232 Lichter gegen das Vergessen
München, den Datum: 10.09.2026Aktion am Marienplatz erinnert an Suizidtote und setzt sich für Prävention ein
Zum Welttag der Suizidprävention am 10. September hat das Netzwerk Suizidprävention München auf die 232 Personen aufmerksam gemacht, die sich 2024 in der Landeshauptstadt das Leben genommen haben – erneut mehr als in den Vorjahren. Im Gedenken an die Suizidtoten entzündeten Mitarbeitende aus Münchner Beratungseinrichtungen 232 Kerzen auf dem Marienplatz. Passanten konnten sich über Unterstützungsangebote für Betroffene, Angehörige und Menschen in seelischen Krisen informieren.
Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause hatte die Schirmherrschaft über die Aktion übernommen, die in diesem Jahr bereits zum dritten Mal stattfand. Stellvertretend nahm die Zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs, die auch die erste Kerze entzündete, an der Gedenkveranstaltung teil und sagte: „Dass in nur einem Jahr 232 Menschen in München durch Suizid ums Leben gekommen sind, ist erschreckend. Diese Entwicklung dürfen wir nicht hinnehmen. Wir brauchen niedrigschwellige und verlässliche Angebote der Suizidprävention und ein Umfeld, das offen über psychische Krisen und Suizid spricht. Es kann nicht sein, dass sich auch weiterhin viele Betroffene aus Angst vor einer Stigmatisierung nicht trauen, sich mitzuteilen und Hilfe zu suchen. Dies zu tun, unabhängig vom Geschlecht, ist eine große Stärke und keine Schwäche. Unser Ziel muss sein, dass das flächendeckend als selbstverständlich wahrgenommen wird.“
Das Netzwerk Suizidprävention München gibt es seit 2023. In ihm haben sich die Beratungsdienste DIE ARCHE Suizidprävention und Hilfe in Lebenskrisen e. V., der Krisendienst Psychiatrie Oberbayern, die Katholische und Evangelische Telefonseelsorge München sowie die Krisenberatungsstelle Münchner Insel zusammengeschlossen.
Suizidzahlen gehen weiter nach oben
Ein Blick in die Statistik zeigt: Suizidprävention ist notwendiger denn je. Nach Angaben des Nationalen Suizidpräventionsprogramms (Naspro) nimmt sich alle 51 Minuten ein Mensch in Deutschland das Leben, alle fünf Minuten unternimmt jemand einen Suizidversuch. Die Zahl der Suizidverstorbenen lag im Jahr 2024 bei 10.372. Das sind deutlich mehr als die Zahl der Todesfälle durch Verkehrsunfälle, Drogen und Gewaltdelikte zusammengenommen. Für 2025 werden die Zahlen in Kürze veröffentlicht.
Präventionsarbeit braucht Verlässlichkeit
Die Bundesregierung hat angesichts steigender Suizidzahlen die Notwendigkeit und den Wert von Prävention erkannt. Vor der Sommerpause hat das Bundesministerium für Gesundheit einen Referentenentwurf für ein Gesetz zur Stärkung der Nationalen Suizidprävention vorgelegt. Verbände und Beratungseinrichtungen begrüßen die Gesetzesinitiative, sehen aber offene Fragen bei der Integration bestehender Angebote und der finanziellen Ausgestaltung. „Der Entwurf verfolgt das richtige Ziel, bestehende Angebote einzubeziehen“, sagt Alexander Fischhold, Leiter der Telefonseelsorge in der Erzdiözese München und Freising und stellvertretender Vorsitzender des Dachverbands „TelefonSeelsorge Deutschland“. Prävention auszubauen gelinge aber nur, „wenn die Vielfalt der bereits vorhandenen niedrigschwelligen Beratungsangebote systematisch genutzt und gestärkt wird.“
„Deine Geschichte ist nicht zu Ende“
Suizidprävention wurde in diesem Jahr nicht nur mit der Aktion auf dem Münchner Marienplatz in den öffentlichen Raum getragen. Auch eine bundesweite crossmediale Kampagne unter dem Motto „Deine Geschichte ist nicht zu Ende“ machte mit Plakaten, Social-Media-Beiträgen, Anzeigen und weiteren Formaten auf den Welttag der Suizidprävention aufmerksam. Ziel ist es, Suizidprävention stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, Berührungsängste abzubauen und auf bestehende Hilfsangebote aufmerksam zu machen.
Wie wichtig das ist, betont auch Amöna Woyde, Gebietskoordinatorin des Krisendienstes Psychiatrie Oberbayern: „Der Welttag der Suizidprävention erinnert uns daran, dass hinter jeder Krise ein Mensch steht. Über Suizidgedanken zu sprechen, rettet Leben. Sie sind häufig Ausdruck einer extremen Belastung, nicht eines fehlenden Lebenswillens. Je früher professionelle Unterstützung und Hilfe in Anspruch genommen wird, desto eher findet man einen Weg raus aus der Hoffnungslosigkeit.“
Neben der Katholischen und der Evangelischen Telefonseelsorge ist der vom Bezirk Oberbayern mitfinanzierte Krisendienst Psychiatrie kostenlos rund um die Uhr und an allen Tagen des Jahres erreichbar. Auch an die Münchner Insel und DIE ARCHE können sich Menschen in suizidalen Krisen sowie Angehörige kurzfristig wenden.
In dieser Folge spricht Moderator Matthias Riedel-Rüppel mit zwei Expertinnen darüber, dass offen über Suizidgedanken zu sprechen ein entscheidender Schritt sein, um Hilfe zu bekommen und einen Weg aus der Krise zu finden.
Bildmaterial zum Download
-
An einem Infostand wurden reichlich Materialien zum Thema Suizidprävention ausgelegt.
Foto: Heike Geismar
Copyright: Bezirk Oberbayern
-
Gar nicht so einfach: Genau 232 Kerzen mussten so aufgebaut werden, dass die Zahl 232 entsteht.
Foto: Heike Geismar
Copyright: Bezirk Oberbayern
-
Viele Passanten tummelten sich am Marienplatz, um sich über die Angebote des Hilfsnetzwerks zu informieren.
Foto: Heike Geismar
Copyright: Bezirk Oberbayern
-
Die Lichter sollen an die Menschen erinnern, die sich suizidiert haben, und ihren Angehörigen und Freunden auch etwas Trost spenden.
Foto: Heike Geismar
Copyright: Bezirk Oberbayern
-
Die zweite Münchner Bürgermeisterin, Mona Fuchs, eröffnete die Aktion mit dem Entzünden der ersten Kerze.
Foto: Heike Geismar
Copyright: Bezirk Oberbayern
-
In ihrem Grußwort betonte die 2. Bürgermeisterin Mona Fuchs (im Vordergrund) die Wichtigkeit aller Dienste, die Menschen in suizidalen Krisen helfen.
Foto: Heike Geismar
Copyright: Bezirk Oberbayern
-
Jede der Grabkerzen symbolisiert eine Person aus München, die sich im Jahr 2024 suizidiert hat.
Foto: Heike Geismar
Copyright: Bezirk Oberbayern
- Download gesamtes Bildmaterial als zip (ca. 27.9 MB)