimmer: „Besonders berührend war der Moment, als eine Mitarbeiterin in einem der Betriebe von ihrer eigenen psychiatrischen Erkrankung erzählte und schilderte, wie sie trotz dieser Herausforderung gut im Beruf zurechtkommt. Ein unerwarteter Moment, der große Modellwirkung hatte.“
Die Rückmeldungen der Patientinnen und Patienten waren durchweg positiv, und auch die beteiligten Mitarbeitenden finden die Maßnahme sehr sinnvoll. Deshalb wird der Pflege- und Erziehungsdienst weiterhin mit Patientinnen und Patienten Betriebe in Wasserburg und Umgebung besuchen.
Hier bekommen Sie einen Eindruck der Adoleszentenstation:
Auf der Adoleszentenstation werden Jugendliche und junge Erwachsene mit psychischen Störungen im Alter von 16 bis 21 Jahren behandelt, bei denen eine krankheitsbedingte Entwicklungsverzögerung festgestellt wurde und die einen stationären Behandlungsbedarf haben.