16.10.2009: Walter Spiegl mit Bezirksmedaille geehrt 2009-10-16 14:00:00
 
    
Herausragendes für die Allgemeinheit geleistet
   
Als Zeichen seiner Anerkennung kann der Bezirk Oberbayern Menschen, die sich in besonderer Weise um das Wohl in Oberbayern verdient gemacht haben, die Bezirksmedaille verleihen. Am Freitag (16.10.2009) ehrte Bezirkstagspräsident Josef Mederer acht Persönlichkeiten aus dem Bereich Kultur, unter ihnen Walter Spiegl aus Waldkraiburg im Landkreis Mühldorf
   

In seiner Rede betonte der Bezirkstagspräsident das hohe Maß des ehrenamtlichen Engagements der zu ehrenden: „Mit einem überdurchschnittlichen Maß an Uneigennutz, Beharrlichkeit und Enthusiasmus haben Sie sich für eine bestimmte Sache stark gemacht: für den Erhalt von Heimat- und Stadtmuseen, für die Pflege der regionalen Volksmusik oder der Tracht, für den Erhalt der Schützentradition, aber auch für die geschichtliche und archäologische Erforschung Ihrer Heimat.“ Mederer führte aus, wie wichtig das unentgeltlichen ehrenamtliche Engagement für die Vielfalt der kulturellen Institutionen in Oberbayern sei: Viele der Einrichtungen und Angebote seien überhaupt erst durch ein solches Engagement entstanden.

Hier die Laudatio durch Bezirkstagspräsident Josef Mederer für Walter Spiegl aus Waldkraiburg:

Walter Spiegl

Meine Damen und Herren, ich möchte jetzt nicht nur Kolbermoor, sondern Oberbayern kurz verlassen und meinen Blick in den Westen Böhmens richten. Dort gibt es eine reiche Kulturlandschaft, die historisch eng mit Bayern verbunden ist. Vielen wird sie durch die Kurorte Franzensbad, Karlsbad und Marienbad bekannt sein – Orte, die einst Weltruf besaßen. Ich meine das Egerland.
Es ist natürlich kein Zufall, dass die Blaskapelle der „Egerländer Gmoi“ aus Waldkraiburg diese Feier musikalisch gestaltet. Denn die nächste Bezirksmedaille geht an jemanden, der unter den Egerländern gut bekannt ist: Ich begrüße ganz herzlich Walter Spiegl aus Waldkraiburg und mit ihm alle Egerländerinnen und Egerländer, die heute zum Bezirk Oberbayern gekommen sind!

Walter Spiegl wurde in Theusing im Egerland geboren und kam im Zuge der Vertreibung 1946 nach Waldkraiburg. Da war er 17 Jahre alt. 1960 wurde er Mitglied im Ortsverband der Egerländer, in der Eghalanda Gmoi z´ Waldkraiburg (wie es korrekt heißt). Herr Spiegl war viele Jahre lang Kassierer der Gmoi und ist seit 1971 der 1. Vorsitzende (oder Vüarstäiha, wie die Egerländer sagen). Seit beinahe einem halben Jahrhundert setzt sich Walter Spiegl für die Pflege des kulturellen Erbes der Egerländer in Waldkraiburg ein. Mit ihm ist die Egerländer Gmoi zu einer festen Größe im kulturellen Leben Waldkraiburgs geworden. Zur Gmoi gehören eine Jugendgruppe, der Egerländer Chor und die uns bekannte (!) Egerländer Blaskapelle. Ich war übrigens sehr erstaunt darüber, dass nach dem Krieg auch eine Blechblas-Instrumenten-Firma aus dem Egerland in Waldkraiburg ansässig geworden ist, die bis heute Instrumente in alle Welt exportiert.

Sehr zugute gekommen bei Ihrer Arbeit in und für die Gmoi ist Ihnen – lieber Herr Spiegl – sicherlich der ausgeprägte Gemeinschaftssinn, der wohl allen Egerländern eigen ist. Schon immer haben sich die Egerländer – vor allem, wenn sie außerhalb ihrer Heimat leben mussten – zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen. Bereits 1910 gründeten die in München lebenden Egerländer die „Egerländer Gmoi München“ samt einer eigenen Heimatzeitschrift. 1922 gab es dann auch schon eine weitere Gmoi in Bayern, nämlich in Nürnberg. Nach der Vertreibung aus ihrer Heimat fanden sich die Egerländer in ihren neuen Heimatorten zusammen und damit begannen unzählige Gmoi-Gründungen. Sie alle wurden 1952 im „Bayerischen Landesverband der Egerländer Gmoin“ zusammengefasst. Dazu gehören jetzt 73 Ortsverbände, wovon der Waldkraiburger einer der größten ist. Sie waren, verehrter Herr Spiegl, 30 Jahre lang stellvertretender Vorstand im Bayerischen Landesverband. In dieser Funktion haben Sie unter anderem viele tausend Teilnehmer zu Landestreffen der Egerländer in Waldkraiburg versammelt. Doch der Gemeinschaftssinn, von dem ich vorhin gesprochen habe, ist bei Ihnen nicht auf Egerländisches beschränkt geblieben: Sie sind nämlich auch als „Netzwerker“ mit anderen Vereinen bekannt: Die Egerländer Gmoi pflegt enge Kontakte zu den bayerischen Trachtenvereinen der Umgebung, aber auch zu 12 weiteren Heimatvereinen, die es in Waldkraiburg gibt. 1992 waren Sie Mitbegründer der selbst verwalteten städtischen Institution „Haus der Vereine“, dessen stellvertretender Vorstand Sie seitdem sind.

Wie wir wissen, ist Waldkraiburg die zweite Heimat von vielen Menschen unterschiedlicher Herkunftsregionen geworden. Alle bemühen sich darum, ihr kulturelles Erbe zu bewahren, sei es durch Tanz, Musik, Literatur, Sprach- oder Trachtenpflege. Darüber hinaus haben die einst Vertriebenen mit Know-how und großem Fleiß mitgeholfen, den Freistaat von einem ehemaligen „Entwicklungsland“ zu einem wirtschaftlich starken Teil Deutschlands zu wandeln. Ministerpräsident Seehofer würdigte am diesjährigen Tag der Heimat ausdrücklich die Leistungen der Vertriebenen am Wiederaufbau Bayerns nach dem Zweiten Weltkrieg.

Sie, verehrter Herr Spiegl, haben mit Ihrem jahrzehntelangen Engagement wesentlich zur Integration und zur Pflege eines wichtigen Bestandteils des deutschen Kulturerbes beigetragen. Dafür möchten wir Sie heute mit der höchsten kulturellen Auszeichnung des Bezirks Oberbayern ehren.

       
Bezirksmedaille für Walter Spiegl

Bezirksmedaille für Walter Spiegl (links neben Bezirkstagspräsident Josef Mederer).

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