Hilfsnavigation

Diese Webseite verwendet Cookies, um dem Betreiber das Sammeln und Analysieren statistischer Daten in anonymisierter Form zu ermöglichen. Wenn Sie damit nicht einverstanden sind, klicken Sie hier bitte auf »Nein«. Weitere Informationen
Start
Schrift vergrößern
Artikel anhören
Leichte Sprache
 

„Wir fühlen uns angenommen und akzeptiert"

Oberbayerische Selbsthilfe Psychiatrie-Erfahrener tagt im Bezirk Oberbayern / Interview mit dem OSPE-Vorstand

Die Oberbayerische Selbsthilfe Psychiatrie-Erfahrener – kurz OSPE – ist im Bezirk Oberbayern ein gern gesehener Gast. Als Zeichen der engen Verbundenheit wurde der OSPE-Verein nicht nur vor zwei Jahren im Sitzungssaal des Bezirkstags aus der Taufe gehoben, sondern auch die jüngste Mitgliederversammlung fand im Bezirk statt. Die OSPE hat 37 Mitglieder; darüber hinaus gehören ihr acht Selbsthilfeorganisationen an. OSPE-Chef Walter Schäl und einer seiner beiden Stellvertreter, Rudolf Starzengruber, sprechen im Interview über die seit 2013 gesammelten Erfahrungen.
OSPE-Interview Stellvertrende OSPE-Vorsitzende Rudolf Starzengruber und Christian Holzschuh, Bezirkstagsvizepräsidentin Friederike Steinberger und OSPE-Vorsitzender Walter Schäl (v.l.n.r.).

Bild: Bezirk Oberbayern

Was hat sich für die OSPE seit der Vereinsgründung verändert?
Walter Schäl: Atmosphärisch fühlen wir uns im Bezirk Oberbayern akzeptiert und angenommen. Das zeigt auch, dass wir im Gremium Gesundheits-, Sozial- und Versorgungsplanung des Bezirks neuerdings mitstimmen dürfen. Leider sind wir noch nicht als beratendes Mitglied im Sozial- und Gesundheitsausschuss vertreten.
Rudolf Starzengruber: Die Angehörigen-Selbsthilfe ist dort ja auch dabei. Die Mitgliedschaft im Sozialausschuss wäre also auch für die Akzeptanz der OSPE in Politik und Verbänden ein weiterer logischer und wichtiger Schritt.

Was haben Sie bisher für die Selbsthilfe erreicht?
Schäl: Die Profis haben ihre Haltung gegenüber der Selbsthilfe stark verändert. Sie denken die Belange der Selbsthilfe jetzt immer mit, das heißt, sie überlegen, wie sie die Selbsthilfe gewinnbringend für alle Betroffenen einbeziehen können. Dadurch verbessern sich die Hilfeangebote. Das zeigt: Die Präsenz der Selbsthilfe wirkt sich auf die Versorgung positiv aus.
Starzengruber: Konkret waren wir im Projekt für die Unabhängigen Beschwerdestellen mit dabei und bauen diese jetzt auf. Wir wurden bei vielen weiteren Projekten beteiligt. So haben wir gemeinsam mit den Experten für die geschlossenen Heime Standards und Leitlinien erarbeitet. Die kbo-Kliniken haben uns bei der Debatte über die Behandlungsvereinbarung einbezogen. Die OSPE findet also Gehör.

Für den Bezirk Oberbayern ist Inklusion ein wichtiges Anliegen. Was bedeutet Ihre Mitwirkung als Betroffene vor diesem Hintergrund?
Schäl: Die Selbsthilfe fordert die Teilhabe in allen Lebensbereichen ein. Politik und Verwaltung sind jetzt sensibilisierter für unsere Belange. Ich spreche daher gerne vom Inklusionsprozess von innen. Dadurch, dass wir den Bezirk beraten und mitwirken, ändert sich auch die Haltung der Mitarbeiter gegenüber uns Betroffenen. Sie bekommen eine offenere Einstellung. Das spüren wir deutlich. Die aktive Beteiligung der OSPE an der Versorgung trägt damit auch zu einer Entstigmatisierung von Menschen mit einer psychischen Erkrankung bei.

Konnten Sie bereits eigene Ideen in den Bezirk Oberbayern einspeisen?
Schäl: Viele Ideen entstehen im Dialog und Austausch mit Bezirk und kbo. Akzente haben wir vor allem im Bereich des Trialogs gesetzt – also beim Austausch von Profis, Betroffenen und deren Angehörigen. Beim bereits erwähnten Beschwerdewesen liegt die Trägerschaft bei der OSPE. Die Beschwerdestellen sind Mitglieder in den regionalen Psychosozialen Arbeitsgemeinschaften und so in einem wichtigen Gremium vernetzt. Eine weitere, für uns wichtige Brücke in den Bezirk ist dessen Koordinator für die Selbsthilfe, Hermann Stemmler. Viele Ideen und Visionen haben wir gemeinsam mit ihm entwickelt. Auch viele weitere Mitarbeiter unterstützen uns in jeder Hinsicht. Ganz besonders wertvoll ist für uns auch, dass das Präsidium des Bezirkstags so engagiert hinter uns steht – zum Beispiel unsere Schirmherrin Bezirkstagsvizepräsidentin Friederike Steinberger.

Und wie sieht es mit der Umsetzung Ihrer Ideen aus?
Starzengruber: Veränderungen kann ich gar nicht konkret an einer konkreten Idee festmachen, die wir erfolgreich in das System eingespeist haben, sondern mehr an der Haltung, die sich gegenüber den Psychiatrie-Erfahrenen so positiv verändert hat. Wir reden mit und wir werden gehört. Ohne uns geht es nicht mehr. Das ist ein ganz toller Verlauf, den die OSPE seit der Vereinsgründung genommen hat.

Welche Zukunftsprojekte gibt es konkret?
Starzengruber: Wir kämpfen für Einzelzimmer in den Kliniken. Dadurch ließen sich viele Klinikaufenthalte verkürzen. Laut WHO haben Patienten Anspruch auf 14 Quadratmeter. Bei Um- und Neubauten sollte dies als Standard umgesetzt werden. Es muss selbstverständlich werden, dass Patienten ihre Privatsphäre haben dürfen.
Schäl: Aus den Sozialpsychiatrischen Diensten erreicht uns immer wieder die Bitte, dass wir uns an den Hilfeplankonferenzen beteiligen. Oft haben die Betroffenen wenig Vertrauen zu den Profis, die ihre Hilfe planen. Deshalb wäre die OSPE als Anwalt der Interessen von Betroffenen und als Vermittler gefragt. Wir könnten hier viel Vertrauen aufbauen. Für ganz wichtig halte ich auch, dass wir den Zwang zur Ökonomisierung des Gesundheitswesens immer wieder thematisieren, etwa am Beispiel der Fallpauschalen und Belegungsquoten. Problematisch ist auch, dass es zu wenig Zeit für die personenbezogene Behandlung gibt und so nur schwer ein Vertrauensverhältnis zwischen Behandler und Patient entstehen kann.

zur Ergebnisliste der gesuchten Meldungen nach oben

Ansprechpartner/in

Hermann Stemmler
Telefon: 089 2198-22104
Visitenkarte (vcf, 1kB) Zur Kontaktseite