Zwischen Schutzraum und Alltag
München, den Datum: 27.07.2026Kinder- und Jugendpsychiatrie: Wie integrierte teilstationäre Angebote mehr Sicherheit geben
Steigender Behandlungsbedarf und begrenzte Ressourcen stellen die Kinder- und Jugendpsychiatrie vor große Herausforderungen. Das kbo-Heckscher-Klinikum geht deshalb neue Wege: Integrierte teilstationäre Plätze auf offenen Stationen sollen Jugendlichen den Übergang zwischen Klinik und Alltag erleichtern – flexibel, alltagsnah und ohne Beziehungsabbrüche.
Seit Anfang 2025 können Jugendliche nach einer stationären Behandlung schrittweise in ein teilstationäres Setting wechseln. Sie bleiben auf ihrer bisherigen Station, im vertrauten Behandlungsteam und nehmen weiterhin an Therapien sowie am Unterricht der Carl-August-Heckscher-Schule teil. Die Abende und Wochenenden verbringen sie jedoch bereits zuhause. Das Modell richtet sich an junge Menschen, für die eine ambulante Behandlung noch nicht ausreicht, eine vollstationäre Betreuung aber nicht mehr notwendig erscheint.
Selbstvertrauen nachhaltig fördern
Der neue Ansatz ermöglicht es, therapeutisch erarbeitete Strategien unmittelbar im Alltag zu erproben. Für viele Jugendliche ist der Weg zurück in den Alltag ein großer Schritt: Oft geht es darum, soziale Ängste zu überwinden, Selbstständigkeit zurückzugewinnen und Lebensräume wiederzuerobern, die zuvor gemieden wurden. Öffentliche Verkehrsmittel nutzen, soziale Situationen bewältigen oder eigenständig Strukturen einhalten – Schritt für Schritt gewinnen die Jugendlichen so Sicherheit und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zurück.
Gleichzeitig bleiben Eltern und Familiensystem eng eingebunden. Herausforderungen können unmittelbar gemeinsam reflektiert und bearbeitet werden. Das stärkt die Selbstwirksamkeit der Jugendlichen und fördert ihr Selbstvertrauen nachhaltig.
Flexibilität mit Herausforderungen
Die Einführung des Angebots erforderte umfangreiche organisatorische und rechtliche Vorarbeiten. Auch praktische Fragen spielten eine Rolle: Lange Anfahrtswege können das Modell erschweren, ebenso die strikten zeitlichen Vorgaben einer täglichen teilstationären Behandlung.
Dennoch fällt das erste Fazit positiv aus. Jugendliche und ihre Familien erleben die neue Behandlungsform als hilfreich und entlastend. Gleichzeitig bleibt Zeit, gemeinsam mit Jugendamt, Schule sowie ambulanten Therapeutinnen und Therapeuten die nächsten Schritte zu planen – für einen möglichst lückenlosen Übergang zurück in den Alltag.
Das Modell zeigt beispielhaft, wie moderne kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung aussehen kann: flexibel, lebensnah und konsequent am Alltag junger Menschen orientiert.
Barbara Konstant / Wolfgang Englmaier