Zu den Geehrten zählt Günther Bauer aus München. Hier die Laudatio durch Bezirkstagspräsident Franz Jungwirth:
Kennen Sie die Geschichte unseres „Maibaums“, meine Damen und Herren? -- Ich gestehe es: Wie weit seine Wurzeln historisch zurück reichen, weiß ich erst seit kurzem:
Bei den Kelten, die ab der Zeit eintausendfünfhundert vor Christus in unserem Raum siedelten, begann am ersten Mai der Sommer. Deshalb wurde gefeiert - mit Blutopfern an einem Baum. Kultfeiertag war der erste Mai auch später bei den Germanen. Denn nach ihrer Überzeugung vermählte sich just dann der Himmelsgott Wotan mit der Erdgöttin Freia. Wieder stand ein Baum im Zentrum der rituellen Handlungen: er sollte die Fruchtbarkeit der Felder und der Sippengemeinschaft positiv beeinflussen.
Ab dem 13. Jahrhundert nach Christus wurde die „Maie“, wie die Birke altertümlich hieß, und das darum entstandene Volksspektakel heftig angegriffen: Der Maibaum lästere durch seinen heidnischen Ursprung den Gottesbegriff, so die Kirchenmänner; und das „haltlose Treiben“ verderbe den Charakter! Die Waldbesitzer warnten: Wer Birken oder – zunehmend – Fichten für solche Zwecke schlug, dem kämen sie mit Prügel!
Wie einig mit Gesetz und öffentlicher Meinung darf hingegen ein ganzer Maibaum-Verein heute sein Wesen treiben - und das auch noch unter dem Beifall einer katholischen Pfarrei! Genauer gesagt: In Sankt Markus in München-Neuaubing. Hier, in einem Stadtteil, wo Menschen unterschiedlichster Heimatländer zusammenleben, sorgt einer dafür, dass regionale Tradition als soziales Bindeglied dient: Günter Bauer. Der von ihm mitbegründete „Maibaum-Verein“ steht für alle Nationalitäten offen; und wer auf dem Kirchplatz jährlich dabei ist, wenn die muskelstärksten Burschen unter dem rhythmischen „Hauruck, Hauruck“ die schwere Stange hochhieven, der erlebt auf dunkel- wie hellhäutigen Männergesichtern die gleiche Spannung – und den aufbrausenden Beifall, wenn der Baum kerzengerade steht.
Bauers Jubiläum – ja es war wirklich seins: das im letzten Jahr begangene Jubiläum zum 25-jährigen Bestehen des Vereins zeigte überwältigend, mit welcher Hingabe, mit welchem Einsatz er als Vorstand Regionalkultur pflegt. – Mit Trachten, Fahnen, Kranzbändern, Musik und Böllerschüssen bringt Bauer aber nicht nur an solchen Tagen Farbe ins Stadteilleben. Auch beim Kathreinstanz, beim Sänger- und Musikantentreffen oder bei der Fronleichnamsprozession hilft er mit, den Menschen Essentielles zu vermitteln: Heimatgefühl.
Dafür, verehrter Herr Bauer, sind wir Ihnen zu großem Dank verpflichtet!