Eine haarige Angelegenheit
München, den Datum: 30.01.2025Friseursalon im Freilichtmuseum Glentleiten
Zu den Hauptaufgaben von Museen gehören neben dem Ausstellen, Vermitteln und Forschen natürlich auch das Sammeln und Bewahren. Das ist im Freilichtmuseum Glentleiten nicht anders. Die Sammlung zur ländlichen Alltagskultur umfasst mittlerweile weit über 80 000 Objekte. Bisher lag der Schwerpunkt auf Stücken aus dem 19. Jahrhundert. Bewusst wird jedoch gegenwärtig Wert auf Objekte aus der Nachkriegszeit gelegt, darunter auch Trockenhauben und Frisiertische.
Wie aber kommen überhaupt neue Gegenstände in die Museumssammlung? Beispielhaft ist hierfür die Übernahme eines Friseursalon-Inventars aus Wasserburg a. Inn: Über das Zweigmuseum der Glentleiten, das Freilichtmuseum Amerang, kam von den Vorbesitzern die Anfrage, ob man an der Einrichtung interessiert sei. Der in Amerang für die Sammlung zuständige Kollege Yannick Philipzig fuhr also nach Wasserburg und inspizierte den ehemaligen Salon, der im Juni 2022 zum letzten Mal seine Tore für die Kundschaft geöffnet hatte. Schnell war klar, dass die Ausstattung in gutem Zustand und erhaltenswert sind. Die Objekte stammen zum Teil noch aus den 1950er-, aber auch den 1970er- und 1990er-Jahren. Zunächst wurde der Salon noch an seinem ursprünglichen Standort fotografiert und vermessen. Danach ging es ans vorsichtige Einpacken und fachgerechte Verstauen und Verladen.
Kurze Zeit später führte Museologin Gerlinde Bartenschlager mit den letzten Eigentümerinnen des Salons ein Gespräch, in dem sie der Geschichte der Betreiberfamilie auf den Grund ging. Dabei wurden auch historische Fotos herausgesucht, die bis in die Zeit um 1900 zurückreichen. Da die Aufnahmen im Familienbesitz bleiben sollten, wurden sie im Museum gescannt und anschließend zurückgegeben. Das Ergebnis der Befragung wurde im aktuellen Jahrbuch der beiden oberbayerischen Freilichtmuseen veröffentlicht.
Inventarisieren, archivieren, restaurieren
Nun folgt die detailgenaue Inventarisierung der einzelnen Stücke aus dem Salon. Jedes Objekt muss von den Restauratorinnen begutachtet und gegebenenfalls gereinigt oder gefestigt werden, damit sein Zustand stabil bleibt. Die vorgenommenen Maßnahmen werden schriftlich festgehalten, damit man jederzeit nachvollziehen kann, was an den Exponaten verändert wurde. Aufgabe der Museologin ist dann das Fotografieren und Anlegen eines Datensatzes in der Objektdatenbank. Dazu gehört eine genaue Beschreibung des Gegenstands, das Einbinden der Fotos, die Erfassung die Objektgeschichte, also etwa die Herkunft und Verwendung sowie der Hinweis, an welchem Ort das Objekt künftig gelagert wird, um es wiederfinden zu können. Ziel ist es, möglichst viele einschlägige Daten zu erfassen.