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Erinnern an das Leben in früheren Zeiten in der Psychiatrie

München, den Datum: 31.10.2025
Bezirksmedaille

Wolfgang Schmid aus Reitmehring mit der Bezirksmedaille ausgezeichnet

Als Zeichen seiner Anerkennung ehrt der Bezirk Oberbayern jedes Jahr Menschen mit der Bezirksmedaille, die sich in ganz besonderer Weise ehrenamtlich in Oberbayern verdient gemacht haben

„Wir als Bezirk Oberbayern sind uns bewusst, welch großer Schatz das Ehrenamt ist“, betonte Bezirkstagspräsident Thomas Schwarzenberger am Freitag bei der Verleihung der Bezirksmedaillen in Kloster Seeon, dem Kultur- und Bildungszentrum des Bezirks Oberbayern: „Sie sind Vorbilder für ein engagiertes und mitfühlendes Gemeinwesen. Ohne ihren Einsatz wäre das Leben von vielen weniger menschlich und einsamer.“ Dafür zolle er den zu ehrenden Personen hohen Respekt. Jede und jeder von ihnen tue etwas für den Zusammenhalt und für die Mitmenschen. Sie stehen stellvertretend für die vielen ehrenamtlich tätigen Menschen in ganz Oberbayern und darüber hinaus. Schwarzenberger: „Unsere Gesellschaft und unsere Demokratie braucht jeden Einzelnen: Jeder sollte Verantwortung im Ehrenamt übernehmen!“ Die Auszeichnung verband Schwarzenberger mit dem Wunsch, dass das Engagement der Geehrten viele andere Menschen dazu animieren möge, sich ebenfalls für andere einzusetzen.

Zwei Männer halten eine Urkunde und eine Medaille in die Kamera.
Verleihung der Bezirksmedaile am 30.10.2025 in Kloster Seeon: Bezirkstagspräsident Thomas Schwarzenberger (links) überreichte die Auszeichnung an Wolfgang Schmid (Foto: Peter Bechmann © Bezirk Oberbayern)

Zu den Geehrten zählt Wolfgang Schmid aus Reitmehring.

Hier die Laudatio durch Bezirkstagspräsident Thomas Schwarzenberger:

„Wolfgang Schmid aus Reitmehring ist ein „ehrenamtliches Urgestein“, dessen Liste an ehrenamtlichem Engagement sehr lang ist.

Vier Jahrzehnte aktives Mitglied in der „Freiwilligen Feuerwehr Attel-Reitmehring“, 41 Jahre aktiv in der „Veteranen- und Reservistenkameradschaft Edling 1892“, davon die meiste Zeit verantwortungsvolle Mitarbeit im Vorstand und seit 26 Jahren erster Vorstand, 29 Jahre im „Förderverein Gabersee“, ebenfalls mit langer Funktionstätigkeit, lange, aktive Rolle in der „Kirchenverwaltung St. Antonius Reitmehring“, 23 Jahre im Stadtrat der Stadt Wasserburg, jahrzehntelang im „Schützenverein Wagnerwirt e. V.“ Reitmehring, davon 21 Jahre als Kassenprüfer und ebenfalls über Jahrzehnte ehrenamtliche Arbeit im „Landesverband der Bayrischen Bezirksbeschäftigten“ (LBB).

Besonders herausstellen möchte ich aber noch etwas anderes: Er hat es sich seit mehreren Jahrzehnten zur Aufgabe gemacht, an die wechselvolle Geschichte der psychiatrischen Klinik in Wasserburg zu erinnern. Das kbo-lnn-Salzach-Klinikum in Wasserburg wurde im Jahr 1883 als „Königlich-Bayerische Kreis-Irrenanstalt Gabersee" erbaut. Die Geschichte dieser Einrichtung und der Psychiatrie allgemein werden seit dem Jahr 2003 in einem Museum auf dem Klinikgelände anschaulich dargestellt. Neben einem historischen Patientenzimmer sind Sammlungen medizinischer Gegenstände, viele Dokumente und Fotos ausgestellt - und helfen den Besucherinnen und Besuchern, die Geschichte der Psychiatrie in Oberbayern besser zu verstehen.

Seit Eröffnung des Museums 2003 ist Wolfgang Schmid als ehrenamtlicher Museumsdirektor tätig. Mit viel persönlichem Engagement organisiert er etwa 100 Führungen und Vortragsveranstaltungen pro Jahr und ist überdies ein guter Ansprechpartner für die jährlich rund 1.000 Besucherinnen und Besucher des Psychiatriemuseums in Gabersee.

Einen besonderen Fokus legt Herr Schmid auch auf die Aufarbeitung der dunkelsten Zeit der Psychiatriegeschichte während der Zeit des Nationalsozialismus. Auch ohne geschichtswissenschaftliche Ausbildung hat er sich detailliert mit dem Schicksal von psychiatrisch erkrankten Patientinnen und Patienten beschäftigt und die Idee mitbegründet, die Erinnerung an die Ermordeten durch ein weiteres Denkmal am Ort des Geschehens zu stärken. Im Rahmen der sogenannten „T4“-Aktion waren am 7. und 29. November 1940 insgesamt 360 Patientinnen und Patienten in Eisenbahnwagons nach Linz Niedernhart deportiert und dort ermordet worden.
Am 15. Januar 1941 erfolgte ein weiterer Transport von 266 Patientinnen und Patienten, von denen 149 über Haar nach Niedernhart deportiert und wenig später nach Hartheim zur Tötung verbracht worden sind. Damit sind insgesamt 509 Patientinnen und Patienten aus Gabersee der Aktion „T4“ zum Opfer gefallen.

Wolfgang Schmid hat sich als Direktor des Psychiatriemuseums Gabersee intensiv für die Bewahrung der Psychiatriegeschichte eingesetzt und einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur geleistet. Wir würdigen dieses und seine vielen, vielen anderen ehrenamtlichen Engagements mit der Verleihung der Bezirksmedaille.“


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  • Zwei Männer halten eine Urkunde und eine Medaille in die Kamera.

    Verleihung der Bezirksmedaile am 30.10.2025 in Kloster Seeon: Bezirkstagspräsident Thomas Schwarzenberger (links) überreichte die Auszeichnung an Wolfgang Schmid

    Foto: Peter Bechmann

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  • Drei Frauen in Tracht und fünf Männer im Anzug. Ein Mann hält eineUrkunde und Blumen-

    Bei der Verleihung der Bezirksmedaile am 31.10.2025 in Kloster Seeon: (v.l.n.r.) Bezirkstagspräsident Thomas Schwarzenberger, Ärztlicher Direktor kbo-Inn-Salzach-Klinikum Prof. Dr. Peter Zwanzger, Wolfgang Schmid, Geschäftsführer kbo-Inn- Salzach-Klinikum Dr. Karsten Adamski, Bezirksrätin Barbara Kuhn, Stellv. Landrat und Bezirksrat Sepp Hofer, BGM Wasserburg Michael Kölbl

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