Beruf mit Rückenwind
München, den Datum: 26.08.2025Berufsbildungswerk des Bezirks bildet für nachhaltige Mobilität aus
Fahrradfahren ist „in“ und erlebt seit Jahren einen Boom. Gleichzeitig fehlt gut ausgebildetes Personal für Reparaturen und Wartung. Daher bietet das Berufsbildungswerk (BBW) München in Johanneskirchen seit September 2024 die Ausbildung Zweiradmechatroniker (m/w/d) und Fahrradmonteur (m/w/d) für Menschen mit Förderbedarf Hören und Sprache an. Verantwortlich dafür ist Jesko Landskron. Petra Dörrbecker, die Umweltbeauftragte der Bezirkseinrichtungen, sprach mit ihm.
Was reizt Sie an der Aufgabe?
Jesko Landskron: Zweiradmechatroniker zu sein ist mein Traumberuf. Und diese Begeisterung an junge Menschen weiterzugeben, mit ihnen zu arbeiten und auf dem Weg in einen spannenden, abwechslungsreichen und vielseitigen Beruf zu begleiten, treibt mich an.
Was erhoffen Sie sich mit der Ausbildung?
Den jungen Menschen bietet der Beruf eine Perspektive für die Zukunft. Denn das Fahrrad erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Viele Wege werden heute im städtischen Raum mit dem Rad zurückgelegt – Stichwort: umweltfreundliche Mobilität. Und jedes Fahrrad muss früher oder später gewartet und repariert werden. Aber es fehlt an qualifizierten Fachkräften. Die Möglichkeiten, langfristig in diesem Bereich zu arbeiten, sind auf jeden Fall da.
Wo sehen Sie diesen Ausbildungsberuf in fünf Jahren?
Fachkräfte für Zweiradmechatronik werden in Zukunft verstärkt mit Elektrofahrrädern arbeiten. Das erfordert ein vertieftes Verständnis von Elektronik und Technik. Darauf legen wir schon jetzt Wert in der Ausbildung.
Am BBW München brauchen wir konkret größere Räumlichkeiten, um der großen Nachfrage nach Ausbildungsplätzen nachkommen zu können. Die Räumlichkeiten sind für maximal drei Auszubildende ausgelegt – wir könnten aber doppelt so viele junge Erwachsene ausbilden.
Was sind die besonderen Herausforderungen in der Ausbildung von Menschen mit Förderbedarf?
Als Ausbilder muss ich mich auf den individuellen Bedarf der jungen Menschen einstellen. Der eine braucht mehr Zeit zum Üben, die andere Arbeitsanweisungen in Einfacher Sprache oder in Deutscher Gebärdensprache. Ein Dritter ist vielleicht aufgrund einer psychischen Diagnose nicht voll belastbar und braucht zwischendurch einen ruhigen Rückzugsort. Das erfordert Fingerspitzengefühl – und Geduld.
Was motiviert die jungen Auszubildenden, diesen Beruf zu erlernen?
Einerseits ist es die eigene Freude am Fahrradfahren und an der technischen Herausforderung. Für viele spielt aber auch das Thema Klima- und Umweltschutz eine wichtige Rolle. Sie erkennen, dass das Fahrrad ein zentraler Bestandteil einer klimafreundlichen Mobilität ist – und sehen natürlich auch die guten Zukunftsaussichten für ihre berufliche Laufbahn.
Was wünschen Sie sich in Bezug auf den Klimaschutz?
Hier am BBW München bewegt sich schon einiges in Richtung Klimaschutz. Wir haben eine konsequente Mülltrennung und Photovoltaikanlagen auf dem Dach.
Wie kann das Fahrrad dazu beitragen?
Das Fahrrad eignet sich vor allem für kurze Strecken im städtischen Raum. So wird ein emissionsfreier Arbeitsweg möglich. Wenn ich morgens mit dem Rad zur Arbeit fahre, bin ich meistens schneller als die Autos, die im Stau stehen. Auch kurze Dienstgänge innerhalb der Stadt können mit dem Fahrrad erledigt werden.
Wie nutzen Sie persönlich das Fahrrad?
Ich fahre mit dem Rad zur Arbeit, erledige Einkäufe und mache damit auch gern Ausflüge ins Münchner Umland. Für längere Reisen nutze ich die Bahn. Ein eigenes Auto habe ich nicht mehr, stattdessen nutze ich bei Bedarf ein Carsharing-Modell.
Mit Blick nach vorne: Welche Projekte planen Sie für die Zukunft?
Zum einen wollen wir die Zweiradwerkstatt am BBW München weiter ausbauen, um noch mehr Azubis ausbilden zu können. Außerdem wird das Thema Upcycling eine größere Rolle spielen: Wir suchen alte Räder, die wir wieder in Stand setzen und verkaufen können. Hier sind noch einige rechtliche Fragen rund um die Gewährleistung zu klären.