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Erinnern gegen das Vergessen

München, den Datum: 28.01.2026

Wanderausstellung im kbo-Klinikum Haar zu den bayerischen Opfern der „Aktion T4“

Über 7 600 Menschen aus bayerischen Heil- und Pflegeanstalten wurden 1940 und 1941 im Rahmen der „Aktion T4“ in nationalsozialistischen Tötungsanstalten ermordet. An sie erinnert die Wanderausstellung Ermordet in Grafeneck, Hartheim und Pirna-Sonnenstein – Die Opfer der „Aktion T4“ aus Bayern, die noch bis 13. März 2026 im kbo-Verwaltungsgebäude in Haar zu sehen ist.

Beispielhaft erzählt die Ausstellung 14 Lebensgeschichten von Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen und psychischen Erkrankungen aus allen bayerischen Bezirken. Die nationalsozialistische Ideologie erklärte ihr Leben für „lebensunwert“. Von Propaganda und politischen Entscheidungsträgern wurden sie als Belastung für die „Gesunden“ bezeichnet. Schließlich wurden sie von Ärzten selektiert und zur Ermordung in Tötungsanstalten ausgeliefert.

Josef Prechtl, geboren am 16. April 1922 in München. Von ihm ist nur ein einziges Foto überliefert, das ihn als Kleinkind gemeinsam mit seiner Schwester zeigt. Im Alter von fünf Jahren kam er in die Assoziationsanstalt Schönbrunn bei Dachau. Am 20. März 1941 wurde er in die Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar verlegt, am 29. April 1941 in die Tötungsanstalt Hartheim gebracht und dort ermordet.
Aufnahme um 1925


In Bayern gab es keine dieser Anstalten, deshalb wurden die Opfer in Hartheim (Österreich), Grafeneck (Baden-Württemberg) und Pirna-Sonnenstein (Sachsen) getötet. So führten Transporte aus Eglfing-Haar nach Hartheim und Grafeneck, während Menschen aus anderen bayerischen Regionen, etwa aus Kutzenberg in Oberfranken, nach Pirna-Sonnenstein deportiert wurden. Dieser Massenmord war nur möglich, weil Mitarbeitende in Ministerien, beim damaligen Bezirksverband sowie in den Anstalten aktiv mitwirkten.

Bezirk Oberbayern beteiligt sich

Die Wanderausstellung ist eine gemeinsame Initiative der Stiftung Sächsische Gedenkstätten – Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein, des Lern- und Gedenkorts Schloss Hartheim sowie der Gedenkstätte Grafeneck e. V. Finanziell gefördert wurde sie von den bezirklichen Gesundheitsunternehmen in Bayern. Fachlich unterstützt wurde das Projekt von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Arbeitskreises zur Erforschung der nationalsozialistischen „Euthanasie“ und Zwangssterilisation.

Wichtige Beiträge kamen zudem aus den Bezirken, deren Archive bedeutende zeitgeschichtliche Quellen bewahren. Im Archiv des Bezirks Oberbayern befinden sich unter anderem die Patientenakten aus Eglfing-Haar sowie aufschlussreiche Unterlagen aus der Verwaltung der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt. Für die Wanderausstellung steuerte Archivleiter Nikolaus Braun einen umfassenden Begleitaufsatz zur Umsetzung und zu den Folgen der Aktion T4 bei.

Bezirkstagspräsident Thomas Schwarzenberger betonte die große Bedeutung der gemeinsamen Forschung über Bezirks- und Landesgrenzen hinweg, insbesondere bei der Aufarbeitung der Opfer der sogenannten Aktion T4: „Wir beklagen über 600 Menschen aus bayerischen Heil- und Pflegeanstalten, die 1940 und 1941 ermordet wurden. Viele Angehörige – teils bis in die dritte und vierte Generation – suchen heute nach den Lebensgeschichten der Opfer. Sie haben ein Recht auf Information.“ Es sei Aufgabe und Verpflichtung, die Namen der Ermordeten sichtbar zu machen und ihre Erinnerung wachzuhalten – gerade weil ihr Schicksal so lange verschwiegen wurde.

Anschrift und Öffnungszeiten

kbo-Verwaltungsgebäude
Vockestraße 72, 85540 Haar
bis 13. März 2026 
täglich geöffnet von 7 bis 18 Uhr
Eintritt frei, barrierefreier Zugang