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Junges Design ausgezeichnet

München, den Datum: 28.11.2025

Oberbayerischer Förderpreis für Angewandte Kunst 2025 verliehen

Herausragendes junges Design stand im Mittelpunkt der Preisverleihung zum Oberbayerischen Förderpreis für Angewandte Kunst 2025. Die Verleihung fand am 10. November in München auf der Messe Heim+Handwerk statt, wo die prämierten Arbeiten sowie weitere ausgewählte Arbeiten in einer Ausstellung gezeigt wurden. Der Bezirk Oberbayern vergab vier gleichwertige, jeweils mit 3.000 Euro dotierte Preise.

Gruppenbild mit junger Frau und drei jungem Männern. Alle halten Urkunden und Blumen in den Händen. Sie stehen vor einer Rückwand mit Logos des Bezirks Oberbayern.
Von links: Tzu-Yun Hung, Tobias Möndel, Laurenz Werb und Janick Entrop erhielten den Oberbayerischen Förderpreis für Angewandte Kunst 2025. (Foto: Heike Geismar © Bezirk Oberbayern)

Die vier Nachwuchstalente zeigen mit ihren preisgekrönten Arbeiten eindrucksvoll, wie vielfältig und experimentierfreudig die Angewandte Kunst in Oberbayern ist.

Die Schmuckkünstlerin Tzu-Yun Hung aus München erhielt den Preis für ihre dreiteilige Arbeit Exercises in Disappearance. Brosche, Armband und Kette bestehen aus Radiergummis und Heftklammern – Materialien, die mit Korrektur und Auslöschung assoziiert werden, hier aber Sinnbilder für Erinnerung und Identität werden. Hung verwebt persönliche Fragmente zu poetischen Objekten, die Verletzlichkeit und kulturelle Zugehörigkeit reflektieren. Ihre filigranen, organisch-abstrakten Formen überschreiten die Grenzen des Schmucks und werden zu Zeichen innerer Prozesse.

Kunstwer: Eine Kugel aus runden weißen Blättchen - einige mit Resten von orangem oder blauem Aufdruck, eine Nadel steckt diagonal in der Kugel
Tzu-Yun Hung: Exercises in Disappearance; Radiergummi, Heftklammer, Silikon; 14 x 11 x 3,7 cm (Foto: Wanying Xie )

Auch Janick Entrop kommt aus München, er wurde für sein Projekt Objekte der Erinnerung ausgezeichnet. Er dokumentierte die baulichen Spuren des Zwei-ten Weltkriegs an Münchener Gebäuden durch 3DScans und überführte diese Narben in hölzerne und kunststoffbasierte Artefakte. Die so entstandenen Objekte machen Geschichte greifbar und eröffnen einen neuen Zugang zur Erinnerungskultur. Entrops Arbeit ist zugleich technisches Experiment und gesellschaftliches Statement gegen das Vergessen.

Kunstwerk: fünf quadratische Holzkästchen in denen jeweils ein anderes Relief in Schwarz liegt; vor jedem Kästchen ebenfalls ein schwarzes quadratisches Relief
Janick Entrop: Objekte der Erinnerung; Eiche, Polylactid (PLA); 3D-Druck; 10 x 10 x 4 cm (Foto: Tianxiong Zhong )

Der Schreinermeister Tobias Möndel aus Gaimersheim bei Ingolstadt überzeugte die Jury mit seinem Schwebenden Schrank aus Weißtanne. Das Möbelstück verbindet hand-werkliche Präzision mit architektonischem Denken: Seine gegliederte Front erinnert an eine Hausfassade, das Spiel von Licht und Schatten lässt das Möbel leicht und fast schwebend wirken. Möndel gelingt es, die Strenge der Konstruktion mit einer ruhigen, eleganten Ästhetik zu vereinen – ein Entwurf, der klassische Formprinzipien mit zeitgenössischem Feingefühl verbindet.

Vorderseite eines Schranks aus hellem Holz unterteilt in gerahmte Kästchen; eine Tür offen (man sieht im Inneren die Zwischenböden und Schubkästen)
Tobias Möndel: Schwebender Schrank aus Weißtanne; Weißtanne, Linoleum; diverse handwerkliche Verbindungen; 185 x 90 x 45 cm (Foto: Wolfgang Pulver )

In Garmisch-Partenkirchen wohnt der Designer Laurenz Werb, der für seine Leuchte Spool geehrt wurde. Inspiriert von der Form einer traditionellen Garnrolle, vereint sie gedrechseltes Lindenholz mit einem Textilkabel und moderner Technik. Spool dient zugleich als Lampe und Verlängerungskabel, lässt sich flexibel platzieren und per App steuern. Mit spielerischem Humor und funktionaler Klarheit verwandelt Werb ein Alltagsobjekt in ein poetisches, nützliches Designstück, das Wärme und Leichtigkeit ausstrahlt.

Kunstwerk: Eine Holzspule liegt auf einer weißen Unterlage. Auf die Spule ist ein rotes Kabel aufgewickelt, dessen Ende nach oben aus dem Bild verschwindet.
Laurenz Werb: Leuchtenobjekt »Spool« ; Linde, Textilkabel; gedrechselt; 20 x 20 x 15 cm (Foto: Laurenz Werb )

Der Oberbayerische Förderpreis für Angewandte Kunst

Eine Fachjury aus Design, Kunst und Politik hatte die Preisträgerinnen und Preisträger aus 53 Bewerbungen ausgewählt. Sie legte besonderen Wert auf Innovation, Funktion, Ästhetik, Ausführung und handwerkliche Qualität. Bewerben konnten sich junge Gestalterinnen und Gestalter aus allen Bereichen der angewandten Kunst – von Holz, Metall, Glas und Keramik bis zu Schmuck und Textil.

Mit dem Nachwuchsförderpreis, den der Bezirk seit 2010 jährlich vergibt, unterstützt er junge Kreative bis 35 Jahre, die in Oberbayern leben oder arbeiten. „Der Preis verdeutlicht, wie einfallsreich und facettenreich die junge Kunstszene in Oberbayern ist“, sagte die stellvertretende Bezirkstagspräsidentin Friederike Steinberger bei der Preisverleihung. „Das Leitmotiv des Bezirks Oberbayern ‚Wir stärken Menschen‘ gilt auch für diese Talente, die mit neuen Ideen und Materialien mutig bekannte Themen auf ihre Weise interpretieren.“