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„Erinnerungskultur heißt, wachsam zu sein“

München, den Datum: 27.10.2025

Gedenktafel für oberbayerische „Euthanasie“-Opfer enthüllt

An die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde erinnern: Das ist Ziel einer Gedenktafel, die Bezirkstagspräsident Thomas Schwarzenberger vor kurzem am Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim (Oberösterreich) enthüllt hat. Mit dabei waren Mitglieder des Bezirkstags, Vertreterinnen und Vertreter der kbo-Kliniken des Bezirks Oberbayern sowie Mitarbeitende der Verwaltung.

Zwei Männer nehmen ein Tuch von einer Steintafel, sie enthüllen ein Denkmal.
Bezirkstagspräsident Thomas Schwarzenberger (links) und Franz Podechtl, Vorstandsvorsitzender der kbo-Kliniken, bei der Enthüllung der Gedenktafel

Schloss Hartheim bei Linz war während der NS-Zeit eine der zentralen ­Tötungsanstalten des sogenannten „Euthanasie“-­ Programms. Aus ober­bayerischen Heil- und Pflegeanstalten wurden in den Jahren 1940 und 1941 mehr als 2 200 Patientinnen und Patienten in die Tötungsanstalt Hartheim ­deportiert und dort ermordet. Die neue Gedenktafel erinnert an diese Menschen und mahnt, das begangene Unrecht nicht zu vergessen.

„Diese Opfer waren Menschen mit einer Behinderung oder einer psychischen Erkrankung – Menschen, die Schutz und Hilfe gebraucht hätten und stattdessen Ausgrenzung, Gewalt und Vernichtung erlitten haben“, sagte Bezirkstagspräsident Thomas Schwarzenberger in seiner ­Ansprache.

„Die Auseinandersetzung mit diesen Verbrechen hat erst spät begonnen. Umso wichtiger ist es, dass wir uns heute intensiv mit dieser Vergangenheit beschäftigen – offen, kritisch und mit dem klaren Willen, daraus Verantwortung für die Gegenwart und die Zukunft zu übernehmen. Erinnerungskultur heißt, wachsam zu sein – gegenüber jeder Form von Ausgrenzung, Diskriminierung und Menschenverachtung. Sie verpflichtet uns, im Heute ­Haltung zu zeigen und Menschlichkeit zu leben.“

Besonders würdigte Schwarzenberger das Engagement in den Kliniken: „Es ist ein starkes Zeichen, dass sich heute ­Ärztinnen, Ärzte und Pflegende aktiv zu dieser Verantwortung bekennen. Sie stehen für eine Haltung der Menschlichkeit, des Respekts und der Solidarität – und sie machen deutlich, dass Erinnerung nicht rückwärtsgewandt ist, sondern unser Kompass für eine menschlichere Zukunft.“

Die Initiative zur Gedenktafel geht auf den Beirat Erinnerungskultur und Demokratie des Bezirks Oberbayern zurück. Sie steht im Kontext einer umfassenden Auseinandersetzung mit der Rolle der oberbayerischen Heil- und Pflegeanstalten während der NS-Zeit und soll die Erinnerung an die Opfer als Teil der kollektiven Verantwortung lebendig halten. (sb)