„Ist das Tracht oder ein Spiel mit Klischees?“
München, den Datum: 26.05.2025Kuratorin Leo Sophie Rodenberg zur Benediktbeurer Ausstellung
Seit 29. April ist in der Sammlung Tracht – Gwand – Mode (ehemals Zentrum für Trachtengewand) die Ausstellung anders beTRACHTet zu sehen. Sie ist die Eröffnungsschau nach dem Umbau der Räumlichkeiten im Kloster Benediktbeuern und zugleich die erste Präsentation, seit die Sammlung zum Freilichtmuseum Glentleiten gehört. Sammlungsleiterin und Kuratorin der Ausstellung, Lea Sophie Rodenberg, spricht im Interview über die Werkschau.
Die Umbauarbeiten in den Räumen der Sammlung „Tracht – Gwand – Mode“ sind abgeschlossen. Was ist denn alles neu?
Lea Sophie Rodenberg: Das Herzstück der ganzen Maßnahmen ist das neue Depot. Hier können wir nun unsere mehr als 20 000 Textilien nach den neuesten wissenschaftlichen Standards unterbringen und damit für nachfolgende Generationen bewahren. Daneben wurden unsere Büroräume saniert und neu ausgestattet, sodass sich auch die Arbeitssituation aller Mitarbeitenden verbessert hat. Besonders wichtig ist uns aber, dass die Sammlung nun noch zugänglicher wird und im Ausstellungsraum der Öffentlichkeit präsentiert werden kann. Langfristig arbeiten wir daran, unsere Bestände digital verfügbar zu machen.
Sie starten nun mit der Werkausstellung „anders beTRACHTet“. Worum geht es in der Sonderschau?
Die Ausstellung lädt dazu ein, bei der Betrachtung unserer Exponate ungewohnte Blickwinkel einzunehmen. Man kann beispielsweise Nutzungsspuren oder sonst Verborgenes entdecken und über Details staunen. Uns interessiert, wie sich die Wahrnehmung von Tracht verändert – je nachdem, aus welcher Perspektive man sie betrachtet oder in welchem Kontext sie auftaucht.
Welche Objekte erwarten die Besucherinnen und Besucher?
Wir zeigen rund 80 Exponate, davon allein mehr als 60 Riegelhauben. Diese Hauben wirken auf den ersten Blick alle gleich, doch tatsächlich unterscheiden sie sich in Material, Stickerei und Details – und erzählen so ganz individuelle Geschichten. Darüber hinaus präsentieren wir Kleidungsstücke, die bewusst auf links gedreht sind, um die bunte Innenseite mit eingenähten Taschen sichtbar zu machen. Und wir zeigen einige überraschende Objekte: eine Badehose in Lederhosenoptik, Faschingsdirndl oder Loferl in Bierkrugform. Diese Stücke werfen die Frage auf: Ist das Tracht oder ein Spiel mit Klischees?
Welches der Exponate gefällt Ihnen persönlich besonders und warum?
Auch wenn das jetzt fast wie ein Klischee klingt, aber mein Favorit ist eine der vielen Riegelhauben: eine schwarze Haube, die rundherum mit Perlen behängt ist – fast wie ein Charleston-Kleid aus den 1920er-Jahren. Dieses Stück fasziniert mich. Vielleicht fällt sie Ihnen ja zwischen den anderen Hauben auf.
Was ist als Begleitprogramm zur Ausstellung geplant?
Parallel zur Ausstellung gibt es den Textilsalon, der einmal im Monat stattfindet. Dort bieten wir verschiedene Veranstaltungen an – von Vorträgen bis hin zu Workshops. Hier geht es um die handwerkliche Seite der Textilien, aber auch um aktuelle Fragen zu Tracht, Mode und Identität. Wir möchten die Sammlung wieder stärker mit Leben füllen und die Menschen in Benediktbeuern und darüber hinaus einladen, sich aktiv mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Aktuelle Termine gibt es auf der Glentleiten-Homepage!
(Interview: Dr. Melanie Bauer)
Die Ausstellung ist bis 9. November jeweils dienstags und donnerstags (außer an Feiertagen) sowie jeden 1. Sonntag im Monat von 11 bis 15 Uhr geöffnet.
Der Eintritt ist frei.