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Demokratie-Schmiede im Alpenvorland

München, den Datum: 31.07.2025

Jugendsiedlung Hochland wird 75 Jahre alt

Ein Ort mit Geschichte feiert 75. Geburtstag: Die Jugendsiedlung Hochland bei Königsdorf im Tölzer Land begeht im Juli ihr rundes Jubiläum – und blickt dabei auch auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Seit vielen Jahrzehnten setzt sich die Einrichtung für die Demokratiebildung von Kindern und Jugendlichen ein und kann dabei auf die Unterstützung des Bezirks Oberbayern zählen.

Viele Kinder und einige Erwachsene stehen in einem großen Kreis auf einer grünen Wiese und halten sich an den Händen. Im Hintergrund sind Bäume, einige kleine weiße Zelte und ein großes blau-gelbes Zirkuszelt.
»Manege frei!«: Unter diesem Motto laden die Jugendsiedlung Hochland und der Bezirksjugendring Oberbayern jedes Jahr zu den Oberbayerischen Kinderzirkustagen ein - einem pädagogischen Projekt. (© Bezirk Oberbayern)

Dieses zentrale Ziel geht nicht zuletzt auf die Ursprünge der Jugendsiedlung zurück. In der NS-Zeit fanden auf dem Gelände sogenannte „Hochlandlager“ statt: ein Großzeltlager für die Hitlerjugend, in dem von 1936 bis 1945 Tausende von Jugendlichen ideologisiert wurden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs diente das Gelände als Ausbildungsstätte für jüdische „Displaced Persons“ des Lagers ­Föhrenwald in Wolfratshausen-Waldram, die dort für Siedlungsprojekte im neu zu schaffenden Staat Israel vorbereitet ­wurden.

1950 begann schließlich ein neues ­Kapitel: Der Trägerverein unter der Leitung des späteren Mediziners und Präsidenten des Bayerischen Jugendrings Dr. Eugen Polz, der neue demokratische Strukturen der Jugendarbeit in Bayern errichten wollte, übernahm das Gelände. Der Vereins­name Jugendsiedlung Hochland wurde dabei bewusst gewählt, um an die schwierige Vergangenheit des Ortes zu erinnern und das Gelände mit einem neuen Geist zu beleben. Neben einem Zeltlager entstanden ein Wohnheim und Ausbildungsplätze für heimatlose Jugendliche – gemäß dem Gründungsmotto „Jugendlichen in den Nöten ihrer Zeit beistehen“. Während das Heim mangels Nachfrage Mitte der 1950er-Jahre wieder schloss, traten andere Aspekte in den Vordergrund: Freizeit und Erholung für junge Leute, aber vor allem Förderung und Bildung. In Zeltlagern brachte man den Kindern und Jugendlichen nach den autoritären Erfahrungen der NS-Zeit wieder demokratisches ­Denken und Handeln bei.

Zirkuszelt und Sternwarte

Als die bayerische Staatsregierung Ende der 1970er-Jahre auf der Suche nach Standorten für künftige Jugendbildungsstätten war, bewarb sich die Jugendsiedlung Hochland – und bekam den Zuschlag. Damit flossen Fördergelder, die unter anderem für den Aufbau neuer Gebäude verwendet wurden. 1981 wurde die Jugendbildungsstätte feierlich eingeweiht. Anfang der 1990er-Jahre übernahm Josef Birzele die Leitung und setzte neue Akzente – beispielsweise mit einer Umweltstation, einem Zirkuszelt, einer benachbarten Sternwarte und weiteren Angeboten zur Erlebnis- und Kulturpädagogik. Birzele schloss aber auch eine Verein­barung mit dem Bezirk Oberbayern, mit der die Förderung der Jugendsiedlung als „Jugendbildungsstätte mit bezirklichem Auftrag“ dauerhaft festgelegt wurde. Mit Unterstützung des Bezirks wurde das ­Tagungsgebäude 2017 renoviert und umgebaut: ein wichtiger Schritt für die Zukunftsfähigkeit der Einrichtung.

Auf den Spuren der Vergangenheit

Seit 2018 wird die Jugendsiedlung von ­Robert Wenzelewski und Roland Herzog geleitet, die die Angebote zur Umwelt­pädagogik, Jugendarbeit und vor allem zur Demokratiebildung weiter ausgebaut haben. So entstanden ein Archiv mit historischen Dokumenten, Objekten, Bild- und Tonträgern und eine darauf aufbauende „Demokratiewerkstatt“. Außerdem eine App, mit der eine „historisch-multimediale Spurensuche“ auf dem Gelände der Jugend­siedlung möglich ist – um die Erinnerung an die Vergangenheit des Ortes wachzuhalten und das wichtigste Ziel der Jugendsiedlung zu verfolgen: junge Leute zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern heranzubilden.