„Jeder kann sein Schlaganfallrisiko senken“
München, den Datum: 29.09.2025Immer mehr jüngere Menschen erleiden einen Schlaganfall
Jeder 40. Mensch in Deutschland erleidet einmal in seinem Leben einen Schlaganfall. Wie man durch einfache Maßnahmen im Alltag das Risiko senken kann, welche Warnzeichen alle kennen sollten und warum besonders Frauen achtsam sein müssen, erzählt im Interview Dr. Tobias Winkler, Chefarzt im Fachbereich Neurologie am kbo-Inn-Salzach-Klinikum.
Wie kann ich einem Schlaganfall vorbeugen?
Dr. Tobias Winkler: Ich empfehle grundsätzlich eine gesunde Lebensweise: regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, den Verzicht auf Nikotin und einen moderaten Umgang mit Alkohol. Auch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Hausarzt sind wichtig. Die gute Nachricht: Vieles liegt in unserer eigenen Hand.
Was sind Risikofaktoren, die einen Schlaganfall begünstigen?
Die wichtigsten Risikofaktoren sind gut erforscht: An erster Stelle steht der Bluthochdruck. Ebenso gefährlich sind Herzrhythmusstörungen, insbesondere Vorhofflimmern, das zu Blutgerinnseln im Gehirn führen kann. Daneben spielen Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen eine große Rolle. Auch chronischer Stress, Schlafmangel und übermäßiger Alkoholkonsum belasten den Körper. Es lohnt sich also doppelt, einen gesunden Lebensstil zu pflegen – für Körper und Geist.
Wer gehört zur Risikogruppe?
Das sind klassischerweise ältere Patienten. Aber wir sehen zunehmend auch jüngere Menschen, etwa zwischen 30 und 60, die durch ungesunde Lebensweise, wenig Bewegung oder unbehandelten Bluthochdruck gefährdet sind. Ein besonderes Risiko haben Menschen mit familiärer Vorbelastung oder solche, die bereits einen Herzinfarkt hatten. Und auch Personen mit starkem Nikotinkonsum oder hohem Cholesterinspiegel sollten wachsam sein.
Wie sollten Betroffene, aber auch Ersthelferinnen und Ersthelfer reagieren?
Der wichtigste Schritt: sofort den Notruf 112 wählen! Je schneller ein Schlaganfall behandelt wird, desto größer ist die Chance, Schäden zu vermeiden. Als erstes sollte man die betroffene Person beruhigen, sie nicht allein lassen und möglichst flach lagern. Keine Getränke oder Medikamente geben. Wer selbst betroffen ist, sollte, wenn möglich, Angehörige informieren und Ruhe bewahren. Auch ein „Mini-Schlaganfall“ kann der Vorbote eines schwereren Ereignisses sein.
Welche Unterschiede gibt es bei Männern und Frauen?
Frauen sind beim ersten Schlaganfall meist älter als Männer. Gleichzeitig erleben Frauen häufiger schwerere Verläufe und zeigen manchmal untypische Symptome wie Übelkeit, Verwirrtheit oder plötzliche Erschöpfung – das erschwert die schnelle Diagnose. Ich plädiere deshalb sehr dafür, dass Frauen achtsamer mit sich selbst umgehen.
Wie viele Personen mit Schlaganfall behandelt das kbo-Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg jährlich?
Wir versorgen in unserer neurologischen Abteilung jedes Jahr rund 450 Schlaganfallpatientinnen und -patienten. Die meisten kommen über unsere zertifizierte Stroke Unit, wo rund um die Uhr Spezialisten im Einsatz sind – dank enger Kooperation mit der RoMed Klinik mit direktem Zugang zu bildgebender Diagnostik, Labor und Intensivmedizin. Wir begleiten viele dieser Menschen aber nicht nur in der Akutversorgung, sondern auch in der Frührehabilitation und bei der Wiedereingliederung in ihren Alltag.
Tendenziell mehr oder weniger?
Die Zahl der Schlaganfallbehandlungen steigt leicht – das liegt vor allem daran, dass wir alle älter werden und chronische Erkrankungen zunehmen. Gleichzeitig erkennen wir heute viele Schlaganfälle früher als noch vor zehn Jahren. Durch bessere Diagnostik und mehr Gesundheitsbewusstsein landen mehr Betroffene rechtzeitig in spezialisierten Kliniken. Das ist ein gutes Zeichen, denn es bedeutet: Die Aufklärung wirkt. Trotzdem bleibt viel zu tun – insbesondere in der Prävention, die oft schon im Kindes- und Jugendalter beginnt.
Einen Schlaganfall erkennen
Die Symptome sind deutlich, wenn man sie kennt: Typische Symptome sind halbseitige Lähmungen oder Gefühlsstörungen, Sprach- oder Sprachverständnisprobleme, Sehstörungen oder ein schiefer Mundwinkel. Auch starker Schwindel oder eine plötzliche Gangunsicherheit können Warnzeichen sein.
Die Faustregel lautet: FAST
Face: Wirkt eine Gesichtshälfte beeinträchtigt? Kann der Betroffene beispielsweise nicht mehr normal lächeln?
Arms: Kann eine Person beide Arme gleichermaßen heben oder ist ein Arm beeinträchtigt?
Speech: Ist die Sprache verändert, unverständlich oder verwaschen?
Time: Trifft etwas davon zu, dann umgehend die 112 rufen! Schnelles Handeln kann Leben retten und bleibende Schäden verhindern.